Kirchheim: Bajuwarenhof und Smartcity

Kirchheim ist eines der ältesten Siedlungen Südbayerns. Nun erweitert sich die Gemeinde im Osten von München und wagt mit dem Projekt 2030 und der Landesgartenschau 2024 den Sprung in die Zukunft.

 

Die östlich von München gelegene Gemeinde Kirchheim verdreifachte ihre Einwohnerzahl zwischen 1970 und 1978. Der Grund: die im Zuge der Gebietsreform 1976 beschlossene Eingliederung der Nachbargemeinde Heimstetten. Seither hat sich die Einwohnerzahl auf 12.800 nochmals verdreifacht.

Nun stehen auf der bislang unbebauten Wiese zwischen Wendehammer in Kirchheim im Norden und dem Seniorenheim in Heimstetten im Süden Bagger und Baumaschinen. Beide Ortsteile sollen mit dem „Strukturkonzept Kirchheim 2030“ verzahnt werden.

Doch schon jetzt ergibt sich aus dem Projekt eine Sensation. Durch die Bodenarbeiten haben Archäologen ein Gräberfeld aus der frühen Bronzezeit entdeckt und ausgegraben. Zwischen 40 und 50 Personen wurden hier zwischen 2200 bis 2600 vor Christus bestattet. Damit handelt es sich um eines der größten Gräberfelder dieser Zeitstellung in Südbayern. Auch wenn vieler Gräber einige Hundert Jahre später wieder geöffnet wurden, konnten die Archäologen nun noch eine größere Anzahl an Kupfer- oder Bronze-Ahlen, auch Ohrringe und kleinere Gewandnadeln sicherstellen. „Ein beeindruckender Fund, der uns einen großen Schritt weiterbringt in den Erkenntnissen über die Besiedlungsgeschichte unserer Gemeinde“, so Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU). 

 

Alte bayerische Siedlung.

Im 6. oder 7. Jahrhundert wurde hier eine der ältesten Siedlungen im südbayerischen Raum gegründet, deren Namen die Gemeinde noch heute trägt. 763 fand hier auf Einberufung von Herzog Tassilo III. eine Synode statt. Wie die Häuser der Merowingerzeit ausgesehen haben könnten, darüber gibt heute ein archäologisches Freilichtmuseum im Westen der Gemeinde eine Vorstellung. Der Bajuwarenhof Kirchheim umfasst hinter einem Flechtwerkzaun unter anderem ein Langhaus mit schilfgedecktem Sparrendach und mehreren Nebengebäuden.

Im 9. Jahrhundert wurde die Siedlung zur heutigen Kirche St. Andreas verlegt. Erster namentlich erwähnter Bürger ist Hofolth de Kirichaim, der zwischen 1098 und 1137 bezeugt ist. Auf Betreiben von Caspar Mayr - von 1649 bis 1683 Pfarrer in Kirchheim - wurde von 1675 bis 1681 unter Verwendung des spätgotischen Turmunterbaus, St. Andreas als barocker Saalbau neu erbaut.

 

Der hohe Westturm ist mit seiner Zwiebelhaube schon von Weitem erkennbar. Die Kirche bildet das ehemalige Dorfzentrum Kirchheims, das von zahlreichen Bauerngehöften, der Schule und dem alten Rathaus umgeben ist. Dabei waren die die landwirtschaftlichen Anwesen bis zur Säkularisation 1803 im Eigentum des Angerklosters in München, dem Kloster Schäftlarn und dem Kloster Rott und gingen erst danach in den Besitz der Bauern über.

Architektonisch und energetisch erwähnenswert ist die 2014 entstandene Mehrfamilienhaussiedlung in massiver Holzbauweise (Bild links)  nach Plänen der Vorarlberger HK Architekten Hermann Kaufmann + Partner an der Münchner Straße.

Das südlich gelegene Heimstetten, seit 1818 – wie Kirchheim – selbstständige Gemeinde, wurde erstmals 1324 in einer Urkunde schriftlich genannt, bestand aber wohl schon lange davor. In der Urkunde wurde bezeugt, dass Konrad von Baierbrunn seinen Hof in Heimstetten samt dem Zehent an Martin Kazmair verkauft. Kulturhistorisch erwähnenswert ist die 1894 erbaute Kapelle St. Ulrich. Die größte Kirche Heimstetten ist jedoch die 1991 nach Plänen von Alexander von Branca erbaute Kirche St. Peter.

 

Seit dem 1. Mai 1978, dem Inkrafttreten der Gebietsreform, ist Heimstetten zwar „nur“ noch ein Ortsteil von Kirchheim, doch aufgrund der besseren Verkehrsanbindung   (1871 Eisenbahnstrecke München – Neuötting, 1972  S-Bahnlinie S2) wichtiger Wirtschaftsstandort. Neben etlichen Klein- und Mittelstandsunternehmen sind hier auch größere und bekanntere Firmen wie HuberGroup, Willy Bogner, Techsat, SpaceNet oder Genua angesiedelt.

Mit dem Strukturkonzept Kirchheim 2030 möchte die Gemeinde Kirchheim mit öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Kinderhaus, Bürgerhaus, Schulen und dem neuen Ortspark eine attraktive Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen Kirchheim und Heimstetten erreichen. Im Mittelpunkt der Planungen stehen rund 300 Einfamilienhäuser und etwa 900 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern für Ortsansässige, Familien und Senioren. Der neue Ortspark entsteht im Rahmen der Landesgartenschau 2024 nach einem Entwurf der aus einem Wettbewerb 2019 hervorgegangenen Sieger Sinai Landschaftsarchitekten aus Berlin. Eine wichtige Rolle kommt dabei der „Sphäre Wasser“ zu, einem im Nordteil der Grünanlage vorgesehenen, von einer Brücke überspannten See. Neben dem Haimstettener See im Westen der Gemeinde würde Kirchheim dann über ein weiteres Naherholungsgebiet verfügen. Größtes Bauvorhaben wird das neue Gymnasium sein. Und bis zur Eröffnung soll am Nordufer des Sees dann auch das auf 40 Millionen Euro veranschlagte neue Rathaus nach Plänen des Architekturbüros Dürschinger und Tautorat Landschaftsarchitekt fertiggestellt sein.

Auch in digitaler Infrastruktur wird die Gemeinde zukunftsfähig. So führt sie zusammen mit der IHK München das Pilotprojekt „Smartcity“ durch, um über eine Plattform Gemeindedaten – etwa zum Verkehrsfluss – zu erfasssen.

 

Die Gemeinde in Zahlen

Kirchheim ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises München. Im Westen und Norden grenzt an Kirchheim an die Gemeinde Aschheim, im Süden an Feldkirchen, beide ebenfalls Gemeinden des Landkreis München. Im Osten grenzen an Kirchheim von Norden nach Süden Pliening, Poing und Vaterstetten, Gemeinden des Landkreis Ebersberg.

 

Einwohner: In Kirchheim wohnen viele Familien mit Kinder, aber auch relativ viele Senioren.

Infrastruktur: Die Gemeinde Kirchheim ist mit dem Bahnhof Heimstetten an die S-Bahnlinie S2 angebunden. Eine gute Anbindung besteht für den Autoverkehr über die Anschlussstelle Kirchheim an die Ringautobahn A99 und über die Anschlussstelle Heimstetten an die A94. Im Ortsteil Kirchheim gibt es einen Lidl und in Heimstetten Am Gangsteig ein Einkaufszentrum und andere Einzelhandelsgeschäfte. Freizeitmöglichkeiten bietet der Heimstettener See.

Immobilien: Aktuell werden einige Bestandsobjekte zum Kauf und zur Miete, aber keine Neubauobjekte angeboten.  

 

Weitere Informationen:

Internetauftritt der Gemeinde Kirchheim: www.kirchheim-heimstetten.de

Text und Bilder von Ulrich Lohrer, Stand 16.06.2020