Fassadenpreis 2015: Wohnhaus in der Villenkolonie Gern

Im November 2015 zeichnete die Landeshauptstadt München 25 private Gebäude mit dem Fassadenpreis 2015 aus und erwähnte sechs Gebäude der öffentlichen Hand lobend. Eines der ausgezeichneten Häuser ist ein Wohn- und Geschäftshaus in der Villenkolonie Gern.

 

Der Ingenieur und Baumeister Jakob Heilmann verwirklichte in München Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Quartiersentwicklungen. Eines der bekanntesten ist die Villenkolonie Gern, dem heutigen nördlichen Bezirksteil Neuhausen des Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. Die Villenkolonie Gern entstand ab 1892 und entwickelte sich zu einem hochrangigen Künstlerquartier, das in der bildenden Kunst vor allem mit der Künstlerkolonie Dachau in vielfältiger Beziehung stand. Die „Familienhäuser-Colonie Nymphenburg-Gern“ war die erste gutbürgerliche Reihenhaussiedlung Münchens. Mit dieser wollte er aber auch explizit der Wohnungsnot der Künstler abhelfen, die in großer Zahl nach München strömten, das zur führenden deutschen und internationalen Kunstmetropole aufstieg. Fast 50 der insgesamt geplanten 280 Eck-, Mehrfachspänner oder Reihenhäuser waren von ihm für bildende Künstler vorgesehen und als Ateliervilla oder mit Reihenhausatelier in verschiedenen Größen ausgestattet: eine Künstlerkolonie vom Reißbrett entstand in dem trotz relativ schlichter Architektur ästhetisch sehr anziehenden Viertel.

Eines dieser Häuser ist das denkmalgeschützte, historisierende Wohn- und Geschäftshaus in der Kratzerstraße 18. Es wurde 1895 vom Baugeschäft Heilmann & Littmann als Eckhaus der Reihenhausgruppe in der Tizianstraße erbaut.

Die Eigentümer hatten sich zum Ziel gesetzt, mit den Umbaumaßnahmen das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherzustellen. Dafür wurden die Kunststofffenster durch neue Holzsprossenfenster ersetzt und die im Erker als Auslage genutzte Fensteröffnung in die alte Form zurückgebaut. Der angebaute Windfang zur Kratzerstraße wurde verkleinert und der Treppenaufgang erneuert. Die handwerklich ausgebesserten Fassadenputze wurden in einem hellen Steinton mit dunkler abgesetzten Lisenen neu gestrichen. Getreu dem historischen Vorbild wurde ein Rankspalier angebracht und die Einfriedung des Grundstücks wiederhergestellt.

Das Eckhaus bildet nun einen schönen Abschluss der Reihenhausgruppe. Es ist eines von 25 Gebäuden, dass mit dem Fassadenpreis 2015 der Landeshauptstadt München ausgezeichnet wurde.

 

Quelle: Pressemeldung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München vom 11.11.2015;

Bildnachweis: Landeshauptstadt München / Foto Maja Kaltenbach