Garmisch-Partenkirchen: Beliebter Skiort der Münchner

Garmisch-Partenkirchen ist als Tourismus- und Altersruhesitz begehrt. Mit Folgen für den regionalen Wohnungsmarkt. Nun wird vor allem im Ortsteil Partenkirchen gebaut.

 

Nicht weit von Deutschlands höchstem Berg lockt Garmisch-Partenkirchen Touristen an. Anfang Januar 2023 ist der Talkessel zwischen Wettersteingebirge, Estergebirge und Ammergauer Alpen schneefrei. Die Skifahrer weichen mit der Zugspitzbahn auf den bis zu 2700 Meter hohen Gletscher Schneeferner aus – Deutschlands schneesicherstes Skigebiet.

Für viele Münchner ist das Zentrum des Werdenfelser Land ein beliebter Ferienort. Mit dem Zug oder Auto beträgt die Fahrzeit von Bayerns Landeshauptstadt in die Gemeinde an der Partnach und Loisach in der Regel nur rund eine Stunde. Viele Bergbegeisterte wählen Garmisch-Partenkirchen auch als Altersruhesitz. Sie verfügen oft über eine für das Werdenfelser Land überdurchschnittlich hohe Kaufkraft und sorgen auch für ein hohes Miet- und Preisniveau am Wohnungsmarkt. Die Wohnungen des mit Abstand größten Neubauquartiers der vergangenen Jahre, das weitgehend 2022 fertiggestellte Moun10 am Bahnhof im Ortsteil Partenkirchen, wurden daher schnell verkauft. Der Unternehmer Franz Hummel entwickelte dort eine Jugendherberge, 30 Ferienwohnungen und 179 Eigentumswohnungen. Daneben errichtete BPD das Quartier Herzstück mit 148 Eigentumswohnungen. Noch bis 2024 im Bau befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Lagerhausstraße  die Wohnresidenz Partnach der Assconsult. Die 51 bis 120 Quadratmeter großen Wohnungen werden zu Preisen von 452.000 Euro bis 1,4 Millionen Euro zum Kauf angeboten. Im Norden von Partenkirchen in der Münchner Straße baut Green Building Development zudem die Panorama-Logen mit 16 Wohnungen und drei Einfamilienhäusern, die zu Preisen von 565.000 Euro bis knapp 1,8 Millionen Euro offeriert werden. 

Station mit Tradition.

Der Wohnort kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der Name geht auf die römische Reisestation „Partanum“ zurück. Diese lag an einem vorrömischen Handelsweg der nach der Eroberung des nördlichen Voralpenraumes um 200 nach Christus von den Römern zur Via Raetia ausgebaut wurde. Sie verlief über den Seefelder Sattel zur Hauptstadt der Provinz Rätien, Augusta Vindelicum, dem heutigen Augsburg. Bei einem Wald bei Klais sind noch Reste der Via Raetia mit Wagenspuren im Fels zu sehen.

Später folgte die mittelalterliche Fernstraße dem Verlauf der Via Raetia  und verlief in Partenkirchen entlang der Marktstraße, der heutigen Ludwigstraße. Im 13. Jahrhundert hatte Partenkirchen als Markt und Gerichtsort an Bedeutung gewonnen: 1294 hatte Emicho, der Fürstbischof von Freising, Partenkirchen erworben. 1381 verlieh der Freisinger Bischof der erstmals 1315 erwähnten Partenkirchener Kirche Maria Himmelfahrt das Recht zur Erhebung von Zöllen auf Waren. Partenkirchen blühte als Handelsstation der Augsburger Kaufmannsfamilien Fugger und Welser auf dem Weg nach Venedig auf. Entlang der Marktstraße entstanden Bürger- und Handelshäuser, wie das „Zum Schlampp“ oder der dem Andechser Benediktiner gehörende Gasthof „Zum Rassen“. 

Der große Brand ändert das Ortsbild

Mit seinen Holzhäusern wurde der Ort mehrmals von Feuerbrünsten erfasst. Dem großen Brand vom 5. Dezember 1865 fielen der gesamte Partenkirchner Obermarkt mit 67 Häusern samt Kirche, Rathaus und Armenhaus dem von einem Föhnsturm angefachten Feuermeer zum Opfer. Nur das Handelshaus „Zum Schlampp“, in dem sich heute das Museum Werdenfels befindet, blieb erhalten: Durch den Brand von 1865 verlor Partenkirchen sein altes Straßenbild, das heutige Ensemble ist durch Lüftlmalerei des 20. Jahrhunderts geprägt.

Gute Bahnanbindung lockt Künstler und Touristen an 

Mit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie nach München 1889 stieg die Region zum Tourismuszentrum auf. Künstler machten vor allem das benachbarte Garmisch zum mondänen Erholungsort. Der Komponist Richard Strauss und der Münchner Generalmusikdirektor Hermann Levi liessen sich von Emanuel von Seidl Villen erbauen. Während der Weimarer Republik logierten Schriftsteller wie Arthur Schnitzler und Jakob Wassermann in der Villa des Schauspielers Albert Steinrück, der Regisseur Max Reinhardt, der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal und der Kritiker Alfred Polgar gastierten im Haus der Opernsängerin Fritzi Massary und des Schauspielers Max Pallenberg. Erich Kästner und Lion Feuchtwanger verarbeiteten ihre Erlebnisse im Skiort in ihren Romanen.

Während der NS-Zeit wurden Garmisch und Partenkirchen vereinigt.Der Münchner Gauleiter Adolf Wagner zwang die Bürgermeister und Ratsvertreter unter Androhung der Einweisung in das Konzentrationslager Dachau zur Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Gemeinden. Mit Bauten im alpenländischen Heimatstil, wie die Wohn- und Geschäftshäuser, dem Werdenfels-Gymnasium sowie dem Rathaus entlang der Bahnhofstraße der Architekten Oswald Bieber und Heinrich Bickel wurden die Orte verbunden. Arnulf Albinger plante das Olympia-Haus, das Skistadion und die Olympiaschanze. Joseph Goebbels machte dann dort die Olympischen Winterspiele 1936 zu einem internationalen Propagandaerfolg.

Eine Wiederholung der Olympischen Winterspiele für 2018 lehnten die Einwohner der Marktgemeinde in einem Bürgerentscheid ab. Der Tourismus ist aber weiterhin der wichtigste Erwerbszweig. Daher ist es im Klimawandel für den Skiort ein Segen, dass der Zugspitzgletscher auch bei der Erderwärmung eine hohe Schneesicherheit bietet.

Die Gemeinde in Zahlen

 

Garmisch-Partenkirchen ist ein Markt (Gemeinde) und Kreishauptort des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Es ist die einzige Gemeinde in Deutschland, die Verwaltungssitz eines Landkreises ist, ohne selbst den Status einer Stadt zu haben. Im Norden grenzt der Markt an die Gemeinden Farchant, Oberau und Eschenlohe, im Osten an die Gemeinden Krün und Mittenwald und im Süden und Osten an die Staatsgrenze zu Österreich . Es umschließt im Westen die Gemeinde Grainau.

Einwohner: Die Marktgemeinde weist vor allem wegen Zuzug einen leichten Bevölkerungszuwachs auf. Die Zahl der Gestorbenen überweigt die der Neugeborenen.

Infrastruktur: Die Gemeinde verfügt über eine gute Zuganbindung nach München (ICE bis Regionalbahn), per Auto ist sie schnell via B 23 und Bundesautobahn 95 erreichbar. Garmisch-Partenkirchen verfügt über ein sehr großes Hotel- und Gastronomieangebot sowie über ein vielseitiges Kultur- (Bauerntheater, Kabarett, Konzerte wie Richard-Strauss-Festival) und Sportangebot (Ski, Wandern, Montainbike).

Immobilien: Der Miet- und Wohnungsmarkt bietet ein knappes, aber wechselndes Angebot. 

Weitere Informationen:

Buergerservice.gapa.de : Internetauftritt des Markt Garmisch-Partenkirchen

Gapa-tourismus.de : Tourismusseite des Markt Garmisch-Partenkirchen

Text und Fotos: © Ulrich Lohrer; Stand 10.01.2023