Lerchenau: Wettbewerbsentscheidung zur Eggarten-Siedlung

Die Büschl Unternehmensgruppe und CA Immo haben einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb für die geplante Stadtquartier Siedlungausgelobt. Studio Wessendorf und Loidl Landschaftsarchitekten gewannen den 1. Preis.

 

Büro Studio Wessendorf zusammen mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin, gewinnen den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb zur Entwicklung der Eggarten-Siedlung im Bezirksteil Lerchenau des Münchner Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl. Ziel ist die Entwicklung eines nachhaltigen Quartiers der kurzen Wege – ein Modellquartier für genossenschaftlichen Wohnungsbau, Klimaschutz, Mobilität und Energie.

Das Preisgericht unter Leitung des Architekten und Stadtplaners Prof. Markus Allmann vergab unter 14 eingereichten Arbeiten einen ersten Preis an das Büro Studio Wessendorf aus Berlin zusammen mit dem Atelier Loidl Landschaftsarchitekten GmbH, ebenfalls aus Berlin.

Der zweite Preis wurde an das Schweizer Büro Ernst Niklaus Fausch Partner AG aus Zürich zusammen mit Hager Partner AG und Amstein + Walthert, beide auch aus Zürich, vergeben. Ein dritter Preis ging an das Büro Palais Mai GmbH aus München zusammen mit Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aus Freising.

Anerkennungen erhielten die Büros Behnisch Architekten aus München mit Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg; Tovatt Architects aus Stockholm mit Sweco Architects aus Göteborg sowie West 8 urban design & landscape architecture aus Rotterdam.

Ausgelobt hatten den Wettbewerb die beiden Grundstückseigentümer CA Immo und Büschl Unternehmensgruppe. Ihr Ziel ist es, den Eggarten zu einem zukunftsweisenden und nachhaltigen Modellquartier für genossenschaftlichen Wohnungsbau, Mobilität, Energie und Klimaschutz zu entwickeln.

 

Maßgebliche konzeptionelle Aufgabe des Wettbewerbs war es, eine Leitidee für die Eggarten-Siedlung zu entwickeln und zu zeigen, wie Vielfalt, Dichte und hohe Freiraumqualität an diesem Ort in Einklang gebracht werden können. Die teilnehmenden Büros waren zudem aufgerufen, durch mutige Lösungen und eigenständige städtebauliche und landschaftsplanerische Konzepte auf die Besonderheiten des Ortes einzugehen und dabei vorhandene Strukturen aufzugreifen oder weiterzuentwickeln.

 

Preisgericht: "Robustes Konzept für vielfältige Stadtstruktur, sehr fein aus Ort herausgearbeitet”

Das Preisgericht begründete die Entscheidung für den 1. Preisträger wie folgt: „Die Arbeit besticht mit einer einfachen städtebaulichen Struktur sich verzahnender Blöcke. Geschickt greifen die Verfasser die orthogonale Grundstruktur der bestehenden Gärten auf. Dadurch kann eine Vielzahl der bestehenden Bäume erhalten bleiben und dem Quartier von Anfang an einen Charakter geben. Die kleinteiligen baumüberstandenen Plätze lassen ein grünes, vielfältiges Quartier erwarten. Dank der differenzierten, maßstäblichen Freiräume entstehen glaubwürdige Orte für erdgeschossige Nichtwohnnutzungen. Dank einer konsequenten Verortung aller Stellplätze in drei Quartiersgaragen am Rande des Quartiers entsteht im Inneren ein verkehrsberuhigtes Erschließungsnetz mit multimodal nutzbaren Wegen.  Die Verfasser verzichten zugunsten kleinteiliger, belebter Quartiersplätzchen auf einen innenliegenden öffentlichen Park. Betreffend der Klimaökologie und des Immissionsschutzes bedarf der Entwurf in Teilen noch einer Überarbeitung. Die Energiebilanz im Betrieb kann hingegen überzeugen.“ Das Preisgericht sieht in diesem Entwurf „ein robustes Konzept für eine vielfältige Stadtstruktur, die sehr fein aus dem bestehenden Ort herausgearbeitet wurde“.

 

 

Die teilnehmenden Büros hatten Anfang Oktober 2019 mit der Arbeit für den Wettbewerb begonnen und ihre Ergebnisse Ende Februar 2020 eingereicht. Ursprünglich war die Preisgerichtssitzung für April 2020 vorgesehen, fand dann wegen Covid-19 aber am 17. Juli statt. Die Ergebnisse des Wettbewerbs sind nun Grundlage für die Befassung des Münchner Stadtrates und das weitere Bebauungsplan­verfahren. Ziel der Bauherren ist es, dieses im Laufe des Jahres 2023 zu einem Abschluss zu führen. Die Fertigstellung der Eggarten-Siedlung wird in Bauabschnitten erfolgen; frühestens ab 2025 ist mit dem Einzug der ersten Bewohner zu rechnen.

Künftige Eggarten-Siedlung soll Modellcharakter haben

Basis des Eckdaten- und Aufstellungsbeschlusses des Münchner Stadtrats vom Juli 2019 bildet ein Strukturkonzept, das die Landeshauptstadt München gemeinsam mit den Grundstückseigentümern 
CA Immo und Büschl Unternehmensgruppe erarbeitet hat. Darin wurde für die zukünftige Eggarten-Siedlung eine Bandbreite von 1.750 bis zu 2.000 Wohnungen als Planungsziel formuliert. Das Quartier soll Modellcharakter für München haben: So werden bis zu 50 % der Wohnungen in der Eggarten-Siedlung von Genossenschaften errichtet werden – was in diesem Umfang bei privaten Entwicklern erstmalig geschieht. Damit entsteht in München das größte genossenschaftliche Wohnquartier seit dem 2. Weltkrieg, das darüber hinaus an die Geschichte der einstigen Siedler-Genossenschaft im Eggarten anknüpft.

Hierzu haben die Grundstückseigentümer bereits eine Vereinbarung mit der GIMA München eG getroffen, einem Zusammenschluss von aktuell 32 genossenschaftlichen oder gemeinnützig tätigen Wohnungsunternehmen in München. Gemeinsames Ziel der drei Partner ist es, durch intensive Zusammenarbeit ein zukunftsweisendes, lebendiges neues Stadtquartier zu schaffen. So werden sich beispielsweise alle Bauherren finanziell an der Quartiersvernetzung und am Mobilitätskonzept beteiligen.

„Wir kooperieren mit den Grundstückseigentümern, um Qualität im Quartier herzustellen“, sagt Christian Stupka, Vorstand der GIMA München eG. „Ziel ist ein vernetztes, sozial intaktes Quartier der kurzen Wege, das aus sich selbst heraus funktioniert, in gelebter Nachbarschaft zur Umgebung.“ Geplant sind in der Eggarten-Siedlung auch eine Schule, Kitas, Angebote der Nahversorgung, Spielplätze, Fahrradwege, Sportplätze und soziale, nachbarschaftliche Angebote.

 

Modellquartier für Klimaschutz, Energie und Mobilität

Vor dem Hintergrund des Klimawandels soll die künftige Eggarten-Siedlung auch zu einem energetischen Modellquartier werden: mit einer klimaschonenden Energieversorgung, einem hohen Anteil erneuerbarer Energien, grüner Architektur und einem optimalen energetischen Gebäudestandard. All dies minimiert Treibhausgas-Emissionen und schafft ein gutes Stadtklima. Vergleichbare Ziele verfolgt das Mobilitätskonzept für das neue Quartier: Ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr sollen neue Mobilitätsangebote den Verzicht aufs eigene Auto fördern und auf kurzen Wegen im Quartier den Umstieg auf Fuß- und Radverkehr, ÖPNV und Sharing-Angebote ermöglichen. In Verbindung mit Quartiersgaragen soll so ein weitgehend autofreies Quartier entstehen. Zudem sollen die Vorteile der reduzierten Flächen für den Kfz-Verkehr aktiv für die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum genutzt werden.

„Der Siegerentwurf hat sich inspirieren lassen von der historisch gewachsenen Grünstruktur, er erhält viele Bäume und integriert Bestandsgebäude“, sagt Stefan Ondracek, Leiter Baurechtschaffung bei CA Immo am Standort München, „es wird ein durchlässiges Quartier geschaffen, in dem Nachbarschaften entstehen, in dem man sich begegnen wird. Auch die geplante 50:50-Aufteilung zwischen den beiden Eigentümern und den Genossenschaften ist anhand des Entwurfs von Studio Wessendorf hervorragend zuzuordnen.“

„Einen Ort, der bisher nur wenigen Menschen vorbehalten war, machen wir jetzt wieder vielen Münchnerinnen und Münchnern zugänglich – als Wohnraum, Grünfläche und Ort der Begegnung und Nahversorgung“, sagt Ralf Büschl, Geschäftsführender Gesellschafter der Büschl Unternehmensgruppe, „es freut uns sehr, dass wir dieses Ziel zusammen mit der Stadt München angehen und dass wir den Bereich der preisgebundenen Wohnungen zusammen mit den Genossenschaften realisieren werden. Dies ist ein absolut zukunftsfähiges Modell.“

Weitere Informationen:

Öffentliche Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse

Zeit: vom 23. Juli bis 9. August 2020, geöffnet täglich von 12 bis 20 Uhr

Ort: Isarforum auf der Museumsinsel in München

 

Themenabende mit Best-Practice-Beispielen zu den Modellquartier-Aspekten

Während der Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse laden die Grundstückseigentümer CA Immo und Büschl Unternehmensgruppe zusammen mit der GIMA München eG zu drei moderierten Themen­abenden ins Isar Forum ein. Dabei werden Best-Practice-Beispiele bereits realisierter Wohnquartiere vorgestellt – mit Bezug zu den Modellcharakter-Aspekten der zukünftigen Eggarten-Siedlung:

 

Mittwoch, 29. Juli 2020, 19 Uhr: „Grünräume, Artenvielfalt, Energieeffizienz – Quartiere werden Klimaschützer“

Im Gespräch mit Silvia Gonzalez (Leitung Urbanes Grün bei Green City e.V.), Peter Schmidt (Vorstand Isarwatt eG) und einem Vertreter der Grundstückseigentümer

 

Donnerstag, 30. Juli 2020, 19 Uhr: „Miteinander, Nachbarschaft, kurze Wege – so wird ein Wohngebiet zum lebendigen Quartier“

Im Gespräch mit Christian Stupka (Vorstand GIMA eG), Heidrun Eberle (Geschäfts-führerin Ackermannbogen e.V.), Mara Roth (Vorstand Quartiersgenossenschaft GeQo Prinz-Eugen-Park) und einem Vertreter der Grundstückseigentümer

Quelle: Pressemeldung Büschl Unternehmensgruppe / CA Immo vom 22.07.2020

Bildnachweis: Studio Wessendorf, Loidl Landschaftsarchitekten