Hallbergmoos: Boom in der Kolonie am Flughafen

Die vom Freiherrn von Hallberg gegründete Siedlung Hallbergmoos nördlich von München ist aufgrund des angrenzenden Flughafens als Standort begehrt. Eine aufgeschlossene Baugrundausweisung sorgt dafür, dass sich das Immobilenangebot anpassen kann.

 

Hallbergmoos am Flughafen München ist die am schnellsten wachsende Gemeinde im Landkreis Freising. Seit der Eröffnung des Flughafens im Mai 1992 verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde auf knapp 11.000.

Ursprünglich war das heutige Gemeindegebiet Territorium des Hochstifts Freising. Der heutige Ortsteil Erching wurde bereits 750 von dem erst neunjährigen Tassilo III. aus der Adelsfamilie der Fagana dem Freisinger Bischof  Joseph von Verona als Geschenk erbracht. Im Mittelalter entstand dort anstelle einer Burganlage ein vom Baumeister Hans Moosbrugger geplantes, im Auftrag vom Freisinger Fürstbischof Albrecht Sigismund zwischen 1652 und 1663 erbautes Wasserschloss (Bild links). Das dreigeschossige barocke Gebäude befindet sich noch heute neben der 1658 erneuerten Schlosskapelle Walburga. Nach der Säkularisierung gelangte Schloss Erching in Privatbesitz und befindet sich, nachdem es 1898 vom Bogenhausener Bürgermeister und Ziegeleiunternehmer Josef Selmayer gekauft wurde, nun in der fünften Generation im Eigentum der Familie Selmayr.

Ebenfalls aus der Zeit des Freisinger Hochstifts stammt das von Erching nordöstlich gelegene Jagdschloss Birkeneck (Bild links unten). Fürstbischof Johann Franz Ecker zu Karpfing ließ es 1706 als zweigeschossigen Satteldachbau mit Schweifgiebeln und Putzgliederungen, erbauen.

Die Gründung des Freiherrn von Hallberg

1826 kaufte Freiherr Theodor von Hallberg-Broich (1768 - 1862) das Schloss Birkeneck mit 921 Tagwerk – etwa 314 Hektar – Grund für 18.000 Gulden. Der rheinländische Exzentriker und Schriftsteller ist Gründer und Namensgeber von Hallbergmoos. Nach einem abenteuerlichen Leben als Militär und Forschungsreisender hatte sich Hallberg 1819 mit seiner Frau in Schloss Fußberg in Gauting niedergelassen, wo seine Idee der Trockenlegung und Kultivierung der Moorlandschaft im Norden von München entstand. Mit Unterstützung seines Duz-Freundes König Ludwig I. begann der – wegen seines langen weißen Bartes und seiner exotischen Kleidung genannte – Eremit von Gauting, sein Projekt mit Entwässerungsgräben umzusetzen. In Hallbergs 300-Seelen-Kolonie gab es Bauernhöfe, Wohnhäuser, das Gasthaus Alter Wirt und die vom Münchner Architekten Daniel Ohlmüller geplante Kirche St. Theresia. Sie wurde wie die Straßen der Kolonie nach Familienmitgliedern König Ludwig I. benannt. 1842 verkaufte Hallberg Schloss Birkeneck, bereiste Russland und Persien und ließ sich in Schloss Hörmannsdorf bei Landshut nieder, wo er im 94. Lebensjahr verstarb.

 

1925 erwarben die Herz Jesu Missionare Schloss Birkeneck, um dort ein Heim für gefährdete Jugendliche einzurichten.  Lange Zeit war die Einrichtung größter Arbeitgeber vor Ort. Heute existieren rund 100 stationäre und ambulante Betreuungsplätze für Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen ihre bisherige Lebensituation nicht mehr ohne professionelle Hilfe bewältigen können.

Im Aufwärtssog des Flughafens.

Nach dem  Zweiten Weltkrieg erfuhr Hallbergmoos durch die Zuwanderung von Heimatvertriebenen und durch die Eingemeindung von Goldach einen Einwohnzuwachs.

Ein regelrechter Boom setzte 1992 mit der Eröffnung des neuen Flughafen München ein, der sich zum Teil auf der Gemarkung von Hallbergmoos befindet. Westlich vom Ortskern errichteten Projektentwickler große Gewerbeimmobilien.

So entwickelte die DB Real Estate bis 1994 den vom japanischen Stararchitekten Fumihiko Maki entworfenen Isar Büro Park (nun Terminal H im Besitz von Corestate). Die Krise Anfang der 2000er-Jahre sorgte zwar für hohen Leerstand bei den Büroimmobilien, doch der Boom setzte mit dem Ende der Finanzkrise wieder ein. Die Leerstände sind weitgehend abgebaut, Technologieunternehmen wie Cisco Systems, Citrix, Eurofighter, Eurojet, MTU Turbomeca oder SAP haben sich im Munich Airport Business Park (MABP) angesiedelt. Hallbergmoos hat mehr Beschäftigte als Einwohner, weshalb der Pendlerverkehr stark zugenommen hat. Aktuell entstehen etliche neue Hotels wie das Prizeotel, das Ninetynine oder das Hampton by Hilton Airport Munich South. Die GBI saniert das verfallene Gasthaus Alter Wirt und erweitert es um ein Holiday Inn mit 165 Zimmern.

Gemeinde schafft Wohngebiete.

Die Gemeinde reagiert auf die starke Nachfrage auch mit einer dynamischen Wohnungspolitik. „Hallbergmoos wächst und wächst. Wir können die Entwicklung nicht verhindern, sie aber gestalten“, erläutert Bürgermeister Harald Reents (CSU).  Ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden in Parzellen eingeteilt und dort Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäuser errichtet.

Im Norden der Gemeinde entsteht das Neubaugebiet Jägerfeld West mit geplanten 250 Wohneinheiten. Aktuell wird dort neben dem neuen Kinderhaus die Wohnanlage Theresienpark nach Plänen der Münchner Hrycyk Architekten fertiggestellt. Etwa 80 Wohnungen will die Kommune im neuen Quartier selbst – für Familien und Senioren („Betreutes Wohnen“) – erbauen, 20 Parzellen wurden im Einheimischen-Modell vergeben. Nördlich davon soll zudem für Birkeneck West ein Bebauungsplan für ein weiteres Quartier ausgearbeitet werden.

Knapp zweihundert Jahre nach der Gründung durch den Freiherrn von Hallberg ist im Moos also viel los.

 

 

 

Die Gemeinde in Zahlen

 

Hallbergmoos ist die südöstlichste Gemeinde des Landkreis Freising. Im Westen befindet sich im Uhrzeigersinn die Gemeinde Eching, Neufahrn und im Norden die Stadt Freising. Im Nordosten liegt der Flughafen München, im Osten die Gemeinden Oberding und Moosinning des Landkreis Erding. Im Süden liegen Ismaning und im Südwesten Garching.    

Einwohner: Hallbergmoos ist wegen des starken Zuzugs und hohen Geburtenüberschusses eine der Gemeinden mit dem bundesweit niedrigsten Durchschnittsalter. 

Infrastruktur: Mit dem S-Bahnhof Hallbergmoos im Westen der Gemeinde besteht Anschluss an die S-Bahnlinie S8, die via München zwischen Flughafen München und Herrsching verkehrt. Die Gemeinde ist über die B301 an die Bundesautobahn A 92 angebunden. Es gibt Einkaufsmöglichkeiten entlang der Theresienstraße und der Hauptstraße (Rewe). Freizeitmöglichkeiten bieten die Isarauen.

Immobilien: Aktuell werden vor allem neue Eigentumswohnungen und Eigenheime zum Kauf, aber wenig Mietwohnungen angeboten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen:

Gemeinde Hallbergmoos: Internetseite

Ulrich Lohrer (Text und Fotografien)

Stand: 12.11.2019