Obersendling: Siemens-Hochhaus soll umgebaut Bürostandort bleiben

Nach 15 Jahren des Leerstands soll das 22-geschossige Gebäude erweitert und zu einem zeitgemäßen Bürostandort ausgebaut werden. Der Stadtrat hat den Aufstellungsbeschluss entsprechend den Plänen von Henn Architekten nach Vorstellung des Entwickler Empira angepasst.

 

Am 7. Juli 2021 hat der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Stadtrats die Aktualisierung des Aufstellungsbeschlusses und damit die Revitalisierung des Standorts in der Baierbrunner Straße 54 im Bezirksteil Obersendling des 19., südlichen Münchner Stadtbezirk auf den Weg gebracht.

Das Hochhaus wurde von 1961 bis 1963 nach Plänen des Architekten Hans Maurer im Stil der Architektur der Moderne á la Mies van der Rohe als damals höchstes Bürohochhaus für die Siemens AG erbaut. Das Gebäude hat 23 Stockwerken und eine Höhe von 75 Meter. Maurer war damals der Hausarchitekt von Siemens und entwarf beispielsweise den im Stil vergleichbaren Glaspalast in Erlangen.

Ende der 1990er-Jahre und Anfang der 2000-Jahre veräußerte Siemens nach und nach die Liegenschaften in Obersendling. Das Siemens  Hochhaus sollte im Rahmen des Projekts Isar Süd durch zwei Wohnhochhäuser flankiert werden. Nachdem diese Pläne 2004 durch ein Bürgerbegehren gestoppt wurden, erwarb 2006 der Projektentwickler Hubert Haupt das Areal inklusive des Hochhaus, das angeblich sonst abgerissen werden sollte. Geplant war eine Asbest-Sanierung des denkmalgeschützen Gebäudes und der Umbau zur Wohnnutzung. 2011 kaufte die Isaria Wohnbau das leerstehende Gebäude.

Nachdem im Mai 2015 ein Architektenwettbewerb über die Umbau hin zu einer Nutzung als Wohngebäude mit dem Siegerentwurf von Meili, Peter Architekten München abgeschlossen wurde, sollte im März 2016 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Geplant waren von der Isaria mit dem Projekt „South One“270 Wohnungen mit einem Gesamtverkaufsvolumen von 189 Millionen Euro. 2018 wurde das Projekt jedoch gestoppt und das Siemens Hochhaus Anfang 2019 von der Isaria an die Schweizer Emira AG verkauft. Diese plant nun die Revitalisierung und Erweiterung für die Büronutzung.

Im März 2021 stellte das von einer Tochter der Empira mit der Planung einer grundlegenden Sanierung und von zwei neuen Anbauten beauftragte Architektenbüro Henn einen Vorentwurf in der Münchner Stadtgestaltungskommission vor. Die vorgestellten Pläne hätten nach damaligen Stand aber wohl eine Erlöschung des Denkmalstatus nach sich gezogen, da die charakteristische vorgehängten Fassaden aus Aluminium und Glas aus energetischen und ökonomischen Gründen nicht erhalten werden können. Kritik gibt es auch am Anbau, in dem beispielsweise Henn Einrichtungen, die im bestehenden Hochhaus nicht integrierbar seien, wie etwa ein großzügiger Empfang, Besprechungs- und Konferenzräume, Fitness- und Kreativbereiche sowie eine private Kindertageseinrichtung untergebracht werden sollen.

Am 7. Juli hat nun der Planungsausschuss des Stadtrates die Pläne von Henn Architekten „auf den Weg gebracht“.

Es wird jedoch versucht, den ursprünglichen Charakter weitgehend zu bewahren, sodass der Denkmalschutz für das in den 1960er Jahren erbaute Hochhaus aufrechterhalten werden kann. Nachhaltigkeit spielt bei der Planung eine wichtige Rolle: Eine Zertifizierung in Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) wird angestrebt. Unter anderem sind auf den Anbauten begrünte Dächer sowie der Einsatz von Photovoltaik an den Fassaden geplant. Der Erhalt der bestehenden Gebäudestruktur ist ein zusätzlicher wichtiger Beitrag zur Einsparung von Ressourcen. Das Verkehrsaufkommen und der Stellplatzbedarf sollen mit Hilfe eines Mobilitätskonzepts auf ein Minimum reduziert werden. Für die notwendigen Stellplätze ist eine Tiefgarage vorgesehen. Bei der Freiraumgestaltung steht die Entwicklung eines attraktiven Arbeitsumfeldes im Mittelpunkt. Zur Stärkung des parkartig geprägten Landschaftsbildes an der Siemensallee und südlichen Baierbrunner Straße soll der Baumbestand so weit wie möglich erhalten und durch Neupflanzungen ergänzt werden. Die Aufstellung des Bebauungsplans wird als vereinfachtes Verfahren nach Baugesetzbuch (§13 BauGB) durchgeführt. Eine entsprechende Bürgerbeteiligung ist im Jahr 2022 geplant.

Quelle: immobilienreport, Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München vom 07.07.2021

Fotografien: Ulrich Lohrer