Schwabing-West: Karstadt am Nordbad weicht einem Büroneubau

Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Stadtrats hat dem Abriss zugestimmt und die planerischen Ziele und Eckdaten für das Gesamtkonzept der Neubebauung beschlossen. Eigentümer Ariston plant ein Bürogebäude mit Einzelhandel.

 

Laut der Pressemeldung des Stadtplanungsreferat wird „die Entwicklung eines gemischt genutzten Stadtbausteins, der sich in die städtebaulich vorgeprägte Struktur der Umgebung einfügt“, angestrebt. Die konkrete Ausgestaltung soll im Rahmen eines Realisierungswettbewerbs erarbeitet werden.

Das Kaufhaus „Karstadt am Nordbad“ wurde 1967 errichtet und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein zeitgemäßes Gebäude. Der Betonbau in der Schleißheimer Straße 93 im Bezirksteil Neuschwabing des Münchner Stadtbezirk Schwabing-West liegt gegenüber dem Nordbad. Im Herbst 2020 wurde – beschleunigt durch den Lockdown der Corona-Pandemie – die Kaufhausnutzung aufgegeben. Karstadt hatte in dem Mietvertrag noch eine feste Laufzeit von sieben Jahren sowie Mietoptionen für weitere 15 Jahre, doch bezahlte es seit April 2020 keine Miete mehr.

Die Ariston Grundbesitz GmbH & Co. 8. Beteiligungs KG hatte das Grundstück zuvor, im August 2019 in Erbpacht von der Highstreet Holding GbR, einem Konsortium unter der Führung von Goldman Sachs, erworben. Nun soll das Areal durch eine städtebaulich und architektonisch anspruchsvolle Bebauung neu entwickelt werden. Laut Stefan Pfendner, Mitgesellschafter der Eigentümergesellschaft Ariston, lässt sich das Gebäude wegen den beiden oberirdischen Parkdecks nicht wirtschaftlich zu sanieren. Ariston plant stattdessen einen Neubau mit einer dreistöckigen Tiefgarage,  einem Nahversorger im Erdgeschoss und in den drei Obergeschossen Büroflächen mit 30.000 Quadratmetern für bis zu 1000 Arbeitsplätzen zu errichten. Der Entwurf stammte vom Münchner Architekturbüro Oliv GmbH Thomas Sutor. Der zuständige Bezirksausschuss (BA) Schwabing-West hat sich mit der BA-Vorsitzenden Gesa Tiedemann (Grüne) gegen eine rein gewerbliche Nutzung ausgesprochen und für die Errichtung von Wohnungen plädiert. Der Entwurf wurde vom BA einstimmig abgelehnt. Der Beschluss des BA ist für die entscheidende Behörde, der Lokalbaukommission, jedoch bindend. Im Oktober 2020 hatte deren Sprecher noch gesagt, dass „an dieser Ecke "im Hinblick auf die umliegende Nutzungsmischung auch Wohnen planungsrechtlich zulässig“ wäre. Nun heißt es in der Pressemeldung zum Entschluss des Stadtplanungsausschusses, das „aus rechtlichen Gründen ... an dieser Stelle auch künftig nur gewerbliche Nutzungen ohne Wohnanteil vorgesehen“ seien. „Die geplante Nutzungsmischung aus Einzelhandelsflächen, einer einladenden Markthalle, Gastronomie, Büroflächen nicht störendem Gewerbe und sozialer Infrastruktur wie Einrichtungen für Kinderbetreuung soll das Stadtteilzentrum Nordbad stärken. Der Gestaltung der Freiräume, dem Klimaschutz und der Klimaanpassung kommt bei der Neuordnung des Geländes eine besondere Bedeutung zu. Ein Gesamtkonzept soll vielseitig nutzbare Grün- und Freiflächen in den Innenhöfen und auf den Dächern festlegen, die sich positiv auf das Mikroklima auswirken. Der umliegende Baumbestand soll erhalten und in den Innenhöfen durch Großbäume ergänzt werden. Alle erforderlichen Stellplätze sowie zirka 100 Anwohnerparkplätze sind in der Tiefgarage nachzuweisen.

Quellen: Pressemeldung Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München vom 16.06.2021; SZ vom 8.10.2020; AZ vom 13.10.2020

Bildnachweis: © Architekturbüro Oliv GmbH Thomas Sutor