Ismaning: Vom Bischofsschloss zum Medienstandort

Ismaning nördlich von München erlebt einen Boom durch Unternehmensansiedlungen und Einwohnerzuzüge. Dabei weist die Gemeinde an der Isar eine interessante Geschichte und reiche Kulturbauten auf.

 

Am 23. Februar des Jahres 809 vereinbarten Bischof Atto von Freising und Bischof Erachar in „Isamaninga“, dass unrechtmäßig in fremden Besitz gelangte „Unfreie“ an ihren ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden müssen. Die erste schriftliche Erwähnung von Ismaning, das schon vor 5000 Jahren besiedelt war, betraf also den Diebstahl von Leibeigenen.

Heute scheint es schwer vorstellbar, wie zwei Bischöfe über den Austausch versklavter Menschen verhandeln konnten. Der Medienstandort zeichnet sich durch einen rasanten Zuzug qualifizierter Erwerbstätige aus. Das knapp 17.000 Einwohner zählende Ismaning nördlich von München an der Flughafen-S-Bahn zählt zu den am stärksten wachsenden Gemeinden im Landkreis München.

 

Die Sommerresidenz der Freisinger Bischöfe

Lange Zeit spielte aber hier der Bischofssitz Freising eine beherrschende Rolle. 1319 verkaufte Kaiser Ludwig der Bayer Ismaning zusammen mit Föhring, Englschalking und Daglfing für „hundert March lothrings Silber“ an das Hochstift Freising. Aus dem Gebiet entstand  die Grafschaft auf dem Yserrain.

Bei der Dorfmitte an der Kirche St. Johann Baptist (siehe Bild links, Bild links unten) erwarb 1526 der Freisinger Fürstbischof Philip von der Pfalz das unvollendete Herrenhaus des Freisinger Domkanoniker Jakob Haushaimer und ließ es bis 1530 im Renaissancestil zu einem dreigeschossige Walchdachhaus mit vier Ecktürmen ausbauen.

Rund 185 Jahre später gab einer seiner Nachfolger, Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck, den Auftrag das Gebäude abzureißen, um dort von 1716 bis 1718 das barocke Schloß Ismaning als Sommerresidenz zu errichten. Um 1727 legte der Münchner Gärtner Georg Glas den Schlosspark an. Zudem entstand dort in dieser Zeit im Auftrag von Fürstbischof Karl Theodor und wohl nach Plänen von Francois Cuvilliés das Teehaus, ein Pavillon mit oktogonalem Mittelsaal und flankierenden Räumen, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wahrscheinlich von Jean-Baptiste Metivier umgestaltet wurde.

Alterssitz für Napoleons Stiefsohn und für Prinzessin Amalie

Mit der von Napoleon ausgelösten Säkularisation endete 1803 die fast halbtausendjährige Ära der Freisinger Fürstbischöfe. Das Hochstift Freising wurde aufgelöst und Ismaning kam zum Kurfürstentum Bayern. Für Kurfürst Maximilian Joseph zahlte sich die Allianz mit Napoleon nicht nur aufgrund der beträchtlichen Erweiterung seines Herrschaftsgebiets aus, sondern auch durch die Aufwertung Bayerns zum Königreich.

Besiegelt wurde das Bündnis durch die Hochzeit von Maximilian Josephs Tochter, Prinzessin Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène de Beauharnais. Der bayerische König ließ auch nach dem Sturz Napoleons 1815 seinen Schwiegersohn nicht in Stich und erhob ihn zum Herzog von Leuchtenberg. Als Zugabe bekam von Leuchtenberg zudem vom König Schloss Ismaning als Sommerresidenz geschenkt, das er 1817 im klassizistischen Stil durch Leo von Klenze umgestalten ließ (siehe großes Bild oben). Nach verschiedenen Eigentümerwechseln gelangte das Schloss Ismaning in den Besitz der Gemeinde und dient seit 1934 als Rathaus.

Vom Ziegel- zum Medienstandort

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste die Industrialisierung auch Ismaning. 1859 gründeten die Unternehmer Lizowsky und Bullinger eine Fabrik für Verpackungspapiere, so genannte „Emballagen“, aus den Abfallprodukten Stroh, Altpapier und Lumpen, die 1919 in die Vereinigte Papierfabriken überging und für lange Zeit der wichtigste Arbeitgeber im Ort war.

 

Der Torfabbau im Erdinger Moos und die Torfbahn nach Ismaning, das Turbinenwerkes am Seebach beim Gasthof zur Mühle und die 1909 errichtete Lokalbahn nach Ismaning sorgten für Arbeit und Wohlstand. 1938 errichtete Münchens größte Ziegelei, die Aktienziegelei München (AGROB), ein Werk in Ismaning (siehe Bild links). Zur Blütezeit waren hier 900 Männer und Frauen beschäftigt und 1960 verlagerte die AGROB sogar die Konzernleitung nach Ismaning. Während sich die Fläche des Ortes kaum veränderte, nahm die Bevölkerung stetig zu. Um 1930 hatte der Ismaning noch rund 3.000 Einwohner. Bis 1950 stieg die Zahl, unter anderem durch die Ansiedlung von über 1.000 Heimatvertriebenen, auf etwa 5.000 an und verdoppelte sich innerhalb der nächsten 20 Jahre. Die 10.000er-Grenze wurde 1974, kurz nach der Fertigstellung der S-Bahn überschritten.

Danach musste die Gemeinde sich aber auch wirtschaftlich neu umorientieren.  Obwohl in der AGROB noch Anfang der 1970er-Jahre das modernste Wandplattenwerk Europas betrieben wurde, musste zehn Jahre später das Werk schrittweise stillgelegt werden.

Investoren und den Gemeindevätern gelang die erfolgreiche Neuausrichtung. Ab 1993 entstand auf dem Gelände der „AGROB Medien- und Gewerbepark“ mit einer Mischung aus Neubauten und erhaltenen Ziegeleigebäuden. Der Standort gewann mit dem neuen Flughafen München deutlich an Attraktivität, weshalb sich Firmen in der AGROB wie Antenne Bayern, Gong Verlag, Plazamedien und Sport1 sowie im nordöstlichen Gewerbegebiet Osterfeld wie EMC Deutschland, Constantin Entertainment und NTT Security ansiedelten.

Um den Zuzug bewältigen zu können, entstehen neue Wohnhäuser, aktuell etwa im nördlichen Ortsteil Fischerhäuser oder im Süden auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Senfherstellers Develey am Wasserturm. Der Gemeinderat gab jüngst grünes Licht zum Bau von zwei Geschossbauten mit 30 Wohnungen am neuen Grabenanger beim Seidl-Kreuz-Weg durch die Baugesellschaft München-Land, die im Sommer 2019 bezugsfertig sein sollen. Aufgrund der hohen Nachfrage sind aktuell kaum Eigentumswohnungen und Wohnhäuser am Markt erhältlich.

 

Die Gemeinde in Zahlen

 

Ismaning ist ein im nordöstlichen Bereich des Landkreis München gelegene Gemeinde. Die Isar bildet im Westen die Grenze zur Gemeinde Garching und im Südwesten zum Bezirksteil Obere Isarau des Stadtbezirks Schwabing-Freimann der Landeshauptstadt München. Südlich von Ismaning liegen die Gemeinden Unterföhring und Aschheim. Im Norden grenzt Ismaning an die Gemeinden Eching und an Halbergmoos des Landkreises Freising. Im Osten befinden sich die Gemeinden Moosinning und Finsing im Landkreis Erding.

Einwohner: Die Bevölkerung in Ismaning weist im Vergleich zum Landkreis ein niedriges Durchschnittsalter auf. Es gibt relativ viele Familien mit Kindern.

Infrastruktur: Mit der S-Bahn-Linie S 8 beträgt die Fahrtzeit ins Zentrum von München etwa 25 Minuten und zum Flughafen München 15 Minuten. Zudem liegt Ismaning an der Bundesautobahn 99 und den Bundesstraßen B 471, B 368 und B 301. Freizeitmöglichkeiten bieten der Schlosspark, die Isarauen, das Kulturzentrum und Bibliothek in der Seidl-Mühle und das neue Hallenbad.

Immobilien: Seit 2010 wurden jährlich etwa 80 Wohnungen hergestellt, die sehr schnell am Markt aufgenommen werden, so dass aktuell das Angebot gering ist.

Weitere Informationen:

Gemeinde Ismaning: Internetauftritt