Maxvorstadt: Googles Zmbaupläne für den Postpalast

Vergangenes Jahr erwarb Google das ehemalige Paketzustellamt. Nun wurden erste Pläne für den Umbau präsentiert. Statt einem Luxushotel sollen nun Büros für bis zu 1500 Mitarbeiter von Google entstehen.

 

In dem von 1925 bis 1930 nach einem Entwurf von Robert Vorhoelzer, Walther Schmidt und Franz Holzhammer erbaute Paketzustellamt mit seinem auffälligen, von einer Glaslaterne bekrönten Rundbau sollen ab 2023 rund 1200 Mitarbeiter von Google arbeiten.

Der amerikanische Internetkonzern, der im angrenzenden Arnulfpark bereits große Teile des Kontorhaus belegt, hatte den denkmalgeschützen Gebäudekomplex Ende 2019 von dem israelischen Milliardär Amir Dayan erworben. Statt es zu einem Luxushotel umzugestalten, plant nun das beauftragte Architekturbüro Allmann Sattler Wappner die Umnutzung für Büros. Am 15. September  hat Google in einer Video-Pressekonferenz über die Pläne für sein "Entwicklungszentrum der Zukunft" vorgestellt. Es sei "eines unserer aufregendsten Projekte in Europa und sogar weltweit", sagte die aus London zugeschaltete Google-Immobilienmanagerin Rhian Windridge. Ihr deutscher Kollege Wieland Holfelder, der für den Google-Standort München verantwortlich ist, informierte darüber, dass die alte Säulenhalle des Rundbaus ein zusätzliches Stockwerk bekommen werde. Zwischen Säulenhalle – die eventuell ein Café enthalten soll – und einem Querbau soll es einen grünen Hof geben, der explizit öffentlich zugänglich sein werde. „Wir öffnen das Gelände. Die gesamte Nachbarschaft soll es genießen", so Holfelder.

Corona ändert die Planung

Aufgrund der Corona-Krise und der vermehrten Nutzung von Home-Offices wurden die Pläne während der Ausarbeitung noch geändert. Statt für alle Mitarbeiter gleichzeitig Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, werde man womöglich deutlich mehr Flächen für "kreative Bereiche schaffen, wo Leute im Team zusammenkommen".

Auch statt den laut der Münchner Stellplatzverordnung vorgeschriebenen 300 Tiefgaragenplätze will Google durch Verhandlungen mit der Stadtverwaltung deren Zahl auf rund 200 reduzieren. Da nach der Firmenphilosophie durch „shared mobility“ möglichst wenig Dienstwagen genutzt werden sollen, will man diese Plätze dann auch "zum Nutzen der Stadt" abgeben.

 

 

Bildnachweis: © Google Germany GmbH

 

 

 

Postpalast-Projekt wird Google-Residenz 

Google Deutschland kauft das ehemalige Postzustellamt in der Arnulfstraße. Verkäufer ist eine Gesellschaft im Umfeld eines israelischen Investors. Statt einem Luxushotel sollen nun Büros für bis zu 1500 Mitarbeiter von Google entstehen

Nach Angaben eines Sprechers wird Google 100 Prozent der Anteile an den Projektgesellschaften Arnulfstraße München Grundstücks GmbH und Projekt Säulenhalle München Grundstücks GmbH übernehmen. Auf dem Areal mit historischer Bebauung in der Arnulfstraße 62, Deroystraße 3/5 und Tillystraße 3 im Marsfeld der Münchner Maxvorstadt werden rund 41.000 Quadratmeter Büroflächen geschaffen werden. Google selbst will dort 1.500 neue Arbeitsplätze unterbringen. 
Beide Gesellschaften gehören zum erweiterten Umfeld der Intown-Gruppe soll der israelische Millardär Amir Dayan stehen.

Das denkmalgeschützte ehemalige Paketzustellamt mit der markanten Rotunde sollte ursprünglich zu einem Fünfsternenobelhotel mit fast 290 Zimmern nach Plänen von Allmann Sattler Wappner umgebaut werden. Außerdem entsteht über der Säulenhalle ein Bürogebäude mit 15.000 Quadratmeter.

Ob Google ab Ende 2020 auch seinen Münchner Firmensitz in das neue Gebäude verlagern wird, ist unsicher. Google hat seinen Sitz in München zur Zeit  im Kontorhaus in der Erika-Mann-Straße 33 im Arnulfpark, nur wenige hundert Meter vom Postpalast entfernt.

Zur Höhe des Ankaufspreises wollte sich niemand äußern. Kreisen zufolge soll der Verkaufspreis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich zu hören. Laut Google wolle man am Bild der historischen Gebäude bei den Umbauten festhalten.

Das ehemalige Paketzustellamt

Der weitläufige, niedrige Baukomplex, mit einem in Ost-West-Richtung langgestreckten rechteckigem Grundriss (230 x 100 Meter)  wurde in mehreren Bauabschnitten in den Jahren 1925 bis 1930  nach Plänen von Robert Vorhoelzer, Walther Schmidt und Franz Holzhammer errichtet und gilt als bekanntes Werk der Bayerischen Postbauschule. Die zweigeschossige Randbebauung mit einer Portalzone an der Arnulfstraße ist mit reichem plastischem Dekor, bezeichnet 1926, geschmückt. Die Ostseite öffnete sich zu einem großen Hof, inmitten der die Rotunde der ehemaligen Paketverteilung pöatziert ist. Dies ist eine Stahlbetonhalle, die nur im Westen durch ein Gelenk mit dem schmalen Quertrakt der Lager- und Zentralhalle verbunden ist. Der Rundbau der Paketverteilung mit einem Durchmesser von 52 Meter ist im Gegensatz zur Randbebauung völlig frei von traditionellen Anklängen. Ein Kranz von Pilzsäulen trägt die Flachdecke, deren Mitte von einer konisch verengten Glaslaterne mit einem Durchmesser von 14 Meter durchbrochen ist.

Quellen: Immobilien-Zeitung, Frankfurter Allgemeine vom 30.10.2019; Paketzustellamt: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski – Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München – Mitte, Band 1, Seite103 - 104

Bildnachweis: Ulrich Lohrer