Schönfeldvorstadt: Vom Haslauer Block zum Ludwigpalais

Der von Ludwig von Klenze, der Hofarchitekt König Ludwig I., entworfene Palazzo ist einer der monumentalsten klassizistischen Bauwerke in der Ludwigstraße. Im Krieg nahezu vollständig zerstört, ist es heute eine der nobelsten Adressen der Isarmetropole. 

 

Als 1826 Ludwig der I. den Thron Bayerns bestieg, kündigte er den Weiterbau der Ludwigstraße über die Frühlingsstraße (heute: Von–der-Tann-Straße) hinaus an, dessen Beginn er bereits als Kronprinz am Odeonsplatz angestoßen hatte. Die Stadt musste die Grundstücke erwerben und an den meistbietenden Bauherrn versteigern. Bauherr des Gebäudes in der Ludwigstraße 6, 8, und 10 der Schönfeldvorstadt der heutigen Maxvorstadt war der Bierbrauer und Wirt Georg Haslauer.

Ludwigs Chefarchitekt Leo von Klenze entwarf die Bebauung der drei Anwesen des Blocks in einer äußerlich zusammengefassten Fassade, so dass der von 1827 bis 1828 errichtete „Haslauer-Block“ wie ein monumentaler Palast wirkt und das Pendant zum gegenüberliegenden Herzog-Max-Palais (heute Bundesbank-Gebäude) bildete. Obwohl ein im Norden angrenzendes Grundstück mit einem Wirtshaus in der Schönfeldstraße nicht erworben werden konnte, wurde an dem hier schmalen Bereich der Ludwigstraße ebenfalls die Fassade mit einer Tiefe von nur zwei Fensterachsen an der Schönfeldstraße errichtet. Erst 1892 wurde das Wirtshaus abgerissen und die hintere Gebäudeeinbuchtung durch einen Erweiterungsbau geschlossen. Stilistisch orientierte sich Klenze tatsächlich an einen Florentiner Palazzo der italienischen Frührenaissance, indem er das Erdgeschoss kräftig rustizierte und mit Rundbogenfenster sowie vier Rundportale zur Erschließung ausstattete. In den darüberliegenden zwei Obergeschossen haben dagegen lediglich die Fensterrahmen auf der sonst glatten Putzfassade eine Rustikaverzierung. Darüber brachte Klenze im Bereich des mächtigen Konsolfrieses unter dem Dach ein viertes Geschoss mit kleinen Rechteckfenstern unter dem Dach.Ludwig I. missfiel die Unterbringung eines vierten Geschosses im Bereich des Konsolfrieses, akzeptierte schließlich aber Klenzes Argument einer dadurch höheren Rendite.

Haslauer veräußerte die Immobilien bereits im Jahr der Fertigstellung an verschiedene Käufer weiter, der Komplex wurde jedoch weiterhin als „Haslauer-Block“ bezeichnet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Haslauer Block zur Ruine gebombt. Erst in den 1960er-Jahren wurden die Fassaden schrittweise durch den Architekten Erwin Schleich im Auftrag des Investor Dr. Hermann Hartlaub wieder errichtet. Im Inneren konzipierte Schleich zwei Innenhöfe mit einer Ladenpassage im Erdgeschoss sowie der Büro- und Wohnnutzung in den oberen Stockwerken.

Derzeitiger Eigentümer des gesamten ehemaligen Haslauer-Blocks  ist  die Quantum Projektentwicklung, die den Gebäudekomplex sanieren und zur vollständigen Büronutzung der Obergeschosse durch umgestalten ließ. Das Ensemble trägt nun zusammen mit dem angrenzenden ehemaligen von Ulrich Himbsel entworfenen Schulgebäude Von-der-Tann-Straße 2, einem ehemaligen von Rudolf Röschenauer erbauten klassizistischen Wohnhaus in der Von-der-Tann-Straße 3 sowie dem Neubau Ludwighof den Namen Ludwigpalais. Hinter den historischen Fassaden des Ludwigpalais befinden sich heute 14.900 Quadratmeter hochmoderne Büroflächen. Davon befinden sich in dem ehemaligen Haslauer-Block 10.100 Quadratmeter Bürofläche sowie 2.270 Quadratmeter Einzelhandels- und 680 Quadratmeter Wohnflächen.

Weitere Informationen

Quantum: Ludwigspalais

Quellen: Adrian von Buttlar: Leo von Klenze – Führer zu seinen Bauten, 2016; Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München, Mitte, Band 2, Seite 500 – 501

Bildnachweis: Fotos und Rechte daran von Ulrich Lohrer