Grundsteuer: Erlangen entlastet seine Bürger am stärksten

Nach einer Untersuchung, die Haus & Grund Deutschland beim Institut der deutschen Wirtschaft in Auftrag gegeben hat, hat die Stadt Erlangen unter Oberbürgermeister Janik (Bild) seine Bürger um 18 Prozent entlastet. Am niedrigsten ist die Grundsteuer für Familien in Gütersloh. 

 

In Gütersloh muss eine Familie am wenigsten Grundsteuer zahlen. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Untersuchung, die der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland beim Institut der deutschen Wirtschaft in Auftrag gegeben hat. „Während unsere Musterfamilie in Gütersloh nur 323 Euro pro Jahr zahlen muss, muss sie in Witten mehr als das Doppelte zahlen – nämlich 771 Euro“, so Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke bei der Vorstellung der Untersuchung heute in Berlin. Auf Rang 2 folgt mit der geringsten Grundsteuer nach Gütersloh Regensburg (335 Euro).

Auch in Reutlingen und Ratingen (beide Rang 3) mit jeweils 339 Euro und Konstanz (Rang 5) mit 347 Euro ist die Belastung nach dem Musterfall für Familien noch bürgerfreundlich.

Der stärkste Rückgang in der Steuerbelastung gegenüber dem Grundsteuerranking von 2019 verzeichnete Erlangen. Seit 2020 zahlen Bürger in Erlangen nur noch durchschnittlich 360 Euro statt 424 Euro. Das entspricht einem Rückgang von fast 18 Prozent. Möglich war die Senkung aufgrund der guten finanziellen Lage der Stadt. Erlan- gen hatte schon 2018 im Städtevergleich einen guten 41. Platz belegt. Jetzt konnte die Stadt in die Top 10 vorstoßen und findet sich mit einem Grundsteuerhebesatz in Höhe von 425 Prozent (2018: 500 Prozent) auf Rang 8 wieder. 

Als Negativbeispiel können allerdings die Städte Offenbach, Mülheim an der Ruhr und Gelsenkirchen aufgrund ihrer drastischen Steuererhöhung genannt werden. Anfang 2019 wurde die Grundsteuer B in Offenbach am Main massiv erhöht – und zwar um ganze 295 Pro- zentpunkte von 600 Prozent auf 995 Prozent. Die regierende Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern sah sich aufgrund der hohen Schulden der Kommune, einer ständig wachsenden Einwohnerzahl und dringend notwendigen Investitionen zu diesem Schritt gezwungen. Mit dem neuen Hebesatz von 995 Prozent, der einer durchschnittlichen Jahresgrundsteuer von 843 Euro entspricht, verdrängte Offenbach zeitweise sogar Witten von seiner Position als Schlusslicht des Rankings. Anfang dieses Jahres konnte die regierende Koalition den Hebesatz jedoch wieder um 100 Prozentpunkte auf 895 Prozent senken.  Auch die Eigentümer und Mieter in Mülheim an der Ruhr mussten 2019 eine starke Erhöhung des Hebesatzes hinnehmen. Die Stadt nimmt am Stärkungspakt Stadtfinanzen des Landes NRW teil, der dabei helfen soll, über- schuldete Städte und Gemeinden wieder handlungsfähig zu machen. Vorausgesetzt wird jedoch ein ausgegli- chener Haushalt. Um dies sicherzustellen und weiterhin in Schulen und Kindertageseinrichtungen investieren zu können, wurde der durchschnittliche Jahresbeitrag von 542 Euro auf 754 Euro angehoben. Dies entspricht einem Anstieg um 250 Prozentpunkte von 640 Prozent auf 890 Prozent und katapultiert die Gemeinde von Rang 80 im Jahr 2018 auf Rang 98 im diesjährigen Ranking. 

Die Stadt Gelsenkirchen legt mit einer Erhöhung der Grundsteuer B um 130 Prozentpunkte ebenfalls stark zu (von 545 Prozent 2018 auf 675 Prozent 2021). Seit dem Jahr 2019 müssen Hausbesitzer hier statt durchschnitt- lich 462 Euro nun 572 Euro zahlen. Wegen des deutlich gestiegenen Hebesatzes der Grundsteuer B verschlech- tert sich die nordrhein-westfälische Stadt im Stadtvergleich von Rang 55 auf Rang 83. 

Der Vergleich zum Ranking 2018 macht deutlich, dass die Städte, die eine Erhöhung beschlossen haben, durchweg kräftig zugelangt haben. „In diesen Städten ist die Grundsteuerlast innerhalb von drei Jahren geradezu explodiert. Hier muss dringend gegengesteuert werden, damit das Wohnen für Mieter und Selbstnutzer bezahlbar bleibt und in manchen Städten wieder bezahlbar wird“, forderte der Verbandschef. Dies werde durch Einführung der neuen Grundsteuergesetze noch wichtiger. Die Haus & Grund-Vereine würden prüfen, ob das Wort von Bundesfinanzminister Scholz gelte: keine heimlichen Erhöhungen bei der Umstellung!

Er erläuterte, dass jede Kommune anders sei: jede habe eine andere Entwicklung, andere Wirtschaftsstrukturen, andere Probleme zu bewältigen. Dennoch seien die Unterschiede erklärungsbedürftig. „Unser Vergleich soll nicht anklagen, sondern soll zur Transparenz beitragen. Nur dann können die Bürger ihre Kommunalpolitiker konkret fragen, warum sie mehr Grundsteuer zahlen als Bürger anderer Gemeinden“, erläuterte Warnecke. Warnecke empfahl den Kommunen, Strategien für eine Senkung der Grundsteuer zu entwickeln und diese den Bürgern zu erklären.

Schlecht schnitten in dem Ranking auch die größten Städte Deutschlands ab. Die Bundeshauptstadt Berlin belegt mit Rang 96 (Hebesatz: 810 %, Jahresgrundsteuer laut Musterfall: 686 Euro) nahezu das Tabellenende. Auch Hamburg (Rang 51, Hebesatz 540, Jahresgrundsteuer 458 Euro), München (Rang 49, Hebesatz 535, Jahresgrundsteuer 453 Euro), Köln (Rang 44, Hebesatz 515, Jahresgrundsteuer 436 Euro) oder Stuttgart (Rang 45, Hebesatz 520, Jahresgrundsteuer 441 Euro) belasten ihre Bewohner mit heftigen Grundsteuern.

Weitere Informationen:

Haus und Grund: Grundsteuerranking 2021

 

Quelle: Pressemeldung Haus und Grund vom 11.05.2021