In der Gartenstadt Trudering

Die Gartenstadt Trudering im östlich gelegenen Münchner Stadtbezirk Trudering-Riem ist noch von Einfamilienhäusern und Grünanlagen geprägt. Die Initiative zur Gründung der Gartenstadt geht auf den Unternehmer Mathias Grundler zurück.

 

Die Gartenstadt Trudering, heute Teil des östlichen Münchner Stadtbezirks Trudering-Riem, ist eine ruhige und gute Wohngegend mit vielen Einfamilienhäusern. Einen Hinweis über die am Ostermontag 1917 gegründete Gartenstadt liefert ein Denkmal in Form eines Obelisken auf dem Grünstreifen der Friedenpromenade. Gestiftet wurde es von Mathias Grundler (1874 – 1932).

Der Stifter war zugleich auch der Gründer der Gartenstadt. Sein Vater, Mathias Grundler senior (1839–1901), war als Ziegeleifabrikant zu beträchtlichem Wohlstand gekommen. Er besaß eine ganze Reihe Ziegeleien in Denning, in Zamdorf und in Berg am Laim und die Grundlers hatten sogar 24 Jahre lang das Amt des Bürgermeister von Berg am Laim inne, von 1870 bis 1888 und von 1894 bis 1899. Der Ziegeleifabrikant Grundler machte sich die anderen „Loambarone“ zu Feinden, als er ein Wohnhäuschen, Grundlerhaus genannt, für seine italienischen Ziegelarbeiter in Auftrag gab. Zuvor hatten 38 Ziegeleibesitzer gegen behördliche Initiativen protestiert, die sich für die Verbesserung der Unterkünfte und hygienische Standards für die italienischen Wanderarbeiter ausgesprochen hatten. Eine 1901 errichtete prächtige Villa im Tomannweg 3 in Berg am Laim, der Familiensitz der Grundlers, zeugt noch heute vom ehemaligen Wohlstand der Grundlers.

Während viele „Loambarone“ nach dem Abbau des Lehms ihre Ziegeleinen und Grundstücke an den Reichsrat und Bankier Wilhelm von Finck (1848–1924) verkauften, der die Grundstücke später gewinnträchtig an die Eisenbahnverwaltung weiterveräußerte, widmete  sich der umtriebige Sohn des Fabrikbesitzer Mathias lieber selbst den Immobiliengeschäften. Er betätigte sich als Makler und als Projekt- sowie Stadtentwickler. Auf ihn gehen die Siedlungen Waldperlach, Neubiberg und in Ramersdorf (Grundlersiedlung) sowie die Gartenstadt Trudering zurück. Die Gartenstadt entstand südlich von der Gemeinde Trudering beziehungsweise südlich des Ortsteils Straßtrudering.

Die ersten Häuser der Gartenstadt waren Holzhäuser, wie das Landhaus Magdalena in der Vogesenstraße 10 (siehe Bild oben links), und das Holzhaus am Gnadenwaldplatz 5 (großes Bild oben). Nach der Eingemeindung Truderings in München im Jahr 1932 entstanden vermehrt typische Siedlungshäuser in Ziegelbauweise. Früher ein abgelegenes Ausflugslokal, liegt der Franziskaner Garten heute im Zentrum in der Friedenspromenade, ein Wirtshaus und großer Biergarten mit 2000 Sitzgelegenheiten.

Widerstand gegen Bebauung 

Sein heutiges Aussehen erhielt Trudering aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, fast 90 Prozent des Viertels, zumeist Ein- und Zweifamilienhäuser, stammen aus der Nachkriegszeit.Im Laufe der Jahre wurde immer dichter bebaut. Das größte geschlossene Bauprojekt seit dem Jahr 2000 war der von der Bayerischen Hausbau nach einem Entwurf von Dragomir Stadtplanung errichtete Bajuwarenpark mit über 200 Wohneinheiten in der Umgebung der Bajuwarenstraße.

Eine relativ große Wohnanlage mit 50 Wohneinheiten hatte die Stadt auch auf der Unnützwiese durch die städtische Wohnungsgesellschaft GEWOFAG ge-plant. Eigentümer des Grundstücks wurde die Stadt München durch Mathias Grundler. Dieser hatte die Unnützwiese an die Stadt als Ausgleichsfläche für das erhaltene Baurecht auf seinen Grundstücken in Berg am Laim für den Verkauf an Privatleute vergeben. Die Unnützwiese war für diesen Ausgleich eigentlich zu klein. Dennoch hatte der Magistrat 1919 mit der Begründung zugestimmt, dass in Trudering und Berg am Laim „unter  allen Umständen an Anlagenflächen .... was irgend möglich gerettet werden muss.“

Gegen die geplante Bebauung der Wiese setzte sich jedoch eine Bürgerinitiative der Anwohner zur Wehr, weshalb Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der sich 2016 noch für die Bebauung ausgesprochen hatte, im März 2017 das Projekt stoppte.

Das aktuell größte Wohnungsbauvorhaben der Gegend, der Bau der Wohnanlage Truliving an der Wasserburger Landstraße mit 151 Eigentumswohnungen durch den Projektentwickler  ABG, liegt zwar an der Grenze zur Gartenstadt Trudering, aber bereits im Nachbarbezirksteil Trudering-Riem.

Zahlreiche Bauprojekte kleinerer Wohnanlagen

Gebaut wird in der Gartenstadt aber dennoch viel: So errichtet RS Wohnbau mit D5 Living in der Dachsteinstraße 5 vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 26 Eigentumswohnungen, die ab knapp 8000 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Erst vor Kurzem hatte der Bauträger in der Dachsteinstraße 22 eine andere Wohnanlage fertiggestellt. Kleinere Projekte entstehen zudem über das Viertel verteilt, etwa im Talerweg 13, am Groschenweg/Ecke Böcklerweg und in der Ankoglstraße/Ecke Semmeringstraße (invivo Haus).

 

Wenige Beispiele innovativer moderner Architektur

Leider ist die Architektur oft konservativ beliebig und austauschbar. Am Spielplatz an der Damschkestraße / Ecke St.-Augustinus-Straße wurde mit einem modernen Neubau gezeigt, wie sich Holzbauweise ideal mit moderner Architektur verbinden kann, sich an die Bauweise der Umgebung einfügt, und dennoch klare Formen aufweist (siehe Bild links).

Eines der wenigen architektonischen Highlights der Gartenstadt ist auch das 2005 erbaute, von Ingrid Amann Architekten entworfene Kulturzentrum Trudering. „Das Kulturzentrum ist, was es sein soll: ein Bauwerk für Kultur. Es ist modern, in bestem Sinne. Das Haus ist ein Meisterwerk ohne Prahlerei, es ist Architektur“, so das Lob des bekannten Schweizer Architekten Carlo Baumschlager im Architektur-Magazin „Baumeister“.

 

 

Das Viertel in Zahlen

Die Gartenstadt-Trudering, auch zum Teil als Straßtrudering bezeichnet, ist ein Bezirksteil der 15. Münchner Stadtbezirk Trudering-Riem. Im Norden bildet die Wasserburger Landstraße und die Kreillerstraße die Grenze zu Trudering-Riem, ebenfalls ein Bezirksteil des gleichnamigen Stadtbezirks. Nach Osten ist die Linie Feldbergstraße, Gartenstadtstraße und Friedenspromenade die Grenze zu Waldtrudering. Südlich der Grünanlage nach der Zehnfeldstraße befindet sich Neuperlach, der bevölkerungsreichste Bezirksteil Münchens, der zum 16. Münchner Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach gehört. Im Westen der Gartenstadt-Trudering befindet sich Berg am Laim Ost, ein Bezirksteil des 14. Münchner Stadtbezirk Berg am Laim.

Einwohner: In der Gartenstadt wohnen überdurchschnittlich viele Familien mit Kinder, der Ausländeranteil ist relativ gering und der Wanderungssaldo leicht negativ.

Infrastruktur: Der Stadtteil ist im Norden an die U-Bahnlinie U2 (Haltestelle Kreillerstraße) sowie entlang der St-Augustinus-Straße und der Bajuwarenstraße über Buslinien an das ÖPNV-Netz angeschlossen. Einzelhandel gibt es in der Bajuwarenstraße (Lidl) und der Friedenspromenade (REWE), Freizeitflächen mit dem Ostpark im Südwesten.

Immobilien: Trotz vorwiegend individueller Bauweise ist die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die Kaufpreise des Viertels mit guter Wohnlagequalität sind überdurchschnittlich hoch.

Ulrich Lohrer, 19.09.2018

Fotografien: Ulrich Lohrer