Am Westbad: Villen, Wiese und Großbaustellen

Im Viertel östlich von Pasing gibt es viele kleine Wohnhäuser. Mitten in der Großstadt gibt es unbebaute Wiesen und viele Schrebergärten. Doch auf dem Stückgutgelände entsteht ein urbanes  Wohnquartier mit Hochhäusern.

 

Trotz noch kühler Außentemperaturen, entspannen Besucher des Westbads München an den Massagedüsen des Außenbeckens. Das mit Bad Reichenhaller Sole angereicherte Wasser ist auf wohlige 34 Grad Celsius geheizt. Obwohl die Eintrittsgebühren hoch sind, ist das Westbad ein beliebter Freizeit- und Erholungstreff, nicht nur für die Bewohner des Stadtbezirks Pasing-Obermenzing.

Das neue Westbad (Bild links) wurde zwischen 1996 und 1998 nach Plänen der Münchner PRPM Architekten von den Stadtwerken München (SWM) erbaut und bietet mit seiner Glaskuppel und einem Strömungskanal sowie einer Rutsche im Innenraum, zwei Saunabereichen als Anziehungspunkt für Familien ein interessantes und vielfältiges sportliches Ambiente. Im Sommer zieht das dazugehörige Freibad mit großzügigen Wiesen die Besucher an.

Die Freizeitanlage gibt auch einem Bezirksteil dieses Stadtbezirks den Namen. Das Viertel „Am Westbad“ befindet sich südlich der zentralen Gleisanlagen und erstreckt sich vom Osten ab der Willibaldstraße bis zur Blumenauer Straße im Westen.  Vom Westbad verläuft entlang „Am Knie“ bis zur Offenbachstraße eine Ausbuchtung des Viertels nach Pasing. Viele Pendler durchqueren täglich das Viertel mit der S-Bahn oder dem Auto. Wer jedoch von der S-Bahn-Stammstrecke oder der Nordumgehung Pasing auf die Landsberger Straße in das Münchner Zentrum fährt, bekommt mit den Autohändlern, Fast-Food-Imbissen oder herunter gekommenen Geschossbauten keinen repräsentativen Eindruck des Viertels.

Hinter Geschossbauten Lärm-geschützte Villen und Doppelhäuser

Denn südlich dieser Verkehrsachse befindet sich hinter den mehrgeschossigen Wohnanlagen der Landsberger Straße eine kleinteilige Bebauung aus Einfamilienhäusern, Reihen- oder Doppelhäusern mit kleinen Gärten und gewachsenem Baumbestand. An der Ecke Agnes-Bernauer-Straße / Willibaldstraße befindet sich mit dem Salvatorianer-Kloster St. Willibald (Bild unten links) ein eleganter Nachkriegsbau des Münchner Architekten Hansjakob Lill, der zusammen mit Sep Ruf und Thomas Wechs als Pionier des neuen katholischen Kirchenbaus gilt.

Obwohl noch recht zentral in München, der Großstadt mit der höchsten Bevölkerungsdichte Deutschlands, ist etwa die Hälfte des Viertels unbebaut: Westlich der Fischer-von-Erlach-Straße und der südlichen Willibaldstraße befinden sich Sportanlagen, Schrebergärten und die Baumschulen der Stadtgärtnerei München. Der südwestliche Teil von „Am Westbad“ wird sogar weitgehend noch landwirtschaftlich genutzt und vermittelt den Eindruck einer ländlichen Gegend.

 

Ausbau der U-Bahnlinie U5 

Man darf gespannt sein, wie lange diese unbebauten Flächen noch nicht von Baggern und Kränen heimgesucht werden. Mit der beschlossenen Verlängerung der U-Bahnlinie U5 von Laim nach Pasing wird das Viertel entlang der Gotthardstraße am Westbad vorbei bis zum Knie ab 2021 zur Großbaustelle.

Weil beispielsweise der geplante U-Bahnhof Am Knie aufgrund der Nähe zur Bodenfläche nicht bergmännisch errichtet werden kann, muss er mit Bohrpfahlwänden erbaut werden, was einen ziemlichen Lärm verursacht. Sonst werden aber die U-Bahn-Röhren im Viertel weitgehend bergmännisch errichtet – im Gegensatz zum benachbarten Laim, wo entlang der Gotthardstraße ebenfalls Bohrpfahlwände errichtet werden müssen.

 

 

Großbaustelle auf dem ehemaligen Stückgutgelände

Doch der Bereich nordwestlich Am Knie, auf dem ehemaligen Stückgutgelände, wird bereits bebaut (siehe großes Bild oben). Zwischen der Nordumgehung Passing (NUP), der Offenbacher Straße und der Landsberger Straße entsteht eines der größeren Wohnquartiere Münchens. Die Riegelbauten der GWG München mit geförderten Mietwohnungsbauten südlich der NUP sind bereits weitgehend fertiggestellt.

Vor Kurzem hat auch Projektentwickler Bauwerk mit dem Ausbau und Vertrieb der 175 Eigentumswohnungen in fünf Neubauten im östlichen Quartiersteil rund um die denkmalgeschützte ehemalige Kuvertpapierfabrik (Kupa) begonnen. Die Architektur (siehe Visualisierung von Bauwerk links)mit asymmetrischen Erkern stammt von Allmann Sattler Wappner (ASW). Die Hochbauarbeiten sollen im Sommer 2019 beginnen, mit der Fertigstellung wird für Ende 2021 gerechnet. Dabei wird eine gehobene Käuferschicht angesprochen: Die Verkaufspreise für die Eigentumswohnungen liegen bei etwa 12.000 Euro pro Quadratmeter.

Pläne für Hochhaus über dem Umspannwerk

Spektakulär sind auch die Pläne für das Hochhaus L438 von Auer Weber Assoziierte, das an der Kreuzung zum Knie entstehen wird. Der Projektentwickler Idema aus Gilching will über das Umspannwerk der SWM den etwa 60 Meter hohen Turm für Büros und Wohnungen errichten.

Der südwestliche Abschluss des Quartiers an der Offenbachstraße bildet der Gebäudekomplex Paseo Carré (Maier Neuberger Architekten) des Projektentwicklers M-Concept mit 200 Eigentumswohnungen, der bis 2021 fertiggestellt sein soll.

Vereinzelt wird auch in den anderen Bereichen gebaut, die durch kleinteilige  individuelle Bebauung geprägt ist (siehe Bild links), indem alte Einfamilienhäuser durch kleinere Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. So etwas entsteht beispielsweise in der Agnes-Bernauer-Straße 166, deren fünf Wohneinheiten von Current Immobilien verkauft werden. Künftig wird auch das Viertel am Westbad stärker verdichtet.

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

 

Am Westbad ist der südöstlichste Bezirksteil des Münchner Stadtbezirks Pasing-Obermenzing. Im Norden bilden die zentralen Gleisanlagen die Grenze zum Nachbarviertel Neupasing. Westlich der Linie Offenbachstraße, Landberger Straße, Am Knie, Weinbergstraße, Perlschneiderstraße und Blumenauer Straße befindet sich Pasing, wie Neupasing und Am Westbad Teil des Stadtbezirks Obermenzing-Pasing. Südlich der Senftenauerstraße liegt  Blumenau, ein Bezirksteil des Münchner Stadtbezirk Hadern. Und die Willibaldstraße im Osten trennt das Viertel von St. Ulrich, einem Bezirksteil des Stadtbezirks Laim.

 

Einwohner: Am Westbad wohnen überdurchschnittlich viele Familien mit Kindern, aber auch sehr viele Senioren. Der Ausländeranteil liegt über dem Stadtdurchschnitt.

Infrastruktur: Das Viertel wird entlang der Agnes-Bernauer-Straße und im Norden von der Tram-Linie 19 durchquert. Die Erweiterung der U-Bahnlinie U5 ist beschlossen. Einzelhandel gibt es am Willibaldplatz und Einkaufszentren entlang der Landsberger Straße. Das Westbad und die angrenzenden Sportanlagen bieten Freizeitmöglichkeiten. Dort befindet sich auch das Staatliche Max-Planck-Gymnasium.

Immobilien: Aktuell werden vor allem die im Bau befindlichen Wohnungen (Kupa) zum Kaufen angeboten.  

Ulrich Lohrer; Stand: 09.04.2019 

Bildnachweis: zweites Bild links von obern SWM; Visualisierung: Bauwerk nach Allmann Sattler Wapper