Ludwig Stadler: Burgbauherr in der Gartenstadt

Der Architekt Ludwig Stadler errichtete Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen mit seinem Kollegen und Kompagnon Julius Necker zahlreiche Villen in der Gartenstadt Gräfelfing. Auch in München-Obermenzing und München-Thalkirchen sind Villen des Duos erhalten.

 

Mit dem Bau der Bahnlinie München-Starnberg erhielt das Dorf Gräfelfing auch einen Anschluss nach München. Die „Heilmannsche Immobiliengesellschaft AG“ plante das Terrain Gräfelfing mit einer lockeren Villenbebauung nach dem Vorbild der Gartenstadt-Idee. Neben einer Finanzierungsplanung bot die Terraingesellschaft ihren Kunden auch Unterstützung bei der Gestaltung der Häuser an. So waren die von der Gesellschaft engagierten Architekten Ludwig Stadler und Julius Necker fast für den gesamten Bau der Villenkolonie verantwortlich. Bei diesem frühen Bauträgerprojekt konnten die Kunden zwischen verschiedenen Villenmodellen wählen und eigene Wünsche bei der individuellen Gestaltung einfließen lassen. Friederike Tschochner, ehemals Archivarin in Gräfelfing, recherchierte die bebauung und die Hintergründe der Villenkolonie Gräfelfing. Die Blüte der Gräfelfinger Gartenstadt-Bewegung war jedoch kurz: Mit Ausbruch des Weltkriegs wurde der weitere Ausbau nahezu eingestellt. Von den sieben im Jahr 1914 bewilligten Neubauten sind noch zwei in alter Schönheit erhalten: die kleine Villa mit den hübschen Reliefmedaillons, welche die Baufirma Stadler & Necker für Rosario Fonseca in der Steinkirchner Straße erbaute, und das wunderbar bewachsene Häuschen Ruffiniallee 18 von den selben Baumeistern.

Burgähnliche Stadler Villa als Musterhaus

Die von Ludwig Stadler entworfene „Stadler Villa“ in der Steinkirchner Straße 13 diente der Firma Stadler & Necker als Musterhaus zur Werbung als Referenz. Stadler erwarb das Grundstück im Jahre 1901 und errichtete darauf bis 1905 ein wehrhaft wirkendes Gebäude, welches dominiert wird durch einen Turm. Von diesem hatte man beste Aussicht auf die entstehende Villenkolonie und wohl bis zur Alpenkette, wie es die

Werbepostkarten zeigen. Die unter Denkmalschutz stehende Villa zeichnet sich nicht nur durch den durch den Turm an der Westseite des Gebäudes, sondern auch durch den getreppten Giebel und die Veranda mit der darüber liegenden Terrasse aus.

Werke (Auswahl)

1902: Landhaus, Steinkirchner Straße 18, Gräfelfing (mit Julius Necker)

1905: Steinkirchner Straße 13, Gräfelfing (Bild oben)

1905: Doppelhaus in der Bahnhofstraße 89, 91, Gräfelfing (Julius Necker)

1905: Einfamilienhaus Steinkirchner Straße 11, Gräfelfing (Julius Necker)

1905: Villa, Steinkirchner Straße 22, Gräfelfing (Julius Necker)

1908: Villa Marsopstr. 8b, München-Obermenzing (mit Ludwig Stadler)

1910: Villa, Ludwigshöher Str. 51, München-Thalkirchen (Julius Necker)

1910: Haus mit Mansarddach Unterbrunnerstr 6 (mit Julius Necker), Gauting

Quellen:  Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Gräfelfing, Stadtportal München, Gerhard Schober: Die Gautinger Villenkolonie

Weitere Informationen:

Kurt-Huber-Gymnasium: Meilensteine Gräfelfings (gut recherchierte Informationen zur Entstehung der Gartenstadt von einem Projekt-Seminar des Abiturjahrgangs 2013)

Literatur:

Friederike Tschochner: Villen in Gräfelfing, Gemeinde Gräfelfing 2013

Heike Werner: Architektur-Ausflüge ab München: Würmtal & Umgebung, München, 2011

Fotografien: Ulrich Lohrer