Land in Sonne

Im nördlichen Teil des Münchner Stadtbezirk Sendling-Westpark gibt es mit dem Westpark und vielen Kleingärten ein großer Grünbereich. Die Nachfrage nach Wohnungen ist daher groß. Aktuell entstehen in dem Viertel einige große Wohnanlagen.

 

Der nördliche Teil des Stadtbezirks Sendling-Westpark heißt Land in Sonne und wurde nach der 1929 gegründete Kleingartenanlage  benannt. Hier hegen und pflegen in 681 Parzellen die „Laubenpieper“ auf durchschnittlich 300 Quadratmeter Schrebergarten Obst, Gemüse oder Zierpflanzen oder nutzen ihr grünes Reich einfach zum Entspannen.

Begrenzt wird die dreieckige Fläche des Land in Sonne im Nordwesten von der Westendstraße, im Süden von der Bundesautobahn A 96 und dem Westparks, sowie im Osten von Gleisanlagen.

Auch nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Holzkirchen 1857 befanden sich hier fast nur unbebaute Felder. 1874 errichtete der Architekt Josef Wolf an einem Feldweg (heute: Hansastraße 44) im Biedermeier-Stil die Villa Flora (siehe Bild links). 1890 wurde sie in eine Gaststätte umgewandelt und 1900 von der Wirtsfamilie Hagmaier durch eine Kegelbahn und einen Biergarten erweitert. Nachdem 1934 die SA dort den Treffpunkt für SPD-Veranstaltungen gewaltsam beendete und die Stadt München 1937 den Gastwirt enteignete, verfiel das Gebäude. Erst seit der Sanierung 1997 wird die Villa Flora wieder als Gasthaus genutzt.

 

An der Bahnlinie siedelte sich auch Industrie an. So ließ sich das Eisen- und Kohlenhandelsunternehmen Gebrüder Röchling 1909 von den Gebrüdern Rank ein imposantes Verwaltungsgebäude im Jugendstil (links) errichten. 1968 wurde das Areal an die Pharmafirma Sander verkauft, die es 2005 an den ADAC weiterveräußerte. Heute befindet sich in der Sander-Villa die Bibliothek des Automobilclubs. Gegenüber der 2012 eröffneten, von Sauerbruch Hutton geplanten 93 Meter hohen ADAC-Verwaltungszentrale wirkt die Villa heute bescheiden.  

 

Das Reich des Leonhard Moll.

Weiter östlich entstand 1924 als symmetrische Anlage aus Pavillon- und Flügelbauten 1924 das Betriebsgebäude der Bauunternehmung Leonhard Moll (Hansastraße 39, 41), in dem heute das Jugend- und Kulturzentrum Feierwerk untergebracht ist (siehe Foto links unten).

Der in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Tagelöhners in Franken geborene Leonhard Moll hatte nach einer Maurerlehre und Angestelltentätigkeit bei der Stadt München mit 24 Jahren ein Baugeschäft gegründet.

 

Mit Erfindungsreichtum und Unternehmergeist schuf er eines der größten deutschen Bauunternehmen, das Wohnanlagen, Schiffahrtswege und die ersten geteerten Straßen Deutschlands baute. Während der NS-Zeit errichtete Moll allerdings auch zahlreiche Prestige- (Haus der Kunst, Führerbau) und Rüstungsbauten (Westwall, U-Boot-Bunker, Rüstungsfabriken) für das NS-Regime, wodurch zahlreiche Zwangsarbeiter ums Leben kamen. Erst viel später nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges leisteten das Unternehmen und die Enkel von Leonhard Moll Entschädigungszahlungen.

 

Aus einer Brache wird das grüne Tal des Westparks

Auch die Entwicklung des Viertels prägte das Unternehmen. So erstreckte sich der Bauhof von Leonhard Moll zudem südwestlich von dem heute noch erhaltenen Betriebsgebäude.

Anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung IGA 1983 entstand auf Teilen des Moll-Areals und der angrenzenden Brache der 69 Hektar große Westpark. Dort befand sich zuvor nur der für die Olympischen Sommerspiele 1974 erbaute Rundbau Rudi-Sedlmayer-Halle, die seit 2011 unter dem Namen Audi Dome (siehe Bild links) als Spielstätte des Basketballvereins des FC Bayern München genutzt wird.

Der Park geht auf einen Entwurf des Landschaftsarchitekten Peter Kluska zurück, dessen Konzept eines Talraums mit dem Charakter einer Voralpenlandschaft im Wettbewerb 1977 den ersten Preis erhielt. Indem Kluska durch Hügel den Lärm der nördlich gelegenen Lindauer Autobahn abschirmte und durch eine Brücke über den Mittleren Ring den West- und Ostteil der Parklandschaft miteinander verband, konnte er das schwierige Gelände zu einer grünen Oase mit zwei künstlich angelegten Seen (Westsee, Mollsee – siehe großes Bild oben) gestalten. Die auf der westlichen Seite der Hansastraße gelegenen Moll-Hallen, die während der IGA 1983 als Ausstellungsflächen dienten, wurden nach der Gartenbauausstellung abgerissen und durch die Wohnanlage Hansapark ersetzt.

 

Bauprojekte rund um den Westpark

Aktuell entstehen im Viertel weitere große Wohnanlagen. So entwickelt die Isaria Wohnbau nach Plänen von Meili, Peter Architekten zwischen Tübinger Straße und Hansastraße ein Quartier mit Mehrfamilien- und Stadthäusern. Der erste Bauabschnitt wurde bereits fertiggestellt, wobei 71 Wohneinheiten an die Bayern Heim verkauft wurden, die diese vermietet. Der noch im Bau befindliche zweite Bauabschnitt wurde an einen Fonds der Patrizia verkauft.

Im Osten des Viertels will die Wowobau bis Ende 2021 zudem das Wohnensemble „ein8eins Life.Style.Sendling“ mit 107 Eigentumswohnungen fertigstellen. Angeboten werden die Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen zu Preisen von 254.000 Euro bis 1,4 Millionen Euro (Quadratmeterpreis: um 10.000 Euro). Unweit davon sollen bis März 2022 in der Ortlerstraße 11 weitere 43 Eigentumswohnungen des Westpark Quartier entstehen, die von Primo zu Preisen von 428.000 Euro bis 1,428 Millionen Euro angeboten werden. Günstiger ist da die Pacht für eine Parzelle im Kleingartenverein Land in Sonne, die im Durchschnitt etwa 350 Euro jährlich beträgt. Hinzu kommt  eine Ablösezahlung für die Laube des Vorpächters. Als Hauptwohnsitz sind die Lauben allerdings kaum geeignet.

 

Das Viertel in Zahlen

Land in Sonne ist der nördlichste Bezirksteil des Münchner Stadtbezirks Sendling-Westpark. Die Gleisanlagen begrenzen das Viertel im Nordosten vom gegenüberliegenden Westend und im Osten von Untersendling. Die südliche Grenze bildet gegenüber Mittersendling der Südteil des Westparks und die (Lindauer) Bundesautobahn A 96 gegenüber dem Waldfriedhofsviertel. Die nordwestliche Grenze markiert gegenüber Friedenheim die Westendstraße.

Einwohner: Der Altersdurchschnitt der Viertelbewohner liegt unter dem der Stadt, der Ausländeranteil und der Anteil der Familien mit Kindern darüber.

Infrastruktur: Das Viertel ist am nordöstlichen Rand  am Bahnhof Heimeranplatz an die S-Bahnlinie S7 und U-Bahnlinie U4, an der Westendstraße an die U4 und am Bahnhof Westpark an die U6 angebunden. Im Süden der Hansastraße befindet sich Einzelhandel (z. B. Rewe) Freizeitmöglichkeiten bietet der Westpark und das Jugendzentrum Feierwerk.

Immobilien: Aufgrund der Neubautätigkeit werden etliche Eigentumswohnungen zu überdurchschnittlich hohen Preisen angeboten. 

Text und Fotografien: Ulrich Lohrer, Stand: 7.7.2020