Renaissance der Geschlossenen Fonds

Das Angebot an Alternativen Investmentfonds (AIF) für Privatanleger hat sich, wie eine Studie von Scope Analysis zeigt, im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal deutlich erhöht.

 

Der Markt für Geschlossene Publikums-AIF nimmt im zweiten Quartal 2019 deutlich Fahrt auf. Laut der aktuellen Auswertung der „Emissionsaktivitäten im zweiten Quartal 2019 der Geschlossenen Publikums-AIF und Vermögensanlagen“ von Scope Analysis hat sich nach dem Tiefstand im ersten Quartal 2019 mit drei Fonds die Zahl der neuen Fonds im zweiten Quartal verdreifacht.

 Das in den Anlagenprospekten genannte (prospektierte) Anlagevolumen der Investoren (Eigenkapitalvolumen) der neun im zweiten Quartal 2019 emittierten Fonds beträgt insgesamt rund 560 Millionen Euro. Es hat sich damit gegenüber dem ersten Quartal 2019 mehr als versechsfacht.

Damit scheint sich der Trend zugunsten der Geschlossenen Publikums-AIF vom vergangenen Jahr fortzusetzen. Denn 2018 erhöhte sich das prospektierte Eigenkapitalvolumen der vermittelten Geschlossenen Fonds gegenüber 2017 um 56 Prozent auf insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Knapp 80 Prozent davon betreffen Immobilienfonds.

An zweiter Stelle folgte als Anlageklasse Private Equity (163 Millionen Euro) und auf Rang 3 Geschlossene Fonds erneuerbarer Energien. Letztere erfuhren nach dem Absatzeinbruch aufgrund des Insolvenzverfahrens des Marktführers Prokon auf niedrigem Niveau einen starken Zuwachs von knapp 200 Prozent.

Dagegen wurden 2018 für die Anlageklassen Spezialitäten (Multi Asset), Infrastruktur und dem ebenfalls früher bedeutenden Segment der Schiffsfonds keine neuen Fonds aufgelegt.

Die Immobilien beherrschen also das Anlagesegment. Unter den Emittenten war im vergangenen Jahr bei den Kapitalverwaltungsgesellschaften die Münchner Wealthcap  mit Abstand der Marktführer. Auch dieses Jahr dominieren die Münchner den Markt mit ihren Neuemissionen.

Größte Fonds um 100 Millionen Euro.

Der größte Fonds wird laut Scope Analysis der Wealthcap Immobilien Deutschland 42 sein. Für diesen AIF, dessen Vertrieb im September starten soll, ist ein Volumen in Höhe von rund 129 Millionen Euro geplant. Die beiden anderen AIF mit einer Anlagesumme über 100 Millionen fokussieren sich auf die Anlageklasse Private Equity. Der MIG Fonds 16 und der United Investment Partners Projektentwicklungen Deutschland planen, Eigenkapital von je rund 105 Millionen Euro einzusammeln. Gemeinsam stellen diese drei Fonds ein Eigenkapitalvolumen von rund 339 Millionen Euro – was rund 61 Prozent des Angebotsvolumens des zweiten Quartals 2019 entspricht.

Laut einer Umfrage von WealthCap unter 54 Partnern ihres Vertriebsnetzwerkes – vorwiegend Vermittler aus Privatbanken (42 Prozent), Sparkassen (30 Prozent), Genossenschaftsbanken (17 Prozent) – vermitteln diese als Anlageklasse zu 90 Prozent deutsche Immobilien und zu 60 Prozent Auslandsimmobilien (Mehrfachnennungen möglich). „Entscheidender als der Zustand der Immobilie ist dabei ein zukunftsstarker Standort“, so Gabriele Volz, Geschäftsführerin von Wealthcap in München. Zudem würden die Anleger Stabilität und Planbarkeit sowie eine ausreichende Risikodiversifizierung schätzen – weshalb Gebäude mit mehreren Mietern (Multi-Tenant) derzeit für die Anleger an Bedeutung gewinnen würden. Laut der Umfrage bevorzugen die Anleger hinsichtlich der Nutzungsart der Immobilien vor allem Büro- und Wohnimmobilien (siehe Tabelle Seite 06 unten Mitte). Dies dürfte aber zum Teil auch das Angebot der Immobilienfonds widerspiegeln, bei denen Büroobjekte eindeutig dominieren. Dabei will sich die Mehrheit der Anleger nicht mit einer Rendite unter vier Prozent abgeben (Tabelle Seite 06 unten rechts). Für die Fondsinitiatoren dürfte es daher zunehmend schwerer werden, die Renditeanforderungen ihrer Anleger in den zentralen Lagen von begehrten Städten wie München, Stuttgart oder Berlin zu erfüllen. Immobilien mit Nutzungen für Pflege, Hotel oder Logistik, für die noch eher Renditen von über vier Prozent realistisch sind, werden dagegen nur von wenigen Anlegern gewünscht. Den Anlegern ist wohl bewusst, dass höhere Renditen dieser Nutzungsarten oft mit höheren Risiken verbunden sind. Zudem erfordern Spezialimmobilien eine besondere Expertise. Einige Initiatoren wie Hahn (Fachmärkte), INP (Sozialimmobilien), DFV (Hotels) und Real I.S. (Australien) haben sich daher mit ihrer Fondsausrichtung auf bestimmte Nutzungen oder Länder spezialisiert. Für private Anleger bleibt allerdings die eingeschränkte Handelbarkeit der Beteiligungen an Geschlossenen Fonds zusammen mit den oft hohen Kosten gegenüber anderen indirekten Immobilienanlagen wie ETFs auf Immobilienaktiengesellschaften, ein erheblicher Nachteil.

Anleger sollten Risiken streuen.

In der aktuellen Zeit der Unsicherheit hinsichtlich eventueller Handelskriege, eine sich abschwächende Weltkonjunktur, Italiens Schuldenpolitik und des Brexits  empfiehlt es sich tatsächlich, Risiken breit zu streuen. Bei Mindestanlagesummen von 10.000 Euro, wie es für Geschlossene Fonds üblich sind, ist dies aber nur für Anleger von AIF nur mit größeren Kapitalbeträgen möglich.

Die aktuelle Senkung der Leitzinsen in den USA und die zu erwartende Weiterführung der extrem expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank dürfte daher von vielen Initiatoren und Vermittlern Geschlossener Fonds mit Freude aufgenommen werden. 

Ulrich Lohrer, 6.08.2019

Bildnachweis (von oben nach unten): Wealthcap