Stadtseilbahn: Über den Stau schweben

Der Freistaat und die Landeshauptstadt greifen die Idee der Schörghuber Unternehmensgruppe zum Bau einer Stadtseilbahn auf. Die Test-Seilbahn könnte entlang des Frankfurter Rings schweben. Erfolgreiche Vorbilder gibt es bereits.

 

Manchmal übernimmt der Staat Ideen der Privatwirtschaft, die für die Gemeinschaft Probleme löst. Ein großes Problem ist der drohende Verkehrsinfarkt der stark wachsenden bayerischen Landeshauptstadt, auch durch den zunehmenden Pendlerstrom.

Die Schörghuber Unternehmensgruppe, mit ihrem Tochterunternehmen Bayerische Hausbau eine der bedeutenden Projektentwickler Münchens, stößt bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere auch zunehmend auf verkehrliche Behinderung und beschäftigt sich daher mit innovativen Lösungsansätzen für die Infrastruktur. „Urbane Seilbahnen könnten in Zukunft dabei helfen, neue Wohngebiete zu erschließen“, sagt Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Hausbau.

„ Wir sollten schnell herausfinden, ob sich ein solches Projekt verwirklichen lässt“, greift Ilse Aigner, Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr die Idee auf. Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hält die Idee für spannend.

Test-Seilbahn im Münchner Norden?

Nun soll die Umsetzbarkeit der Infrastruktur mittels einer 4,5 Kilometer langen Test-Seilbahn zwischen der „Studentenstadt“ (Anschluss zur U6) bis zur Station „Oberwiesenfeld“ entlang dem überlasteten Frankfurter Ring geprüft werden. Im Vergleich zum U-Bahnbau ist sind die Errichtungskosten einer Seilbahn bei einer Länge von 4 bis 5 Kilometern mit mindestens 50 Millionen Euro gering. Bei einer Geschwindigkeit von 8,0 Meter pro Sekunde und einer Kapazität von 32 Personen pro Kabine können 4.000 Personen pro Stunde und Richtung transportiert werden – das entspricht 50 Prozent mehr Kapazität, als sie eine Münchner Tram bietet. „ Eine Seilbahn könnte überraschend viele Passagiere in kurzer Zeit transportieren und wäre gleichzeitig schnell und verhältnismäßig kostengünstig zu realisieren“, zeigt sich OB Reiter überzeugt. Ähnliche Überlegungen gibt es aktuell auch in Stuttgart.

Vorbilder in London...

Seilbahnen als öffentliche Verkehrsinfrastruktur sind anderorts bereits erfolgreich im Einsatz. So verbindet die nach dem Sponsor Emirates Air Line benannte Luftseilbahn die Londoner Stadtteile Greenwich und Docklands.

und in La Paz in Bolivien

Das weltweit größte Seilbahn-Netz wird soeben vom Unternehmen Doppelmayer aus Vorarlberg in La Paz fertiggestellt. Boliviens Präsident Evo Morales absolvierte im Januar 2018 die Jungfernfahrt von zwei weiteren, der nun insgesamt sieben Seilbahnlinien. In München wird die Idee nun von den zuständigen Verwaltungsstellen geprüft und soll danach dem Stadtrat vorgelegt werden.

 

Bildnachweis (von oben nach unten): © Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr . Darstellung: bauchplan ).( 2018 ; Visualisierungen/Skizzen/Plan: Schörghuber Unternehmensgruppe

Quellen: Pressemeldung Schörghuber Unternehmensgruppe. vom 11. Juli 2018; Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr