Kreativquartier: Baustart im Kreativ-Feld

Im Viertel Alte Kaserne zwischen Neuhausen und Schwabing wurden erste Baufelder des Kreativquartiers an Wohnbaugenossenschaften sowie die städtische GEWOFAG vergeben. Für Interessenten an Eigentumswohnungen gibt es im neuen Quartier in absehbare Zeit kein Angebot.

 

Gegenüber dem Leonrodplatz ziert seit Kurzem ein Bild das Leonrodhaus der ehemaligen Luitpoldkaserne. Blickfang ist ein blauer Reiter mit Lanze auf einem sich aufbäumenden bunten Pferd (siehe Bild oben).

Gemalt wurde das Wandgemälde auf die 220 Quadratmeter große Fläche des Kopfbaus zum Kreativquartier von der Initiative „Vernissage Atelier 13“. Dem Schöpfungsprozess der Streetart war ein jahrzehntelanges bürokratisches Prozedere vorausgegangen. 2017 hatten Neuhauser Lokalpolitiker den Antrag dafür  gestellt, im Frühjahr 2022 konnte das Werk endlich angebracht werden. „Der Weg zu diesem Werk war lang und anstrengend“, so die Künstlerin Anna Sette.

Ein langwieriger Entwicklungsprozess

Der lange Genehmigungsprozess kann stellvertretend für die langwierige Entwicklung des künftigen Kultur- und Wohngebiets Kreativquartier in den Vierteln Alte Kaserne und Schwere  Reiter gesehen werden. Das 20 Hektar große Areal zwischen Dachauer Straße, Schwere-Reiter-Straße und Lothstraße wurde nach der Kasernenauflösung 1999 von der Stadt München 2004 erworben. Zuerst sollte auf dem Gelände die Werkbundsiedlung Wiesenfeld entstehen, eine vom Deutschen Werkbund initiierte Wohnsiedlung mit 500 Wohnungen. Den dafür ausgelobten Architektenwettbewerb hatte 2007 der Japaner Kazunari Sakamoto mit einem Entwurf aus schlanken Türmen mit hängenden Gärten, Loggien und begrünten Dächern, gewonnen.

 

Doch der Münchner Stadtrat lehnte das Konzept ab und lobte 2012 erneut ein Wettbewerb aus, den das Berliner Architekturbüro Teleinternetcafe mit TH Treibhaus landschaftsarchitektur gewannen. Ihr Konzept teilt das L-förmige Quartier in vier Bausteine, dem Kreativfeld, dem Kreativlabor, dem Kreativpark und der Kreativplattform.

Baugenossen im Kreativfeld 

Im nordwestlich gelegenen Kreativfeld wurden nun die Baufelder im Erbbaurecht für 80 Jahre vergeben und bauvorbereitende Maßnahmen durchgeführt. Enststehen sollen dort außer einer Grundschule auch Wohn- und Gewerbebauten. Geplant sind rund 385 Wohneinheiten. Die Hälfte der Fläche des Kreativfelds sind der städtischen Wohnungsgesellschaft GEWOFAG zugeteilt. Auch die restlichen Baufelder sollen nicht durch den klassischen freifinanzierten Wohnungsbau, sondern als Mietwohnungen vor allem durch Wohnungsgenossenschaften und in alternativen Eigentumsformen errichtet werden.

 

Die 1908 gegründete Postbaugenossenschaft München soll 27 Wohneinheiten und die erst 2019 gegründete Genossenschaft Wabe Zwo 28 bis 30 Wohneinheiten bauen. Die neuen Wohnungen der Postbaugenossenschaft sind bereits über eine Warteliste ihrer Mitglieder belegt. Für neue Genossenschaftsmitglieder der Wabe Zwo besteht aber noch die Chance, Mietwohnungen nach den Förderkriterien der Stadt München zu erhalten. Das große kleine Haus – eine von Architekten von Bogevischs Buero in München und Teleinternetcafe in Berlin neu gegründete Genossenschaft – soll weitere 25 Wohneinheiten errichten, die aber bereits alle vergeben sind. 50 weitere Wohneinheiten werden von dem Miethäuser-Syndikat Lebe Deinen (T)Raum erbaut. Der einzige private Projektentwickler im Kreativfeld ist Euroboden. Das sonst im Luxussegment tätige Unternehmen von Stefan Höglmaier will mit dem Architekten Florian Nagler Mietwohnungen für nur 9,99 Euro pro Quadratmeter anbieten.

Labor für Künstler und Kreative

In dem südlich angrenzenden Bereich Kreativlabor am Leonrodplatz wird ein urbaner Nutzungsmix aus Kultur, Kreativwirtschaft, Wohnen, Soziales, Gewerbe und Einzelhandel in alten und neuen Gebäuden angestrebt.

 

Entstehen sollen zunächst 79 Wohnungen – für weitere gibt es Potenzial – ein Haus für Kinder und zur Versorgung ein Einzelhandelsgeschäft. Bis dahin dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern. Zwischenzeitlich werden die Bestandsbauten sowie Container-Ateliers und das aus Spundwänden Ende 2021 fertiggestellte Theater Schwere Reiter von Künstlern und Kreativen genutzt.

 

Industriehallen und Gründerzentrum von Deutschland reichster Frau

Südöstlich davon ist der Kreativpark, der zentrale öffentliche Raum des Quartiers, der die Heßstraße mit der Dachauer Straße verbinden soll. Hier befinden sich die denkmalgeschützten, vom Baudirektor Ernst Henle erbauten Jutier- und Tonnenhalle, die nach dem Umbau durch Bez + Kock Architekten künftig kulturell und kreativwirtschaftlich genutzt werden sollen. An der Tonnenhalle liegt auch das vor einem Jahr eröffnete, 11.000 Quadratmeter große Gründer- und Innovationszentrum Munich Urban Colab (Bild links) Das Gebäude wurde von Steidle Architekten im Loftstil entworfen. Das Gründerzentrum ist eine Initiative der Stadt München und der UnternehmerTUM, das von der reichsten deutschen Frau, Susanne Klatten (BMW, Altana, Nordex), mit 30 Millionen Euro finanziert wurde.

In der weiter südlich gelegenen Kreativplattform an der Hochschule München sollen in einer Blockrandbebauung 340 Wohnungen sowie Geschäfte, Büros, eine Kita und ein Neubau der Hochschule entstehen. Details und der Baubeginn stehen noch nicht fest.

Andere Neubauprojekte um das Kreativquartier herum sind weiter fortgeschritten. Die Stadibau hat den Rohbau der Beamten-City an der Schwere-Reiter-Straße mit 611 Mietwohnungen für Staatsbedienstete nahezu fertiggestellt, auch im Neubau Van B von Bauwerk mit 142 Apartments an der Infanteriestraße wurde der Innenausbau gestartet. Die künftigen Bewohner des Kreativquartiers werden sich mit dem Einzug noch länger gedulden müssen.

Das Viertel in Zahlen

Das Kreativquartier befindet sich nordöstlich der Dachauer Straße vorwiegend im Bezirksteil Alte Kaserne des Münchener Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. Der nordöstliche Teilbereich – das Kreativfeld - befindet sich entlang der Schwere-Reiter-Straße und der Infanteriestraße im Bezirksteil Schwere-Reiter-Straße des Münchner Stadtbezirks Schwabing-West. Das Kreativquartier grenzt im Nordwesten an das Viertel Oberwiesenfeld.

Einwohner: Das Viertel Alte Kaserne, in dem das Kreativquartier liegt, zählt zu den am dichtesten besiedelten Wohngegenden Münchens. Hier gibt es viele Single-Haushalte, auch ist der Ausländeranteil relativ hoch.

Infrastruktur: Entlang der Dachauer Straße verkehren die Tram-Linien 20 und 21, entlang der Schwere-Reiter-Straße die Tramlinien 53 und 59. Einzelhandel befindet sich am Leonrodplatz. Freizeitmöglichkeiten bieten die Kultureinrichtungen im Kreativquartier (z.B. Ateliers, Kunstzentrum Mucca, Schwere-Reiter-Theater) und der angrenzende Olympiapark.

Immobilien: Bislang werden im Kreativquartier noch keine Wohnungen angeboten.