Reichszeugmeisterei, McGraw-Kaserne und Polizeistützpunkt

An der Tegernseer Landstraße befindet sich der riesige Gebäudekomplex der von den Nazis errichteten Reichszeugmeisterei. Später von der US-Army als McGraw-Kaserne genutzt, dient sie heute als Stützpunkt der Münchner Polizei. Seit längerem wird ein Umbau diskutiert, um mehr Wohnungen zu erhalten.

 

Die McGraw-Kaserne in dem nördlichen Bezirksteil Obergiesing des Stadtbezirks Obergiesing-Fasanengarten grenzt an den Bezirksteil Neu-Harlaching. Im Norden wird sie durch die Chiemgaustraße, im Osten durch die Warthofstraße, südlich durch die Peter-Auzinger-Straße und im Westen durch die Soyerhofstraße begrenzt. Das Areal wird durch tegernseer landstraße, die hier durch den unterirdisch-halboffen McGraw-Graben führt, durchschnitten.

Vorgeschichte

An der Stelle des heutigen Gebäudekomplex soll ehemals der Maechlerhof gestanden haben, bis das Grundstück 1910 von Firma Maurer Söhne erworben wurde. Das Grundstück wurde dann 1934 von der NSDAP übernommen, die die Liegenschaft ab 1935 vergrößerte und die Reichzeugmeisterei in Folge als Kaserne, Großgarage, Materialdepot und Wohnanlage errichten.

Reichszeugmeisterei während der NS-Zeit (1935 – 1945)

Das vorgesehene Gebäude 7 für die spätere Reichszeugmeisterei, die Nachfolgeinstitution der seit 1928 in der anliegenden Tegernseer Landstraße ansässigen SA-Wirtschaftsstelle, wurde durch Paul Hofer und Karl Johann Fischer in Stahlskelettbauweise errichtet und war 1937 größtenteils fertiggestellt. Bei diesem Hauptbau handelt es sich um eine Vierflügelanlage um einen begrünten Innenhof, dessen 110 Meter lange Hauptfassade an der Tegernseer Landstraße durch eine monumentale Pfeilerhalle betont wird.

Nach Süden schließt sich ein Gebäudetrakt 8 mit 60 Wohneinheiten für Angestellte an, an der Soyerstraße eine 185 Meter lange Großgarage 4 ? (3?) sowie eine Werkstättenhalle 3? (4?) mit Ersatzteillager, Luftschutzkeller und Tankstelle.

Die Kaserne diente bereits als Fuhrparkgelände des „Reichsautozuges Deutschland“ und des „Hilfszuges Bayern“ für die NSDAP-Parteizentrale im Brauen Haus. In erster Linie diente sie als Stützpunkt von LKW-Transportzügen für Massenveranstaltungen wie die Reichsparteitage in Nürnberg. Auf dem dreieckigen Grundstück wurden zwei jeweils mehrteilige Anlagen errichtet. Der „Reichsautozug Deutschland“ unterstützte technisch Großveranstaltungen mit Lautsprecheranlagen und besaß einen eigenen Filmvorführ-Zug. Die Ausrüstung lagerte im Gebäude 1 an der Peter-Auzinger-Straße. Der „Hilfszug Bayern“ war mit seinen 160 Fahrzeugen für das leibliche Wohl der Teilnehmer zuständig. Die Gebäude 6, 8, 10, 11, und 12 dienten als Wohngebäude für das Personal.

In der Reichszeugmeisterei wurden durch Kriegsveteranen und -versehrte sowie später auch durch Kriegsgefangene die Erprobung von Uniformen und Wehrmaterial sowie die Instandsetzung von Fahrzeugen durchgeführt.

McGraw-Kaserne der US Army (1945 – 1992)

Nach Kriegsende wurde die Liegenschaft am 30. April 1945 durch die US Army besetzt. Die Amerikaner benannten die als Kaserne genutzte Anlage nach den amerikanischen Kriegshelden Francis X. McGraw (1918 - † 19. November 1944) und bauten sie bis auf rund 30 Gebäude weiter aus. Neben zahlreichen militärischen Institutionen beherbergte die Kaserne Einrichtungen des täglichen Lebens für die in der Wohnsiedlung am Perlacher Forst (Ami-Siedlung) wohnenden Familien, unter anderem seit 1950 das University of Maryland, Munich Campus, das 1958 im Gebäude 2 untergebracht wurde. Im Gebäude 7 befand sich von 1945 bis 1949 die U.S.-Militärregierung, ab 1952 die Münchener Außenstelle des Southern Area Command (SACOM), die 1964 aufgelöst wurde. 1965 wurde das U.S. Army Area Command (AACOM) im Gebäude 7 untergebracht. Ab Ende 1968 wurde das Gebäude 7 dann durch die beiden vereinten und nach München verlegten Military-Intelligence Gruppen 66 und 513 belegt, die aber dann im Gebäude 1 untergebracht wurden. 1969 zog das HQ EES im Gebäude 7 ein.

Münchner Polizei sowie Unterkunft für Studenten und Flüchtlinge (seit 1992)

Nach Abzug der U.S.-Streitkräfte aus München zogen im Jahr 1992 verschiedene Dienststellen der Münchner Polizei in die ehemalige McGraw-Kaserne ein. Das Hauptgebäude der früheren Reichszeugmeisterei dient heute als Außenstelle des Polizeipräsidium München. Auch nutzt die Polizei das Stabsgebäude sowie die Wagenhalle und Großgarage.

Das Studentenwerk München verfügt dort über 50 Wohnplätze. Ein Teil der Liegenschaft wird mit Wohngebäuden bebaut. Die ehemalige Maschinenhalle soll zur Multifunktionshalle umgebaut werden. Der Abriss des ehemaligen US-Wirtschaftsgebäudes und -wohnhauses, der Zeltbahnwäscherei und wohl auch der Großgarage des „Hilfszuges Bayern“ wird diskutiert, um das frei werdende Gelände mit Wohnhäusern zu bebauen. Anfang 2014 wurde bekannt, dass das Geländes eventuell als Polizei-Siedlung dienen könnte

Seit 2015 wird auf einem Teil des ehemalige Geländes der McGraw Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtigung für Asylbewerber und Flüchtlinge durch die Regierung von Oberbayern betrieben.

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/McGraw-Kaserne; Winfried Nerdinger (Hrsg.): Architekturführer München

Fotografien: Ulrich Lohrer