Blumenau: Wohnen in Hoch- und Einfamilienhäuser

Der Norden des Münchner Stadtbezirks Blumenau ist dicht bebaut, aber dennoch gibt es viel alter Baumbestand, Grünanlagen und Äcker. Eine neues Wohnqurtier sorgt zudem für architektonische Abwechslung

 

Der nördlichste Bezirksteil des Stadtbezirks Hadern trägt den malerischen Namen Blumenau. Ursprünglich bezog sich der Name nur auf den östlichen Teil des heutigen Bezirksteils und war schon zuvor bei den Anwohnern in Kleinhadern inoffiziell in Gebrauch. In der dort bereits bestehenden Gartensiedlung sind viele Straßen nach Blumen benannt. 

Der Name trägt aber auch die ab Spätherbst 1963 errichtete Großsiedlung Blumenau. Mit ihren Hochhäusern und mehrgeschossigen Zeilenbauten vermitteln die 1960er-Jahre-Bauten von der Lindauer Autobahn ein weniger malerisches Bild.  Zu dieser Großsiedlung zählt auch der südlich der Autobahn gelegene Bereich mit Wohnhochhäusern, die aber nicht mehr zum Bezirksteil Blumenau, sondern zu Neuhadern gehört. Wer durch die Siedlung Blumenau fährt, für den ergibt sich allerdings ein anderes Bild: alter Baumbestand und großzügige Grünanlagen lockern die Bebauung auf, nach Westen und Norden erstreckt sich der Blick über die Stadtgrenze auf unverbaute Wiesen und Äcker. Im Zentrum der von dem Architekten Lois Knidlberger entworfenen Großsiedlung befinden sich die Pfarrkirche Erscheinung des Herrn (Architekt: Günther Eisele), die zwischen 1969 und 1970 erbaut wurde, sowie das Einkaufszentrum Blumenau, in welchem rund 30 Geschäfte beheimatet sind. 

Nördlich der Kirche liegt die Volksschule an der Blumenauer Straße, die sowohl eine Grundschule als auch eine Hauptschule beheimatet.

Das ehemalige Bauerndorf Kleinhadern. 

Deutlich älter als die Siedlung Blumenau ist das davon östlich gelegene Kleinhadern, das heute ebenfalls zum Bezirksteil Blumenau gehört. Kleinhadern war ursprünglich – wie das südlichere, bereits im 11. Jahrhundert erstmals erwähnte Großhadern, ein Bauerndorf. Da die Ortschaft Großhadern bei der Gemeindebildung im Jahr 1818 zu klein war, um eine eigene Gemeinde zu bilden, kam Kleinhadern hinzu. Die Gemeinde Großhadern inklusive der Ortschaft Kleinhadern wurde 1938 zu München eingemeindet.

Die Strukturen der ehemaligen bäuerlichen Siedlung sind kaum noch auszumachen. Letzte Spuren im Nordteil des alten Dorfkerns wurden für den Bau der A 96 in den Jahren 1971 und 1972 beseitigt. Südlich der Autobahn, im heutigen Bezirksteil Neuhadern, ist vom alten Dorfkern Kleinhardens noch die 1894 errichtete Leonhardikapelle und der Stürzerhof erhalten geblieben. Dem Bauernhof entstammt Joseph Pschorr (1770 - 1871), dem Gründer der Brauerei Hacker-Pschorr.

Die große bauliche Umwälzung des Ortes begann ab 1920. Nordöstlich des Dorfes wurde von der Heimstättenvereinigung Kleinhadern bis etwa zum Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Gartenhaussiedlung angelegt. Ab 1927 entstand um die heutige Kreuzung Silberdistelstraße / Senftenauerstraße die Gartenhaussiedlung Blumenau.

 

„Die von den Haderner Bauern verkauften Ackerflächen wurden ab den späten 1920er-Jahre bereits mit gemauerten Häusern bebaut“, erläutert Inge Wiederhut in „Hallo München“. Anläßlich des 90-jährigen Bestehens der Gartenhaussiedlung Blumenau organisierte die Rentnerin vor zwei Jahren eine Ausstellung zur Gartenhaussiedlung als „Zeitreise in die Vergangenheit.

 

Pfarrkirche Fronleichnam mit elliptischem Grundriss

Ab 1930 wurde dann um die heutigen Batzer-, Niederhedern- und Brennereistraße die Germanensiedlung errichtet. 1936 bekam die gewachsene Kleinhaderner Bevölkerung eine Notkirche. Sie wurde 1956 durch die heutige Pfarrkirche Fronleichnam an der Senftenauer Straße ersetzt. Architekt Karl Jantsch gestaltete sie in einer Mischung aus klassizisierendem Traditionalismus und Heimatstil. Der Zentralbau über einen elliptischem Grundriss in und den darüber errichteten Kuppelgewölbe auf (siehe Bild unten links).

 

AllesWirdGut: Wohnquartier mit polygonalen Punkthäuser

In den Jahren 1952 bis 1958 kam dann noch die städtische Wohnanlage zwischen der Alpenveilchenstraße und der Senftenauerstraße hinzu, die von der GWG und der GEWOFAG verwaltet wird.

Dort entstehen aktuell anstelle ehemaliger Wohnblöcke neue Mehrgeschosshäuser für 120 Millionen Euro – das größte Bauprojekt des Bezirksteils Blumenau, das Wohnquartier an der Ludlstraße. Das durch eine südliche Schallschutzbebauung entlang der Autobahn abgeschirmmte Quartier weist Punkthäuser mit insgesamt 374 Wohnungen inklusive Ateliers, Mehrgenerationenhaus und einem Haus für Kinder für weit über 1000 Menschen auf. Die polygonalen Gebäude (siehe Bild links unten) nach dem Entwurf des Wiener Architekturbüros AllesWirdGut haben assymetrische Grundrisse und beleben durch die ungewöhnliche Form das Viertel.

 

„Zusammen mit den sozialen Einrichtungen entsteht hier ein neues Quartier, das dem ganzen Stadtviertel zugure kommt“, so Klaus Michael Dengler, Sprecher der Geschäftsführung der GEWOFAG. Anfang 2021 soll das neue Wohnquartier bezugsfertig sein.

Nördlich davon wird ebenfalls gebaut: Für knapp 80 Millionen Euro entsteht  zwischen der Menaristraße und der Senftenauerstraße anstelle der 1951 eingeweihten Grundschule eine neue sechszügige Grundschule inklusive Küche, Speisesaal sowie einer Sport- und Schwimmhalle. Nach einem Wechsel des Bauunternehmens könnte sich die zum Schuljahr 2023/2024 geplante Fertigstellung der von Schulz und Schulz entworfenen Schulkomplexes aber verzögern.

Bis dahin dürfte es in dem alten Schulkomplex eng werden, da durch den Bezug in das GEWOFAG-Neubauquartier mit neuen Schülern zu rechnen ist.

 

 

Das Viertel in Zahlen

Die Blumenau ist ein Bezirksteil des Münchener Stadtbezirk Hadern und umfasst ungefähr das nördliche Viertel des Stadtbezirks. Er grenzt im Nordwesten an die Bezirksteile Pasing und Am Westbad des Stadtbezirks Pasing-Obermenzing  und im Nordosten an den Bezirksteil St. Ulrich des Stadtbezirk Laim. Südlich wird die Blumenau durch die Bundesautobahn 96  vom Haderner Bezirksteil Neuhadern getrennt. Die Stadtgrenze Münchens gegenüber Gräfelfing begrenzt den Bezirksteil Blumenau im Westen, die Senftenauer Straße bogenförmig im Nordosten.

Einwohner: Der Bezirksteil – dort insbesondere in der Siedlun Blumenau – einen überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil aus. 

Infrastruktur: Die Tram-Linie 18, die zur U-Bahn-Linie U5 und zur S-Bahn-Stammstrecke führt, durchläuft den Bezirksteil. Zudem verkehren zahlreiche Buslinien im Viertel. Über die Einfahrt Blumenau ist das Stadtviertel an die Lindauer Autobahn A96 angebunden. Einkaufsmöglichkeiten gibt es am platz in Kleinhadern und dem Einkaufszentrum Blumenau in der Siedlung Blumenau.

Immobilien: Die Siedlung Blumenau und der Ostteil zeichen sich durch viele Mietwohnungen, die dazwischen liegende Gartenstadt durch viele Einfamilienhäuser aus.

Text und Fotografien / Rechte: Ulrich Lohrer, Stand 14.09.2020