Fassadenpreis 2015: Bibliothek-Villa in Jugendstilform

Im November 2015 zeichnete die Landeshauptstadt München 25 private Gebäude mit dem Fassadenpreis 2015 aus und erwähnte sechs Gebäude der öffentlichen Hand lobend. Ausgezeichnet wurde auch die Medizinische Bibliothek , ehemals Brakls Kunsthaus, in der Ludwigsvorstadt.

 

Nach seiner Tätigkeit als Tenor und Direktor am Gärtnerplatztheater eröffnete der auch als Kunstsammler tätige Franz Georg Brakl (1854 – 1935) eine Kunstgalerie. Da sein Geschäft rasch expandierte , ließ er sich ab 1909 auf der Nordseite des Beethovenplatzes zunächst ein Wohnhaus (Lessingstraße 2) und anschließend von 1912 bis 1913 einen neuen Ausstellungsbau (Beethovenplatz 1) errichten. Die Gebäude befinden sich im heutigen Bezirksteil Ludwigsvorstadt Kliniken des 2. Münchner Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Von der Kunstgalerie zur Bibliothek

Brakl war einer der wichtigsten Galeristen der Modernen Kunst der damaligen Zeit und stellte vor allem Maler wie Franz Marc und August Macke sowie die Künstler aus der Vereinigung „Die Scholle“ aus. Wegen der schlechten Wirtschaftslage musste er nach dem Ersten Weltkrieg seine Kunsthandlung verkleinern und 1923 in sein Wohnhaus verlegen. 1929 verkaufte Brakl dann beide Gebäude an die Universität, die im ehemaligen Galeriegebäude  die medizinische Fachbibliothek und 1939 im ehemaligen Wohnhaus das Institut für Geschichte der Medizin einrichtet.

Jugendstil-Ensemble mit neobarockem Einschlag

Der Entwurf des Wohnhauses und „Brakls Kunsthaus“ stammt von dem Architekten Emanuel von Seidl, der im angrenzenden Wiesenviertel St. Paul zahlreiche Villen entwarf. Emanuel von Seidl – der Bruder des noch bekannteren Architekten Gabriel von Seidl (Lenbach-Haus, Künstlervilla, Deutsches Museum) – gestaltete das ursprünglich zweigeschossige Wohnhaus trotz seiner jugendstiligen Straffung in leicht barockisierenden Zügen (siehe Aufmacherbild oben). Der seit 1952 aufgestockte Bau ist durch Arkaden mit dem , in modern anmutenden Formen des späten Jugendstils gehaltenen Galeriegebäude  verbunden. Aufgrund seiner spitzwinkligen Lage in der Ecke zwischen Goethe- und Lessingstraße weist es einen dreieckigen Grundriss auf. Hinter der monumental wirkenden Hauptfront mit Kolonnade zur Goethestraße verbirgt sich ein Oberlichtsaal. Um diesen gruppierten sich die ehemaligen Ausstellungsräume.

Um 2013 wurde der Gebäudekomplex aufwendig renoviert und entsprechend den Anforderungen an eine moderne Bibliothek im Inneren umgestaltet. Nach den Ergebnissen der sorgfältigen Bestandsuntersuchung sind die originalen Putzstrukturen weitgehend erhalten. Um diese nicht zu beschädigen, entschied man sich, die vorhandenen Farbschichten nicht abzunehmen, sondern Schäden lediglich lokal mit einem Reparaturputz auszubessern. Ein Anstrich in einem hellen Grauton gibt der Fassade farblich die historische, einheitliche Erscheinung zurück. Die Sichtbetonteile der Einfriedung und des Säulenbalkons wurden schonend gereinigt und die Schadstellen ausgebessert. Um die Substanz der vollständig vorhandenen Originalfenster und Türen zu erhalten, erfolgte eine umfassende Instandsetzung.

Gewürdigt wird hier eine gelungene Instandsetzung, die einer Fassade an städtebaulich exponierter Lage wieder neuen Glanz verleiht. Es ist eines der Gebäude, dass mit dem Fassadenpreis 2015 der Landeshauptstadt München ausgezeichnet wurde.

Quelle: Pressemeldung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München vom 11.11.2015; Dennis A. Chevalley, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München, Südwest, Band 2, Seite 386

Bildnachweis: Ulrich Lohrer (oben, unten links; vor Sanierung), LMU / Staatliches Bauamt München 2 (oben links, unten; nach Sanierung)