Theresienwiese: Ein ehemaliges Brausebad als Bierausschank

Das ehemalige Brausebad an der Theresienwiese stand lange leer und verkam. Die  Edith-Haberland-Wagner-Stiftung ließ es als neue Eigentümerin zu einer Gaststätte umnutzen und orginalgetreu restaurieren.

 

Nach Plänen des Münchner Stadtbaumeister Hans Grässel wurde am Bavariaring an der Theresienwiese des heutigen Bezirksteil St. Paul (Wiesnviertel) der Ludwigsvorstadt um 1894 ein öffentliches Brausebad errichtet. Das anspruchsvolle Äußere als Zentralbau in neuklassizistisch-palladianischen Formen mit Portikus ließ nichts über die Nutzung vermuten. Im Inneren enthielt es Brausezellen, diem um die zentrale Heizanlage mit mittlerem Kamin radial angeordnet waren. Die Badeanstalt war nicht für das noble Villenviertel um die Theresienwiese – die in der Regel mit Bäder ausgestattet waren – gedacht, sondern für  das Arbeiterviertel auf der Theresienhöhe bis zum Westend.

Mit zunehmenden Wohnstandards auch im Arbeiterviertel verlor das Gebäude seinen ursprünglichen Nutzungszweck und stand lange leer. Zeitweilig diente es als öffentliche Bedürfnisanstalt und Straßenbahnschaffnerhaus.  Im Zuge der Umnutzung zu einer Gaststätte fand eine umfangreiche Sanierung statt, bei der spätere Fassadenöffnungen zurückgebaut und der Dachstuhl samt Laterne nach historischen Plänen und Fotos rekonstruiert wurden. In traditioneller Handwerkstechnik wurden Dachdeckung und Spenglerarbeiten ausgeführt.  Durch Ergänzung fehlender Fenster und Rekonstruktion der Eingangssituation wurde ein insgesamt stimmiges Erscheinungsbild erzielt. Mit dem Neuanstrich in einem gebrochenen Weißton erstrahlt das kleine Gebäude nun wieder.  Durch das sehr ansprechende Äußere ist hier ein wichtiger Baustein im Ensemble Wiesenviertel sichtbar und erlebbar geworden. Die handwerklichen Leistungen sind rundum lobenswert und wurde daher mit dem Fassadenpreis 2019 von der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. 

Bauherren: Edith-Haberland-Wagner-Stiftung vertreten durch Studio Hildmann Wilke Architekten Marienplatz 28 , 80331 München 

Quellen: Dennes A. Chevalley, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München Südwest, Band 1, Seite 97; Landeshauptstadt München – Referat für Stadtplanung und Bauordnung – Lokalbaukommission: Fassadenpreis 2019 der Landeshauptstadt München

Bildnachweis: Maja Kaltenbach