Schönfeldvorstadt: Studentenwohnhaus aus Trümmerziegeln

Direkt hinter dem pompösen Universitätsforum entstand in der Nachkriegszeit nach einem Plan von Harald Roth ein deutlich schlichter Bau als Studentenwohnheim, das nach dem Studentenführer Fritz Beck benannt wurde. Die Namen und die Architektur sind bemerkenswert.

 

Am heutigen Professor-Huber-Platz führt zwischen den pompösen, von Friedrich von Gärtner entworfenen heutigen Universitätsbauten – dem ehemaligen Max-Joseph-Stift und dem Herzoglichen Georgianum – die Veterinärstraße nach Osten zum Englischen Garten. Das direkt an das ehemalige Max-Joseph-Stift angrenzende Nachkriegsgebäude Veterinärstraße 1 in der Schönfeldvorstadt des Stadtbezirks Maxvorstadt fällt durch seine Schlichtheit und der Verwendung von Trümmerziegeln auf. Es wurde 1952 bis 1953 nach einem Entwurf von Harald Roth als Fritz-Beck-Studentenwohnheim errichtet.

Von der Architektur ist es nicht nur aufgrund seiner Schlichtheit aus unverputztem Trümmerziegelwerk und den hellen Mörtelfugen sowie dem gewölbtem Vordach über dem Eingang bemerkenswert, sondern auch wegen der um einige Meter zurückversetzten Baulinie.

Fritz Beck war nach seiner Teilnahme im Ersten Weltkrieg Leiter und Geschäftsführer des Deutschen Studentenhilfswerks und der Deutschen Akademischen Austauschstelle (AKA), 1926 gründete er den Deutsch-Ausländischen Studentenclub in München, der als Ortsgruppe des Weltstudentenwerkes anerkannt wurde. Aufgrund seiner Kontakte zu der revolutionären Bayerischen Regierung unter Kurt Eisner und seinen internationalen Bestrebungen sahen die Nationalsozialisten ihn als ihren Feind an. Dennoch pflegte er Kontakte zum mächtigen SA Chef Ernst Röhm, der im Sommer 1933 auf Becks Vorschlag zum Ehrenvorsitzen des Münchener Studentenwerks ernannt wurde. Im Zuge der „Nacht der langen Messer“ gegen den „Röhm-Putsch“ am 30, Juni 1934 wurde Fritz Beck ins KZ Dachau verschleppt und später ermordet.

Auch der Architekt des Fritz-Beck-Studentenwohnheims Harald Roth hatte Kontakte zu führenden Personen des NS-Regimes: Von 1939 bis 1944 war er Mitarbeiter von Hermann Giesler, dem überzeugten Nationalsozialisten und von Hitler persönlich ernannter Generalbaurat für die Neugestaltung der „Hauptstadt der Bewegung“.

Heute wird das ehemalige Studentenwohnheim als Institutsgebäude der Universität genutzt. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Bibliothek, im Erdgeschoss eine Kita und eine Buchhandlung. Der begrünte Hofraum wird als Ruhezone genutzt.

Quellen: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München, Mitte, Band 3, Seite 1185; Winfried Nerdinger (Hrsg.): Architektur der Wunderkinder

Bindnachweis und Bildrechte: Ulrich Lohrer