Schloss Fußberg: Vom Prälaten-Palais zum Firmensitz

Am linken Ufer befindet sich in einer Flusschleife der Würm in Gauting das Schloss Fußberg. Von der Burg des Rittergeschlechts der Fuß ist nur der Name geblieben, das erhaltene Palais wurde vom Kloster Andechs errichtet und gehört heute mit dem umgebenden Park der Stadt Gauting.

 

Das Schloss Fußberg wurde erst 1721 von Paul von Dießen in seiner heute erhaltenen Form in Gauting errichtet. Bauherrin war das Kloster Andechs, dass den im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigten Vorgängerbau 1621 übernommen hatte.

Vorgängerbau als Hofmarkt der Wittelsbacher Ministerialen

Der Name des Schlosses geht auf das Rittergeschlecht der Fuß zurück, die das Schloss im 12. Jahrhundert verwalteten und unter dem bayerischen Herrscherhaus der Wittelsbacher dem Stand der Ministerialbeamte angehörten. Urkundlich ist Fußberg seit 1342 als befestigter Herrensitz und Lehensstück der bayerischen Herzöge nachgewiesen. Im Jahr 1560 wurde Fußberg Mittelpunkt einer Hofmarkt. Die Hofmarkt bezeichnete ein im Herzogtum Bayern mit einer Grundherrschaft verbundenes Recht, etwa einer niedrigeren Gerichtsbarkeit über Alltagsdelikte. In den Quellen ist das Schloss Fußberg auch nach dem Aussterben des Rittergeschlechts der Fuß als Sitz von Wittelsbacher Ministerialen aufgeführt. Nach dem kaiserlichen Richter Ludwig von der Teck ging das Schloss in den Besitz der Münchener Patrizierfamilien Püttrich, Ligsalz, Dichtl und Weiler über. 

Schloss Fußberg: Ein von Prälaten erbautes Palais mit Walmdachbau

Das vom Kloster Andechs erbaute heute noch erhaltene Schlossgebäude wurde 1721 über dem alten Gebäudekern errichtet. Es ist ein dreigeschossiger, palaisartiger Walmdachbau das auf dem Dach ein Belvedere (Aussichtsplatz) aufweist. Die folgenden Eigentümer nach der mit der durch Napoleon ausgelösten Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung des Klosters Andechs und seiner Hofmarken 1803 waren Freiherr von Zweibrücken, Theodor von Hallberg-Broich, Graf Waldbott-Bassenheim, Baron Hirsch und Rudolf Schwanthaler.

Fabrikantenfabrik mit Englischen Landschaftspark

Der Fabrikant Dr. Julius Haerlin, der im Jahre 1878 in der Nähe des Schlosses eine Hammerschmiede betrieb und später die Haerlinsche Papierfabrik gründete, erwarb 1893 Schloss Fußberg und baute es zu seiner Fabrikantenvilla um. Zudem ließ er eine Parkanlage im Englischen Stil mit Weiher errichten und dort Gartenfiguren aus dem 18. Jahrhundert anbringen. 1967 wurde die Produktion der Papierfabrik stillgelegt. Das Areal der Fabrik ist heute mit der Schlosspark-Wohnanlage bebaut, die aktuell saniert wird. Das eigentliche Schloss Fußberg mit dem umgebenden Park wurde nach drei Generationen im Eigentum der Familie Haerlin 1981 von der Gemeinde Gauting erworben.

Aktuelle Nutzung des Schloss Fußberg

Nach aufwendigen Renovierungsarbeiten durch die Gemeinde Gauting sind Schloss und ein weiteres Gebäude, das sogenannte Salettl, seit 1999 vollständig an die Firma Engel & Zimmermann AG vermietet. Der zur Schlossanlage gehörende und von der Würm durchflossene Park ist öffentlich zugänglich. Zu dem Anwesen gehören zudem eine Wagenremise, die zeitweilig im Sommer für Musikveranstaltungen genutzt wird. Seit längerem wird die Einrichtung eines Cafes in diesem Nebengebäude gerungen.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Fußberg; Bayerisches Landesamt  für Denkmalpflege

Bildnachweis: Foto: Ulrich Lohrer