Notenbank: EZB-Geldschwemme treibt Inflation auf knapp vier Prozent

Laut dem Statistischen Bundesamt wird die Inflationsrate in Deutschland im Juli 2021 3,8 Prozent betragen. Obwohl auch im Euroraum die Kaufkraft des Euro sinkt, erhöht die Europäische Zentralbank unter Präsidentin Christine Lagarde weiter die Geldmenge.

 

Laut dem Statistischen Bundesamt wurde der Anstieg der Inflationsrate im Juli 2021 insbesondere durch den Basiseffekt, der auf die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020 zurückzuführen ist, verstärkt. Seit Januar 2021 befinden sich die Mehrwertsteuersätze für fast alle Waren und Dienstleistungen wieder auf dem vorherigen Niveau. Die genaue Höhe des Basiseffekts sei allerdings nur schwer zu benennen, da gleichzeitig auch andere Preiseffekte wirken, wie zum Beispiel die CO2-Bepreisung und übliche Marktentwicklungen.

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, geht allerdings nicht davon aus, dass die Entwertung der Kaufkraft des Euros sich nur auf diesen Basiseffekt beschränkt. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußerte er seine Erwartung, dass  die Inflationsrate weiter zum Jahresende Richtung fünf Prozent ansteigen werde, dann aber wieder zurückgehen werde. „Hier sind vor allem aber vorübergehende Effekte am Werk“, so Weidmann.

Viele Ökonomen machen für die Kaufkraftentwertung des Euros die seit Jahren expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verantwortlich, zumal diese während der Corona-Pandemie nochmals die Geldmenge drastisch erhöhte. Nach der neoklassischen Geldtheorie und der statistischen Erfahrung der Vergangenheit führt eine deutlich über dem Wirtschaftswachstum liegende Ausweitung der Geldmenge zu einem Anstieg der Preise. In den vergangenen Jahren erhöhten sich vor allem die Vermögenspreise von Aktien und Immobilien deutlich stärker als deren Erträge. Zuletzt steigen aber auch wieder verstärkt die Verbraucherpreise. Die schwächere Kaufkraft des Euros trifft überdurchschnittlich Bezieher geringerer Einkommen und die Bezieher von Zinseinkommen, während der Anstieg der Vermögenspreise wie Aktien und Immobilien Vermögende begünstigt. Die anhaltend expansive Geldpolitik führt damit zu einer perversen Umverteilung, die die Reichen reicher und die Armen ärmer macht, aber vor allem Kreditnehmer auf Kosten der Sparer begünstigt.

Verantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist das sechsköpfige Direktorium und die 19 Notenbankchefs der Euro-Staaten. Selbst EZB-Präsidenten Christine Lagarde, Befürworterin der Politik der Druckerpresse, geht von einer steigenden Inflation aus. „ Die Inflationsrate (im Euroraum) lag im Juni bei 1,9 Prozent. Wir erwarten, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter steigen und im nächsten Jahr wieder zurückgehen wird“, so Lagarde. Vor Kurzem hat die EZB zudem ihr Ziel der Preisstabilität neu definiert. Statt die Inflation im Euroraum unter zwei Prozent zu halten. Soll nun das Ziel zwei Prozent sein. Ranghohe ehemalige Notenbanker, darunter die ehemalige Chefvolkswirte der EZB Otmar Issing und Jürgen Stark warnten bereits 2019 in einem Memorandum vor den Folgen dieser extrem lockeren Geldpolitik. Grund dafür sei nicht die Stützung der Konjunktur, sondern hochverschuldete Euro-Staaten vor einem Zinsanstieg zu bewahren. Die damit verbundene Staatsfinanzierung ist ausdrücklich in der Satzung verboten. Damit überschreitet die EZB ihr Mandat. Diese Politik hat die Staatsverschuldung aber noch erhöht und eine Umkehr noch unwahrscheinlicher gemacht. Die Konsequenz ist nicht nur eine vorübergehend höhere Inflation sondern ein dauerhaft höheres Inflationsniveau. Der Niedrigzins und die Kaufkraftentwertung wird jedoch die Nachfrage und damit die Blase bei Aktien und Immobilien weiter erhöhen, bis etwa ein sich verstärkender Vermögensabfluss aus dem Euroraum eintritt.

Quellen: destatis, ECB., FAZ

Bildnachweis: oben Inflation Euroraum, Bild klein (Christine Lagarde) EU-Parlament