Schönfeldvorstadt: Das Defregger-Haus

Von dem Architekten des Neuen Rathauses, Georg von Hauberrisser, ließ sich der Maler Franz von Defregger ein großes Mietshaus mit einer Blankziegelfassade errichten. Es wird als eine der Höhepunkte „romantischer“ Architekturschöpfungen in München angesehen.

 

Der Osttiroler Bauernsohn Franz Defregger (1835 – 1921) finanzierte sich durch den Verkauf seines elterlichen Bauernhof sein Kunststudium in Innsbruck und München. Eine Investition, die sich auszahlte. Der Genre- und Historienmaler Defregger wurde zu einem der führenden Vertreter der Münchner Schule und erwarb Vermögen und Ehre: Von 1878 bis 1910 war er Professor der Historienmalerei in der Komponierklasse der Münchener Kunstakademie, 1883 wurde als Ritter und Träger des bayerischen Verdienstsordens in den Adelstand erhoben.

Zu seinem Vermögen gehörte ein umfangreicher Immobilienbesitz in der Königinstraße in der Schönfeldvorstadt der Maxvorstadt am Englischen Garten sowie eine Villa in Bozen. Von 1881 bis 1882 ließ er von Georg Hauberrisser, der Architekten des Neuen Rathauses in München, in der Königinstraße 31 sein palazzoartiges Wohnhaus errichten.

Vier Jahre später erbaute Hauberrisser zudem für Defreggeran der Westseite des Grundstücks ein Gartenhaus (Kaulbachstr 26a), das Defregger als Atelier nutzte.

Schließlich entstand von 1893 bis 1894 nach Hauberrissers Plänen für Defregger auch ein großes dreigeschossiges Mietshaus in der Königinstraße 27 mit je einer herrschaftlichen Wohnung pro Geschoss. Wie bereits für die erstellten Bauten verwendete der Architekt für den Tiroler Bauherrn beliebte altdeutsche Versatzstücke.

Für die romantisch-verspielte Fassade ließ Hauberrisser die ausführende Baufirma Vogt & Neuhoff Blankziegel verwenden, die er durch Ofenstetter Kalkstein gliedern ließ. Auch die asymmetrische Gebäudeform mit Türmen und Erker verstärkt die Erscheinung. „Das Mietshaus stellte wohl einen der Höhepunkte „romantischer“ Architekturschöpfungen in München dar“, so die Autoren der Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München.

Der Luftkrieg richtete verherrende Zerstörungen des ehemaligen Immobilienbesitzes des 1921 verstorbenen Malers an. Seine Wohnvilla in der Königinstraße wurde völlig zerstört und auch nicht mehr aufgebaut. Auch das Mietshaus in der Königinstraße 27 wurde so getroffen, dass alle Geschossdecken bis ins Erdgeschoss durchbrannten. Bis 1951 erfolgte jedoch der Wiederaufbau, wobei die Dachform zum Teil verändert wurde.

Quelle: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München, Mitte, Band 2, Seite419 – 420

Bildnachweis – Fotografien des Gebäude Königinstraße 27 von Ulrich Lohrer;  Franz von Defregger um 1902 aus Weltrundschau zu Reclams Universum 1903