Aschheim: Boomgemeinde im Osten von München

Aschheim zieht nicht nur das DAX-Unternehmen Wirecard an, sondern hat auch immer mehr Einwohner. Die Gemeinde reagiert mit Wohnungs-Modellen und Schulbauprojekten.

 

Eine der am schnellsten wachsenden Münchner Umlandgemeinden ist Aschheim östlich der Landeshauptstadt. Der Bevölkerungszuwachs von 2012 bis 2017 entsprach 14 Prozent – die höchste Zunahme in dieser Zeit unter Münchens Umlandgemeinden.Dabei gilt der Ort als eine der am frühesten besiedelten Gegenden im Großraum München. Grabfunde mit Keramiken mit verziertem Rillenmuster (Schnurkeramiken), die im Jahr 2008 beim Bau der Umgehungsstraße entdeckt wurden, zeugen von eine Besiedlung in der Zeit von 2800 bis 2200 vor Christus Geburt.

Wohnort der Kelten und Römer, Emmerams Grabstätte

Sehr viel später – im ersten Jahrhundert nach Christus Geburt – befanden sich hier – bei der römischen Verbindungsstraße (Via Julia) von Augusta Vindelicum (heute: Augsburg) nach Ovilava (heute: Wels/Oberösterreich) – drei Landgüter (villa rusticae) der Römer, die zum Teil baulichen Luxus wie Badezimmer mit Fußbodenheizung, steinerne Badewannen und Glasfenstern aufwiesen. Rund 100 Jahre älter ist eine Statuette der Göttin Athene, die  in einer ehemaligen Siedlung der Kelten in der Gegend gefunden wurde und nun neben anderen kulturhistorischen Exponaten im AschheiMuseum besichtigt werden kann.

Um das Jahr 680 wurde Emmeram, ehemals Bischof von Poitiers und dann Missionar in Regensburg, wegen eines Missverständnisses von Lantpert, Sohn des bayerischen Herzogs Theodo, ermordet. Emmerams Begleiter brachten die Leiche nach Aschheim, wo er in der Holzkirche Sankt Peter begraben wurde. Später wurde sie auf Theodos Befehl nach Regensburg überführt.

 

756 fand in Aschheim („Heim bei den Eschen“), damals erstmals namentlich erwähnt, die erste Landessynode von Bayern statt, an die zwei Holztafeln aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erinnern, die an dem Haus Erdinger Straße 2 angebracht sind.

Die Kirche in dem der Heilige zeitweilig bestattet war, wurde bereits um 700 durch einen Steinbau ersetzt. Die heutige, 1937 nach Plänen von Hans Neumaier und Georg Berlinger errichtete Kirche St. Peter und Paul (siehe große Bild oben) ist bereits der sechste Nachfolgebau der Holzkirche. Emerans Grab befand sich an der südlichen Außenwand des heutigen Kirchenbaus. Älter als die Kirche St. Peter und Paul ist die im Nachbardorf Dornach – heute ein Ortsteil von Aschheim – Anfang des 16. Jahrhunderts erbaute Filialkirche St. Margareth (oberstes kinkes Foto).

Der Bau des Speichersees hatte Folgen

Ein guter Teil des heutigen Gemeindegebiets von Aschheim nimmt im Norden der 1920 bis 1929 zur Münchner Abwassernachklärung angelegte Speichersee am Mittleren-Isar-Kanal und der Abfanggraben ein. Die Anlage führte zum Absinken des Grundwasserspiegels und zum Versiegen des Aschheimer Baches, weshalb zur Trink- und Brauchwasserversorgung 1923 der Aschheimer Wasserturm erichtet werden musste. Das Speichersee-Gebiet ist seit 1962 Vogelschutzgebiet und am Südufer Naturschutzgebiet.

Mit der Fertigstellung der S-Bahnlinie S2 mit dem Bahnhof Riem am Aschheimer Ortsteil Dornach und dem Anschluss an den Autobahnring München 1975 erlebte Aschheim ein rasantes Bevölkerungswachstum. Vom ehemaligen Bauerndorf zeugen noch die Bauernhöfe entlang der Feldkirchner Straße und der Ismaninger Straße im Ortszentrum . Mit der Ansiedlung großer Firmen wie dem DAX-Unternehmen Wirecard im Gewerbeviertel in Dornach profitierte auch die Gemeindekasse durch die Gewerbesteuern. Auch das Angebot an Spirituosen wurde bereichert. 2016 zog in den Ziegelbau der alten Aschheimer Brennerei die Münchner Gin-Destillerie The Duke. Doch als Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) und der  Gemeinderatsund einen Schlachthof plante, wurde die Ansiedlung durch Bürgerentscheid verhindert.

 

Aufgrund der Nähe zu München und der Beschäftigungszunahme vor Ort ist auch in Aschheim die Nachfrage nach Wohnraum weitaus größer als das Angebot. Die Gemeinde versucht, Familien mit Kindern im Rahmen des sogenannten Aschheimer Modells wenn möglich Baugrundstücke zum Kauf anzubieten. Der Grundstückspreis richtet sich nach dem Einkommen. Dieser liegt laut Angaben des Internetauftritts der Gemeinde derzeit bei 450 bis 750 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Erschließungskosten und wird regelmäßig an die Bodenrichtwerte, die durch den Gutachterausschuss des Landkreises München festgelegt werden, angepasst. So errichtete die Baugesellschaft München-Land (BML) im Rahmen des Aschheimer Modells am Kernweg in Aschheim-Dornach fünf Reihenhäuser und für fünf Familien ein Wohngebäude in der Ismaninger Straße 8. 2017 wurden zudem durch die BML 27 Einheimischen-Mietwohnungen in der Feldkirchner Straße 32 -38 fertiggestellt.

Der Bau einer gemeindeeigenen Eigentumswohnanlage ist aber aktuell in Aschheim nicht geplant, soll jedoch in den nächsten Jahren wieder ins Auge gefasst werden. Gebaut wird trotzdem viel. So entstehen im Süden der Gemeinde bei der Alpenstraße und entlang der Radeberger Straße Einfamilienhäuser. Im Norden werden beiderseits der Ismaninger Straße Wohngebäude errichtet.

Und auch ohne aktuelle Wohnbauvorhaben der Gemeinde, plant diese etliche Bauprojekte. So ist bis 2025 der Neubau eines Gymnasiums vorgesehen, um den vom Zweckverband prognostizierten Bedarf für 2000 Schüler abzudecken. Auch die Grund- und Realschulen sollen erweitert werden.

Die Gemeinde in Zahlen

 

Aschheim ist eine Gemeinde im Landkreis München. Sie liegt nordöstlich von München und grenzt mit dem Ortsteil Dornach an die Messestadt Riem des Münchner Stadtbezirk Trudering.Riem an. Westlich von Aschheim liegt Unterföhring, nördlich Ismaning, östlich Kirchheim bei München und südöstlich Feldkirchen – alles Gemeinden des Landkreises München.

   

Einwohner: Der Altersdurchschnitt der Einwohner liegt deutlich unter dem des Landkreises.

 

Infrastruktur: Der Ortsteil Dornach befindet sich an der S-Bahnhaltestelle Riem der S-Bahnlinie S2. Zudem bestehen Busverbindungen zu verschiedenen Haltestellen der S2 (Riem, Feldkirchen, Heimstetten) und zur U2 (Messestadt-West). Über den Autobahnring und die Bundesautobahn 94 ist der Mittlere Ring in etwa 15 Minuten und die Münchner Innenstadt in ca. 25 Minuten mit dem Auto zu erreichen. Einkaufsmöglichkeiten gibt es u.a. in der Feldkirchner Straße (Rewe) und der Eichendorffstraße (Aldi).

 

Immobilien: Aktuell werden kaum Eigentumswohnungen und Wohnhäuser zum Kauf angeboten.