Augsburg: Im Herzen der Fuggerstadt

Das Zentrum der alten Römer- und Fuggerstadt am Lech ist ein begehrter Wohnort. Wer  in München Probleme hat, eine geeignete oder erschwingliche Wohnung zu finden, für den könnte Augsburg ein interessante Alternative sein – sofern man zum pendeln bereit ist.

 

Täglich pendelt Tassilo mit seinem Mercedes Sportcoupé CLC zwischen Augsburg und München. Um Spritkosten zu sparen, nimmt er gerne auch Fahrgäste über eine Mitfahrzentrale mit. Bei einer Geschwindigkeit von bis 190 km/h müssen diese allerdings über gute Nerven verfügen.

Für die rund 70 Kilometer Fahrstrecke von seiner Münchner Wohnung bis zur Arbeit in Augsburg-Oberhausen benötigt er etwa eine halbe Stunde. Zwischen Augsburg und München zu pendeln, ist für viele Menschen normal, auch wenn München als Hauptstadt der Pendler für diese häufiger als Arbeitsplatz statt als Wohnort gewählt wird. Trotz stark gestiegener Mieten und Kaufpreise sind die Wohnkosten in Augsburg noch deutlich niedriger als in München. Wem die tägliche Fahrzeit nicht allzu stört, für den kann die Wohnortwahl daher eine Kostenersparnis bringen.

 

Die Römer wählten den Ort an Lech und Wertach 

Dass der Standort viele Vorteile bietet, hatten bereits die Römer erkannt, die am Schnittpunkt  mehrerer Straßen unter Kaiser Augustus auf der Hochterrasse zwischen dem Zusammenfluss von Lech und Wertach ein Militärlager errichteten. Unter Kaiser Trajan wurde Aelia Augusta zur Hauptstadt der Provinz Raetia und von Kaiser Hadrian zur Municipa erhoben, wodurch die Bewohner das römische Bürgerrecht und das 80 Hektar große Stadtgebiet eine Stadtmauer erhielten.

 

Zahlreiche Fundstücke, die heute im Römischen Museum von Augsburg ausgestellt werden, fanden sich entlang der Römermauer im Norden der heutigen Altstadt, wo ab dem 8. Jahrhundert die Bischöfe Wikterp und Simpert den Dom (siehe Foto links oben) errichten ließen. Ein noch älteres Pilgerziel ist die Kirche St. Afra im Süden der Stadt. Die Heilige wurde der Legende nach 304 auf einer Flussinsel des Lechs hingerichtet, weil sie sich als Christin dem römischen Kaiserkult verweigert hatte. Als im August 955 die Ungarn in Augsburg einfielen, sorgte Bischof Ulrich nicht nur für die entscheidende Abwehr, sondern auch für den Wiederaufbau des Domes und der Kirche St. Afra, wo er und Simpert begraben wurden. Ab 1474 entstand dort als Nachfolgebau die Basilika St. Ulrich und Afra (Bild links) des Augsburger Stadtbaumeisters Burkhart Engelberg (1447 – 1512). Der Dom im Norden und die Basilika im Süden markieren die kulturellen Hochpunkte der Altstadt.

Die Höhepunkte der Fuggerstadt.

Während der Renaissance wurde Augsburg nicht nur zur viertgrößten Reichsstadt, sondern durch schwäbischen Handelsfleiß der Fugger und Welser auch zur reichsten Stadt Deutschlands. Wo die Maler Hans Holbein der Ältere und Hans Burgkmair sowie der Bildhauer Georg Petel lebten und wirkten, porträtierte Albrecht Dürer Jakob Fugger, „der Reiche“ (1459 – 1525).

 

In seiner Residenz, den Fuggerhäusern in der Maximilianstraße, befanden sich die Prunkräume Kaiser Karl V. und 1518 musste hier Martin Luther seine reformatorischen Thesen vor dem Kardinal Thomas Cajetan verteidigen. Jakob Fugger stiftete 1521 mit der Fuggerei (Bild links) auch die älteste bestehende Sozialwohnungssiedlung der Welt: Heute wohnen in den 140 Wohnungen der 67 Häuser 150 bedürftige katholische Augsburger Bürger für eine Jahreskaltmiete von 0,88 Euro.

Wichtigster Baumeister der Augsburger Renaissance ist Elias Holl (1573 – 1646), dessen Hauptwerk das 1620 fertiggestellte Rathaus (links unten) mit dem Goldenen Saal ist. Holls Bauwerke – Zeughaus, Stadtmetzg, Wertachbrucker Tor, Rotes Tor, Heilig-Geist-Spital (beherbergt heute die Augsburger Puppenkiste) – prägen noch heute große Teile der Altstadt. Doch auch bedeutende Bauwerke späterer Epochen, wie die Bischofsresidenz oder das von Karl Albert von Lespilliez gestaltete Palais der Bankiersfamilie Schaezler – das heute städtische und staatliche Kunstsammlungen beherbergt, zeugen von Augsburgs Reichtum.

 

Aufbruchstimmung am Bahnhof.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Augsburg mit seinen Textil- (Schülesche Kattunfabrik, Ackermann-Göggingen/Amann & Söhne) und Machinenbauunternehmen (MAN, Renk) zu einem wichtigen Industriezentrum in Süddeutschland. Voraussetzungen schufen dafür die Wasserwege mit einem zum Teil seit 1416 bestehenden Wassermanagement mit zahlreichen Wasserwerken und Kanälen – das seit 2019 UNESCO-Welterbe ist – sowie die Eisenbahn.

Mit dem von 1843 bis 1871 von den Architekten Eduard Rüber und Friedrich Bürklein erbauten Augsburger Bahnhof, der älteste noch im Betrieb befindliche Bahnhof deutscher Großstädte, entstand bis zur ehemaligen Stadtmauer am heutigen Königsplatz das Bahnhofsviertel mit Wohn- und Geschäftshäusern im Gründerzeitstil.

 

Der Bahnhof wird seit 2014 saniert (siehe Bild links) und für die bestehende Tramlinie 3 und die künftige Tramlinie 5 bis 2023 zum Thelottviertel untertunnelt. Er bildet dann mit dem bereits 2013 neugestaltenen Königsplatz den Mittelpunkt der Mobilitätsdrehscheibe Augsburg.

Südlich des Bahnhofs bis zur Gögginger Brücke, auf dem ehemaligen Ladehof-Areal, errichtet der Essener Projektentwickler Instone mit „Augusta und Luca“ das derzeit größte Neubauquartier der Augsburger Innenstadt. Auf einem knapp 12.000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen bis Mitte 2023 in sieben Gebäuden insgesamt 439 Wohnungen. Die ursprünlich als Eigentumswohnungen zu Preisen um 7500 Euro pro Quadratmeter angebotene Immobilien wurden Ende Oktober 2021 an einen institutionellen Investor als künftige Mietwohnungen verkauft.

Tassilo würde sich in München die nicht ungefährliche werktägliche Fahrt von München zum Augsburger Büro ersparen.

 

Das Viertel in Zahlen

Die Innenstadt ist eine von 17 Planungsräumen, in die das Stadtgebiet von Augsburg gegliedert ist. Die Innenstadt umfasst die Stadtbezirke Lechviertel – östliches Ulrichsviertel (1. Stadtbezirk), Innenstadt – St. Ulrich – Dom (2), Bahnhofs – Bismarckviertel (3), Georgs- und Kreuzviertel (4), Stadtjägerviertel (5), Bleich und Pfärrle (7), Jakobervorstadt – Nord (8), Jakobervorstadt – Süd (9) sowie am Schäfflerbach (10). Die Karte bildet in etwa von Westen nach Osten den 2. Stadtbezirk Bahnhofs- und Bismarckviertel sowie den 2. Stadtbezirk Innenstadt – St. Ulrich - Dom ab.

Einwohner: In der Innenstadt wohnen überdurchschnittlich viele junge Singles. 

Infrastruktur: Der Planungsraum Innenstadt mit der Altstadt und dem Bahnhofsviertel verfügt mit dem Bahnhof und dem Königsplatz über einen sehr guten Anschluss an den ÖPNV mit allen Tramlinien und dem Bahnfernverkehr.  Die Altstadt ist das Einzelhandelszentrum. Zahlreiche Museen wie Maximilianmuseum, Römische Museum, Schaezlerpalais und Brecht- sowie Mozarthaus bieten ein reiches kulturelles Angebot.

Immobilien: Trotz stark gestiegener Mieten und Kaufpreise hat Augsburg deutlich geringere Wohnkosten als München.

Bilder und Text: Ulrich Lohrer; Stand 11.02,2020