Gröbenzell: Wohnen um den Gröbenbach

Aus einer Ansiedlung von Torfstechern entstand die Gartenstadt Gröbenzell, die mittlerweile eine der größten Gemeinden im Umland von München ist. Durch die zunehmende Verdichtung sehen viele Bürger den Gartenstadt-Charakter gefährdet.

 

Am 21. September 2018 griffen Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWP) und Bauamtsleiter Markus Groß selbst zur Schaufel. Mit dem symbolischen Spatenstich wurde der Bau des neuen Rathauses gestartet.

Obwohl das alte Gröbenzeller Rathaus sich auf drei Gebäude verteilte, war es zu klein, nicht barrierefrei und erfüllte nicht mehr die Brandschutzauflagen. „Seit 2006 doktern wir an dem Konzept“,  so Schäfer. Der von den Münchner Behnisch Architekten entworfene Neubau aus Beton, Holz und Glas soll im Sommer 2020 an der Stelle des abgerissenen alten Rathauses bezogen werden. Für den Neubau stehen 17,6 Millionen Euro im Etat zur Verfügung – viel Geld für eine Gemeinde. Gröbenzell entstand seit Anfang des 19. Jahrhunderta aus einer losen Ansammlung sehr armer Moos- und Mooransiedlungen am Gröbenbach und hatte sich erst am 1. August 1952 als Gemeinde politisch konstituiert.

Heute ist Gröbenzell mit knapp 20.000 Einwohnern nicht nur die größte Gemeinde des Landkreises Fürstenfeldbruck ohne Stadtrecht, sondern auch eine der am dichtesten besiedelten Gemeinden Deutschlands. Obwohl die Gröbenzeller heute nichts mehr mit den armen Torfstechern der Vergangenheit gemein haben, macht sich Kämmerer Gregor Kamp Sorgen wegen der Gemeindefinanzen.

Außer dem Rathaus müssen neue Kindergärten gebaut, Schulen saniert und erweitert werden. Auch wird im Gemeinderat die Beteiligung an einer kommunalen Wohnbaugesellschaft des Landkreises Fürstenfeldbruck erwogen. Das Steueraufkommen der Einwohner Gröbenzells steigt im Durchschnitt aller Kommunen aber langsamer, auch das in den vergangenen Jahren gestiegene Gewerbesteueraufkommen stagniert.

Da die Zahl der Arbeitgeber in Gröbenzell begrenzt ist, arbeiten nur rund zehn Prozent der Einwohner im Ort. Weitaus mehr Gröbenzeller pendeln: rund 6000 Einwohner der „Schlafstadt“ fahren zur Arbeit nach München oder in eine der umliegenden Gemeinden. Die Nähe und gute Anbindung zur Landeshauptstadt hat auch die Immobilienpreise und Mieten stark steigen lassen. Wurden Wohnungen nach dem Immobilienportal immowelt im Oktober 2016 für 3000 bis knapp 4900 Euro pro Quadratmeter angeboten, so lag die Preisspanne im September 2018 zwischen 4450 und über 7200 Euro pro Quadratmeter. Wohnhäuser mit bis zu 120 Quadratmetern sind bezogen auf den Quadratmeterpreis noch teurer als die Wohnungen und werden im Schnitt für rund 840.000 Euro angeboten.

Die Gartenstadt wird verdichtet

Weil das Gemeindegebiet weitgehend mit Einfamilien- und Reihenhäusern zugebaut ist, entsteht neues Wohnangebot nur durch Abriss alter Gebäude und Verdichtung. Die unter Bürgermeister Bernd Rieder (1980 – 2004) für Gröbenzell herangezogene Bezeichnung Gartenstadt verliert zunehmend seine Berechtigung. Nach dem Bayerischen Landesamt für Statistik wurden in Gröbenzell von 2009 bis 2016 pro Jahr im Schnitt knapp 30 Wohnhäuser mit etwa 66 Wohneinheiten gebaut.

Mehrere Wohngebäude entstanden zuletzt in der Erlenstraße / Ecke Eschenrieder Straße, die längst verkauft und bereits bezogen sind. Aktuell im Bau befindet sich in der Augsburger Straße  das Projekt Gröbenzell Living, während dort ein Geschäfts- und Wohngebäude vom Bauträger Meisterwohnbau fast fertig gestellt ist (rund 6500 Euro pro Quadratmeter, Bild links).  Nördlich der Gleisanlagen dominieren Einfamilien- und Doppelhäuser aber weiterhin den Neubau. Berücksichtigt man den Abriss, hat sich der Wohnungsbestand in den vergangenen zehn Jahren kaum erhöht.

 

Dies spiegelt sich auch in der Bevölkerungsentwicklung wider. Seit Mitte der 1980er-Jahre wächst Gröbenzell deutlich langsamer als davor. Zwischen 1950 bis 1987 hatte sich die Bevölkerungszahl von 5283 auf 17.504 Einwohner mehr als verdreifacht, weshalb die Mehrheit der Wohngebäude aus dieser Zeit stammt. Einen größeren Umfang nimmt die EIWO-Reihenhaus-Siedlung rund um die Alpenstraße ein. Hochhäuser wie in der Bernhard-Rößner-Straße sind jedoch in Gröbenzell die Ausnahme.

Pläne für den Ortskern.

Ältere Häuser, wie der um 1910 im reduzierten Heimatstil mit Jugendstilelementen erbaute Mansarddachbau in der Alpenstraße 2 / Ecke Augsburger Straße (siehe drittes Bild von oben), sind in der Gemeinde kaum zu finden. Sogar das Gemeindezentrum mit der Pfarrkirche St. Johann Baptist (von Josef Schormüller, siehe Bild links) und der Dorfschule entstanden erst Mitte der 1920er-Jahre. Bereits vom Verfall bedroht ist das ebenfalls in dieser Zeit erbaute Gasthaus Grüner Baum, dessen Biergarten seit der Schließung der Traditionsgaststätte im Jahr 2006 völlig zugewachsen ist.

 

Nachdem bereits 2010 ein städtebaulicher Wettbewerb für die Neugestaltung der südlichen Bahnhofstraße ausgelobt wurde (2010) und eine Neubebauung beim Gasthaus Grüner Baum 2014 an bürokratischen Hürden gescheitert war, soll nun durch Neuregelung der Eigentümerverhältnisse und mit einem neuen Ideenwettbewerb ein neuer Anlauf zur Neugestaltung dieses Teils der Ortsmitte gestartet werden.

Planungsverband sieht weiteres Bau-Potenzial

Eine vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München 2017 vorgelegte Studie sieht für Gröbenzell durch Nachverdichtung noch ein zusätzliches Potenzial von 5300 Einwohnern. Manche Anwohner werden von der Aussicht auf so viele Baustellen kaum erfreut sein.

 

 

Die Gemeinde in Zahlen

Gröbenzell ist die einwohnermäßig größte Gemeinde ohne Stadtrecht im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Gemeinde grenzt im Osten direkt an München – und zwar an den Bezirksteil Lochhausen des westlichsten Münchner Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied. Nördlich und westlich von Gröbenzell befindet sich die Gemeinde Olching, im Süden liegt die Gemeinde Puchheim.

 

Einwohner: In Gröbenzell wohnen überdurchschnittlich viele Familien mit Kinder, der Ausländeranteil ist relativ gering und der Wanderungssaldo leicht negativ.

Infrastruktur: Gröbenzell ist mit dem Bahnhof der S-Bahnlinie S3 (Mammendorf - Holzkirchen) an das Münchner ÖPNV-Netz angeschlossen, auch besteht mit den nahen Anschlussstellen Lochhausen/Langwied eine gute Anbindung an die Bundesautobahn 8 sowie an die A99. Einzelhandel gibt es vor allem in der Kirchenstraße (REWE) und der Olchinger Straße (Lidl, Aldi Edeka).

Immobilien: Trotz vorwiegend individueller Bauweise ist die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Das Angebot ist geringer als bei den Umlandgemeinden.

Weitere Informationen:

www.groebenzell.de: Internetauftritt der Gemeinde

 

Text und Fotografien: Ulrich Lohrer, 16.10.2018