Umfrage: Eigenheimbesitzer auf dem Land am umweltfreundlichsten

Die Beteiligung der Haushalte an der Energiewende ist in Großstädten deutlich geringer als auf dem Land. Insbesondere die Verbreitung von Photovoltaik und Solarthermie ist auf dem Land stärker ausgeprägt. Dies ist ein Ergebnis einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW (Energiewendebarometer).

 

Mehr als 90 Prozent der Haushalte in Deutschland stehen hinter der Energiewende. Die erstmalig in fast 4.000 Haushalten durchgeführte einzigartige Befragung des KfW-Energiewendebarometers zeigt zudem, dass sich heute bereits 23 Prozent der Haushalte durch die Nutzung von Energiewendetechnologien aktiv beteiligen. „Der Rückhalt für die Energiewende in der Bevölkerung ist unvermindert hoch. Das ist ein sehr ermutigendes Ergebnis“, sagt Dr. Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender und Nachhaltigkeitsvorstand der KfW Bankengruppe.

Eigentümer nutzen eher erneuerbare Energien

Der Unterschied zwischen Mietern und Eigentümern zeigt sich am stärksten bei der Nutzung von Erneuerbaren Energien. Bei der Solarthermie ist der Anteil mit 16 Prozent bei den Eigentümern nahezu 4-mal so hoch wie bei Mietern (4 %). Bei Photovoltaik-Anlagen und Beteiligungen an Erneuerbare Energien-Anlagen außerhalb der eigenen Wohnung weisen Eigentümer (12 bzw. 5 %) jeweils einen doppelt so hohen Anteil auf im Vergleich zu Mietern (5 bzw. 2,5 %). Auch Wärmepumpen sind bei Eigentümern (10 %) doppelt so häufig anzutreffen wie bei Mietern (5 %).

Mehr Energiewender bei Einfamilienhäusern

Vergleicht man Ein- mit Mehrfamilienhäusern,8 zeigen sich tendenziell die gleichen Unterschiede wie zwischen Eigentümern und Vermietern. In Einfamilienhäusern sind Solarthermie-Anlagen deutlich häufiger als in Mehrfamilienhäusern (16 vs. 6 %); Photovoltaik- Anlagen (12 vs. 6 %), Erneuerbare Energien-Beteiligungen (5 versus 2,5 %) und Wärmepumpen (10 vs. 6 %) werden etwa doppelt so oft genutzt.

Die Eigentumsverhältnisse und der Haustyp scheinen die Verbreitung der Energiewendetechnologien dabei unabhängig voneinander zu beeinflussen: Am häufigsten findet man sie in Einfamilienhäusern im Eigentum, am seltensten in Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern, während die verbleibenden Kombinationen zwischen diesen Werten liegen.

Energiewendetechnologien in ländlichen Haushalten stärker verbreitet

Ein weiterer Faktor ist die Stadtgröße: Insbesondere die Nutzung von Erneuerbare Energien-Anlagen fällt mit der Größe der Stadt ab. Photovoltaik und Solarthermie finden sich bei Landstädten in 15 bzw. 16 Prozent der Haushalte, in Großstädten nur bei 4 bzw. 5 % (Grafik 7). Dazwischen nehmen die Werte mit der Größe der Stadt kontinuierlich ab.

Auch Wärmepumpen haben in den Großstädten mit fünf Prozent  eine geringere Häufigkeit als in den anderen Stadttypen, wo sie jeweils in rund neun Prozent aller Haushalte vorhanden sind. Batteriespeicher sind auf dem Land mit 3 % ebenfalls häufiger als in Großstädten (2 %), allerdings fallen die Unterschiede hier kaum ins Gewicht. Elektroautos sind die einzige Technologie, die in Ballungszentren stärker verbreitet ist als auf dem Land.

Das beobachtete Stadt-Land-Gefälle kann vielfältige Gründe haben. Bei den Wärmetechnologien Solarthermie und Wärmepumpe könnte beispielsweise die stärkere Verbreitung von Fernwärme in Großstädten einen Einfluss haben, was allerdings die Unter- schiede bei Photovoltaik-Anlagen nicht erklären kann. Möglicherweise tragen auch Unterschiede bei den potenziellen Nutzungsflächen für Solarenergie (Photovoltaik und Solarthermie) dazu bei, da es in Ballungszentren tendenziell mehr Mehrfamilienhäuser und größere Verschattungsanteile gibt. Die Daten lassen zwar keinen endgültigen Schluss zu, legen allerdings nahe, dass hier weitere Faktoren eine Rolle spielen: Selbst, wenn man für den Haustyp kontrolliert und beispielsweise nur Einfamilienhäuser im Eigentum des befrag- ten Haushalts betrachtet, bestätigt sich die Tendenz, dass es in größeren Städten kleinere Bestände gibt als in kleineren Städten.

Die Befragung gibt vielmehr Hinweise auf Unterschiede bei den Haushalten selbst: In ländlichen Regionen wird die Nutzung häufiger mit der Möglichkeit begründet, von konventioneller, zentraler Energieversorgung unabhängig zu sein. Dies könnte ein grundsätzlicher Trend sein, der dazu führt, dass diese Gruppe stärker in dezentrale Energiewendetechnologien investiert.

Energiewendehaushalte vor allem im Süden

Am häufigsten haben Haushalte in Baden- Württemberg, Bayern und Hessen angegeben, über mindestens eine der betrachteten Energiewendetechnologien zu verfügen (Grafik 9).

Dies lässt sich zum einen durch unterschiedliche Standortqualitäten für Sonnenenergie begründen: In den südlichen Bundesländern ist das Potenzial aufgrund von höherer Globalstrahlung pro Quadratmeter deutlich höher.10 Zudem liegen in den Bundesländern mit der größten Verbreitung von Energiewendetechnologien auch die Haushaltseinkommen oberhalb des Bundesdurchschnitts.

Klimaschutz und Kostenersparnis motivieren die Nutzung
Die Haushalte mit Energiewendetechnologien wurden auch zu ihrer Motivation befragt. Am häufigsten wurde als Antwort der Beitrag zum Klimaschutz genannt, insbesondere bei den Anlagen zur Nutzung von Erneuer- baren Energien, die jeweils zu rund 80 % aus Klimaschutzgründen betrieben werden (Grafik 10).

Zweitwichtigstes Motiv ist die Kosteneinsparung, die von durchschnittlich rund 70 % der Haushalte als Grund genannt wurde – bei Wärmepumpe und Batteriespeicher etwa ebenso oft wie das Klimaschutzmotiv. Dahinter folgt der Autarkiegedanke: 55 bis 60 % der Haushalte sehen sich durch eine geringere Abhängigkeit vom konventionellen Energienetz motiviert.

Den Reiz der Innovation nennt noch etwa jeder zweite Haushalt. Eine Steigerung des Immobilienwerts führt einer von drei Haushalten als Beweggrund an. Am wenigsten relevant scheint hierbei das Ordnungsrecht (wie beispielsweise die Energieeinsparverordnung) zu sein: deutlich weniger als zehn Prozent begründen die Nutzung mit den gesetzlichen Auflagen.

Weitere Informationen:

KfW: Energiewendebarometer

Quelle: Pressemeldung KfW, KfW-Energiebarometer

Bildnachweis: Eigenstrom aus Solarenergie;