Langwied: Eine verkehrsgünstige Lage

Bereits zu Zeiten der Römer war Langwied westlich der Würm mit Wegen gut erschlossen. Heute gibt es Autobahn- und S-Bahn-Anschluss in der Nähe des im Bau befindlichen Wohnquartier am Osteranger.

 

Als Leonhard Heig, Knecht der Heitmeierschen Bahnhofswirtschaft, an einem Novembertag 1908 den Acker bei Langwied umpflügte, stieß er auf einen zerbrochenen Topf.  Als er ihn herauszog, fielen Münzen heraus. Heig hatte einen Schatz mit 1700 versilberten Kupfermünzen aus der Römerzeit entdeckt
 
Die zwischen 260 und 310 n. Chr. geprägte Münzen wurden nach Einschätzung von Archäologen wohl hastig vergraben, ohne dass die Besitzer Zeit fanden, das Versteck nochmal aufzusuchen. Die Fundstelle bei Langwied ist heute nicht mehr mit einwandfreier Sicherheit festzustellen. Vermutlich ist sie durch Kiesaushub gänzlich verschwunden und liegt wahrscheinlich in der Mitte zwischen Menzing und Lochhausen. Der Großteil des Fundes mit 1675 Münzen befindet sich heute in der Staatlichen Münzsammlung in München.
 
Entlang der Lochhausener Straße südlich von Langwied wurde auch ein Grabhügel entdeckt, der Funde aus der mittleren römischen Kaiserzeit enthielt. Archäologische Ausgrabungen vor sechs Jahren im heutigen Neubaugebiet Freiham sowie Reste zweier römischer Bauernhäuser (Villa Rustica) in Aubing bestätigen eine römische Besiedlung der Gegend.
 
Das Gebiet lag verkehrsgünstig an einer römischen Nebenstraße der Via Claudia, die westlich der Würm zum Gebiet der heutigen Stadt Dachau führte, wo sie die Salzstraße von Salzburg nach Augsburg kreuzte. Zudem war die ebene Gegend leicht zu bewirtschaften, die Bauern hatte einen relativ leichten Zugang zu Wasser, nur drei bis vier Meter musste man für einen Brunnen in die Tiefe graben.
 
Dörfliche Atmosphäre
 
Langwied wurde erstmals 1269/1271 als Lanquat erwähnt. Der Name kann je nach Interpretation „langer Wald“ oder „waten durch eine Furt“ bedeuten. Gemeint ist dabei wahrscheinlich der Langwieder Bach. Das im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts zweimal weitgehend zerstörte Dorf besitzt noch heute etliche Gebäude aus dem späteren 18. und dem 19. Jahrhundert. Die Anwesen aus dieser Zeit konzentrieren sich mit den Bauernhäusern in der Berglwiesenstraße (Bild oben links) und im Stocket (großes Bild oben) sowie mit dem Landgasthof Langwied (Bild links) am Waidachanger und der Kunstmühle an der Langwieder Hauptstraße. 
 
Die Gemeinde Langwied wurde 1942 in die Großstadt München eingemeindet und ist heute Teil des Stadtbezirks Aubing – Lochhausen – Langwied. Die Siedlung vermittelt mit ihrer lockeren Gruppierung entlang den gewundenen Straßen und dem das Ensembles durchfließenden Langwieder Bachs den Eindruck eines ländlichen Dorfs. 1995 wurde das umgebende großflächige Kalkmagerrasengebiet Langwieder Haide per Stadtratsbeschluss geschützt. Die Langwieder Heide zählt dank ihrer besonderen Fauna und Flora zu den wertvollsten Magerrasenflächen in München.
 
 
Ländliche Enklave im Westen der Großstadt
 
Nördlich von Langwied befindet sich der Gutshof Müllerstadel, der sich zeitweilig im Besitz von Arthur Riemerschmied, einem Enkel des Spirituosenfabrikanten und Mäzenaten Anton Riemerschmied, befand. Das ursprünglich für die Landarbeiter des Gutes erbaute Gebäude (Müllerstadelstraße 171) wurde 1907 vom führenden Künstler des Jugendstils, dem Architekten und Designer Richard Riemerschmied, Arthurs Bruder, im Heimatstil umgebaut.
Durch die Autobahnen A8 und A99 nördlich und östlich der Ansiedlung sowie der südlich verlaufenden Gleisanlage der S-Bahnlinie S3 wirkt Langwied wie eine von der Umgebung abgeschnittene Enklave.
 
Auf der südöstlichen Seite – getrennt durch die A99 – liegt der 2016 fertiggestellte große Gebäudekomplex der Paulaner Brauerei. Durch den Kiesaushub für die Autobahn nach Stuttgart (heute A8) entstand in den 1930er-Jahren aber auch der Langwieder See, der zusammen mit dem Ende der 1990er-Jahre geschaffenen Lußsee und Birkensee heute das im Sommer sehr beliebte Naherholungsgebiet Langwieder Seenplatte bildet.
 
Neubauten auf der grünen Wiese
 
Auf einem Feld südlich von Langwied wird westlich der Osterangerstraße und nördlich der Lochhausener Straße auf einem sechs Hektar großen Grundstück gerade ein Neubauquartier gebaut. Es entstehen knapp 450 Wohneinheiten für mehr als 1000 Menschen, öffentliche Grünflächen und eine Kindertagesstätte. Das städteplanerische Konzept stammt von Nuyken von Oefele Architekten und HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten. Projektentwickler des Quartiers am Osteranger mit Mehrfamilien- und Reihenhäusern ist die Büschl Unternehmensgruppe mit Bauwens. Die von der KW AG vermarkteten Ein-Zimmer-Apartments, Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen und Reihenhäuser werden zu Preisen um 9000 Euro pro Quadratmeter angeboten, sofern sie nicht bereits verkauft sind. Bezugstermin für den ersten und zweiten Bauabschnitt ist 2023 beziehungsweise 2024.
 
Das nordwestlich davon gelegene Lochhausen verfügt mit seinem Bahnhof an der S-Bahnlinie 3 über eine gute Anbindung an das Münchner ÖPNV-Netz. Lochhausen hat etwas mehr Einwohner als das dörfliche Langwied. Auch dort entstehen mit den Quartieren Henschelstraße (645 Wohneinheiten für 1300 Einwohner) und Spatzenwinkel (130 Wohneinheiten für 300 Einwohner) zwei große Neubauviertel. Weil sich dadurch die Bevölkerung von Lochhausen-Langwied in den kommenden Jahren verdoppelt, fordern die Bürger nun den Schulausbau und eine neue Sporthalle.
 
 
 
 
Das Viertel in Zahlen
 
Das ehemalige Dorf Langwied ist heute das südöstliche Gebiet von Lochhausen, einem Bezirksteil des westlichsten, 22. Münchner Stadtbezirks Aubing – Lochhausen – Langwied. Im Südwesten von Langwied befindet sich Lochhausen, im Süden Altaubing, im Südosten Obermenzing und im  Nordosten Untermenzing. Nördlich der Langwieder Seenplatte verläuft die Stadtgrenze von München mit den Gemeinden Karlsfeld und Bergkirchen sowie Olching.
 
Einwohner: Der Bezirksteil ist einer der am wenigsten besiedelten Münchens. Hier wohnen vorwiegend Familien mit Kindern.
 
Infrastruktur: Entlang der S-Bahnlinie S3 liegen die S-Bahnhöfe  Lochhausen und Langwied, Letzterer liegt aber bei Aubing und weiter vom Ortskern entfernt als der Bahnhof Lochhausen. Ein Einkaufsmarkt (Lidl) gibt es in Aubing. Freizeitmöglichkeiten bietet die Langwieder Seenplatte (Norden)und die Langwieder Heide.
 
Immobilien: Das Angebot an Mietwohnungen und Bestands-Eigentumswohnungen ist in Lochhausen-Langwied deutlich geringer als im südlichen Altaubing. Groß ist das Angebot an Neubauwohnungen.
 
Literatur: Dennis A. Chevally, Timm Weski: Denkmäler in Bayern - Landeshauptstadt München Südwest, Band 1, Seite 12 (Ensemble Langwied, Seite 313 (Im Stocket); Band 2, Seite 664 (Waidachanger)