Umfrage: Bauwirtschaft nähert sich der Rezession

Die deutschen Unternehmen schauen laut der Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) pessimistischer auf das laufende Jahr. Im Bausektor überwiegen die schlechten Aussichten – die Unternehmen wollen weniger investieren, der Personalbestand schrumpft.

 

In der Bauwirtschaft lag der Anteil der negativ gestimmten Unternehmen Ende 2021 bereits bei 20 Prozent. Nachdem ihr Anteil im Frühjahr 2022 schon auf 27 Prozent anstieg, liegt er jetzt bei 33 Prozent (siehe Grafik oben – rechts Bauwirtschaft). Ihnen stehen nur noch 25 Prozent Optimisten gegenüber. Die Gründe sind vielfältig: Es fehlt Material, Rohstoffe und Energie werden immer teurer, es gibt kaum Personal. Die Bauwirtschaft droht, in eine Rezession abzurutschen.  

Der Süden liegt vorne, Nord-Ost mit Comeback

Unternehmen aus Bayern und dem Süd-Westen haben im regionalen Vergleich die besten Erwartungen – hier gab es durch die Autokrise vorweg auch hohe Belastungen. In Bayern erwarten 46 Prozent der Unternehmen eine steigende Produktion. Dahinter liegt der Nord-Osten mit Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin. Weil diese Region viele wirtschaftliche Kontakte zu Russland und dem Ostseeraum hält, waren die dortigen Unternehmen in der Frühjahrsumfrage sehr pessimistisch gestimmt. Diese Ängste haben sich zurückgebildet und die Region liegt jetzt sogar leicht über dem bundesweiten Durchschnitt.

Unternehmen suchen Personal

Insgesamt wollen die meisten Unternehmen im Laufe des Jahres mehr Mitarbeiter beschäftigen – die Mehrheit im Bau rechnet derweil nicht damit, dass sie ihre Belegschaft aufstocken kann. Die von Personalmangel geplagten Dienstleister wollen dagegen deutlich mehr Menschen einstellen. In der Industrie blieben die Beschäftigungsaussichten ungefähr gleich. Massenentlassungen schließen die Unternehmen aus.

Investitionslücke weiter offen

Sorgen bereiten den IW-Forschern jedoch die Investitionspläne der Unternehmen. Zwar will die Mehrheit in diesem Jahr mehr investieren, jedoch geht ihr Anteil stetig zurück: In der Industrie sank er seit dem Frühjahr um neun Prozentpunkte. In der Bauwirtschaft rechnen 34 Prozent mit einem Rückgang bei ihren diesjährigen Investitionen, nur 20 Prozent planen, mehr zu investieren als im vergangenen Jahr. Nur der Dienstleistungssektor bleibt bei den Investitionsplänen stabil. „Die Investitionslücke, die während der Corona-Pandemie entstanden ist, wird in diesem Jahr nicht geschlossen“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Das wird das künftige Wachstumspotenzial in Deutschland spürbar bremsen.

Für die IW-Konjunkturumfrage wurden im Juni 2022 fast 2.300 Unternehmen aus ganz Deutschland befragt.

Weitere Informationen:

IW-Konjunkturumfrage Sommer 2020: Die Zuversicht schwindet

 

Bildnachweis: Grafik oben: IW-Konjunkturumfrage Sommer 2020