Ludwig-Richter-Höfe: Denkmalschutz zum Erhalt des Innenhofes

Die vom Bauunternehmer Karl Stöhr errichteten zwei Wohnblöcke in Laim gelten als eine der wenige Beispiele des Heimatschutzstils in München. Ein Verein setzte sich für den Erhalt des Innenhofs der Ludwig-Richter-Höfe und gegen den Bau einer Tiefgarage ein.

 

Die Wohnanlage besteht aus zwei Blöcken in der Agnes-Bernauer-Straße 1/3/5/7/9 (siehe Bild oben), Lautensackstraße 6/8/10/12/14/16 (siehe Bild links) und Ludwig-Richter-Straße 20/22/24 sowie Schedelstraße 1–14 im Bezirksteil Friedenheim des Stadtbezirks Laim. Sie wurden vom Bauunternehmer und Architekten Karl Stöhr, dem Erbauer des Deutschen Theater und Gründer der Südhausbau, von 1925 bis 1927 errichtet. Die Anlage besteht aus 27 Mehrfamilienhäusern in Form von viergeschossigen Mansardtraufseitbauten. Von außen sind die zwei Wohnblöcke durch die einheitliche Fassadengestaltung mit Klinkersteinen sowie Natursteinportalen im Erdgeschoss und verputzten Obergeschossen als Einheit klar zu erkennen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Anlage Schäden, wurde aber zwischen 1947 bis 1949 wieder aufgebaut.

Die Patrizia AG in Augsburg erwarb 2007 die Anlage von der MEAG, der Immobilientochter der Munich Re und wandelte Wohn- und Gewerbeeinheiten des östlichen Blocks in 178 Eigentumswohnungen unter dem Namen Ludwig-Richter-Höfe um und bot diese den Mietern zum Erwerb an. Im Inneren herrscht typischer Altbau-Charme mit 2,80 Metern Raumhöhe, Wohnküche und zumeist noch altem Fischgrät-Eichen-Parkett. Die Wohnungen mit 1,5 bis zur 4,5 Zimmern weisen Wohnflächen von insgesamt  53 bis 113 Quadratmeter auf. Lehnten diese den Erwerb ab, wurden die Wohnungen externen Kaufinteressenten angeboten. Ältere Mieter erhielten jedoch ein lebenslanges Wohnrecht. Sämtliche Wohnungen wurden von Winter 2012 bis Herbst 2014 verkauft.

Der Plan der Umgestaltung sah auch den Bau einer Tiefgarage vor. Dafür hätten 12 von 20 Bäumen, darunter vier große alte Linden, gefällt werden müssen. Um dies zu verhindern gründeten Mieter und Eigentümer daher am 16. September 2013 den Verein „Grüner Innenhof Laim“. Durch Medienberichterstattung, politische Einflussnahme des Bezirksausschuss Laim und Vorsprache beim Denkmalschutzamt erwirkte die Initiative gegen den Widerstand der Patrizia den Denkmalschutz der Anlage  und die Abwendung des Tiefgaragenbaus.

Das Amt für Denkmalpflege erkannte die Denkmalschutzwürdigkeit des Karrees unter anderem aufgrund der künstlerischen Bedeutung der Fassade, bestehend aus einem Betonsockel und den darüber beginnenden Klinkersteinen sowie etliche bauliche Details an den Portalen. Und auch städtebaulich habe die Wohnanlage aufgrund der vereinheitlichten Fassadengestaltung eine wichtige Bedeutung und sei daher erhaltenswert.

Vor allem aber sei die Anlage eine der wenigen Beispiele in München, die dem sogenannten Heimatschutzstil zuzuschreiben ist: „Charakteristisch für diesen Stil ist auch die Verwendung ortsüblicher Materialien.“ Darunter wird eine rchitektonische Richtung von etwa 1900 bis nach 1945 verstanden, die sich in Reaktion auf Historismus und Moderne entwickelte und die vor allem die regionalen Traditionen des Bauen betonte. Zu den führenden Vertretern des Heimatschutzstils werden Heinrich Tessenow, Paul Schultze-Naumburg und Paul Schmitthenner, aber auch Fritz Schumacher, Theodor Fischer und Roderich Fick gezählt.

Quellen: Flyer der Patrizia AG: Altbau mit Charme „Ludwig-Richter-Höfe“, Verein „„Grüner Innenhof Laim“ http://www.gruenerinnenhof-laim.de/presse.html, Medienberichte.

Fotos: Ulrich Lohrer