Großes Landhaus in Gautinger Villenkolonie

Der Architekturprofessor Alexander Hohrath war zwar vor allem gestalterisch in Dresden tätig, jedoch für einen Theologieprofessor aus Plauen errichtete er in der Villenkolonie auf einer großen Parkanlage am Hochwald eine Villa im Landhausstil.

 

In der Waldpromenade 40 befindet sich aufgrund seiner Größe und Gestaltung eines der auffälligsten Häuser der Villenkolonie von Gauting. Es wurde 1908 von Alexander Hohrath, dem damals gerade mal 30 Jahre alten Architekten und der im gleichen Jahr Professor für Architektur und Raumkunst an der Kunstgewerbeschule ernannt wurde, entworfen. Bauherr war Dr. Ernst Lang, Professor der Theologie aus Plauen. Das Haus vermittelt den Eindruck eines sehr großen Landhauses. Eigenartig ist der turmartige, an der Südseite des Hauptbaus neben der Veranda positionierte, Vorsprung (Risalit), der von einem schindelbedeckten Dach bekrönt ist.  Auch an den Seiten sind die Obergeschosse komplett mit Schindeln verkleidet. Über dem Erdgeschoss befindet sich ein zweigeschossiger Satteldach.

Entgegen der äußerlich bodenständigen Gestaltung im Landhausstil weist das Innere des Gebäudes eine großbürgerliche Gestaltung und Anordnung auf: Es war ursprünglich mit Küche und Speisekammer, mit einem Salon- und Gästezimmern sowie mehrere Dienstbotenzimmern sehr geräumig angelegt und verfügte – für die damalige Villenkolonie eher ungewöhnlich – über eine Zentralheizung und einer eigenen Gasbeleuchtung.

Die Villa wurde später vom General Freiherrn Kreß von Kressenstein übernommen, danach wohnte hier Joseph Graf von Soden-Fraunhofen, dem Kabinettschef des Kronprinzen Rupprecht von Bayern, der während des Hitlerputsches als Geisel genommen wurde und sich mit seinem damaligen Bewacher, Rudolf Heß befreundete. Nach dem Erwerb des Gautinger Landhauses lebte er dort zurückgezogen und glaubte, dass Heß während der NS-Zeit seine schützende Hand über ihn gehalten habe.

 

 

Quellen: Gerhard Schober: Die Gautinger Villenkolonie, 2014; Seite 117; Bayerisches Landesamt  für Denkmalpflege

Bildnachweis: Foto: Ulrich Lohrer