Immobilienblase: BaFin verlangt von Banken Kapitalpuffer für Kreditvergabe

Für Kaufinteressenten könnte der Wohnungskauf schwieriger und teurer werden: BaFin-Chef Mark Branson verlangt von den Banken aufgrund stark gestiegener Immobilienpreise als vorbeugende Maßnahme gegen einen Preisrutsch die Kredite mit mehr Eigenkapital zu unterlegen.

 

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beabsichtigt, einen antizyklischen Kapitalpuffer von 0,75 Prozent der risikogewichteten Aktiva auf inländische Risikopositionen festzusetzen und einen sektoralen Systemrisikopuffer von 2,0 Prozent der risikogewichteten Aktiva auf mit Wohnimmobilien besicherte Kredite einzuführen. Derzeit liegen die Quoten jeweils bei Null Prozent. Dieser Entscheid berücksichtigt Analysen des Ausschusses für Finanzstabilität (AFS) und des European Systemic Risk Boards (ESRB). Die Anhörungen dazu begannen am 12. Januar und enden am 26. Januar 2022. Beide Puffer sollen zeitnah aktiviert werden. Die Institute haben aber genügend Zeit, sich auf die Maßnahmen einzustellen; sie müssen die zusätzlichen Kapitalanforderungen erst zum 1. Februar 2023 vollständig erfüllen. Mit den beiden Kapitalpuffern werden insgesamt rund 22 Milliarden Euro an hartem Kernkapital im Bankensystem konserviert - 17 Milliarden Euro über den antizyklischen Kapitalpuffer und fümf Milliarden Euro über den sektoralen Systemrisikopuffer. Die Banken werden die Anforderungen fast vollständig aus bestehendem Überschusskapital erfüllen können. Lediglich bei wenigen Instituten ergebe sich ein zusätzlicher Kapitalbedarf in geringer Höhe.

„Mit diesen Kapitalpuffern tragen wir nicht nur den zyklischen Risiken Rechnung, sondern begegnen auch zielgenau den spezifischen Finanzstabilitätsrisiken am Wohnimmobilienmarkt, wo Preis- und Kreditwachstum momentan sehr stark sind“, erläutert BaFin-Präsident Mark Branson. Hauptziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors vorbeugend zu stärken. In schlechteren Zeiten dienen die Puffer zur Verlustabsorption, so dass eine mögliche prozyklische Einschränkung der Kreditvergabe mit negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft begrenzt werden kann. 

Claudia Buch, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, die an der Pressekonferenz teilnahm, erklärte, das deutsche Finanzsystem habe bisher während der Pandemie jedoch gut funktioniert. Allerdings sprechen Gründe für vorbeugende Maßnahmen: Erstens steige die Kreditvergabe, die Bewertungen an den Märkten seien hoch, Investoren seien auf der Suche nach Rendite, und das allgemeine Risikobewusstsein nehme ab. Zweitens hätten die Zinsänderungsrisiken zugenommen. So könnte es zu abrupten Korrekturen kommen, wenn beispielsweise Risikoprämien an den Märkten oder die gegenwärtig hohe Inflationsraten unerwartet persistent ausfallen würden.

Drittens spricht laut Buch einiges dafür, dass Vermögenswerte und Kreditsicherheiten zurzeit in Teilen überbewertet sind. So lägen die Preise für Wohnimmobilien bereits seit einigen Jahren um 10 bis 30 Prozent oberhalb der Werte, die durch Fundamentaldaten gerechtfertigt seien.

Allein im dritten Quartal 2021 seien die Preise für Wohnimmobilien um 12 Prozent gestiegen. Ebenfalls überdurchschnittlich gewachsen seien die Kredite für solche Immobilien. Würden künftig die Preise einbrechen, könnten die Kreditsicherheiten möglicherweise nicht mehr ausreichen, um die Kreditausfälle zu kompensieren, mahnte sie.

Quellen: BaFin Pressemeldung vom 12.01.2022, Bericht „Boom am Immobilienmarkt: Die deutsche Finanzaufsicht verlangt von den Banken höhere Kapitalpuffer“ der Neue Züricher Teitung vom 12.01.2022

Bildnachweis: BaFin-Präsident Mark Branson, Foto von © Maurice Kohl