Lochhausen: Neue Wohnquartiere auf der grünen Wiese

Der nordwestlich bei Gröbenzell gelegene Münchner Stadtteil weist noch einen sehr ländlichen Charakter auf. Einfamilien- und Reihenhäuser umgeben von Wiesen und Äcker bestimmen das Bild. Doch nun stehen dort drei große Quartiersentwicklungen an.

 

In Lochhausen hat man nicht den Eindruck, sich in einem ein Stadtteil der Großstadt München zu befinden. Das ehemalige Dorf im Nordwesten der bayerischen Landeshauptstadt ist umgeben von Wiesen, Äckern und Wäldern. Die westlich gelegene Nachbargemeinde Gröbenzell vermittelt trotz ihres Gartenstadtcharakters mehr Urbanität als der Münchner Bezirksteil.

Lantperts Häuser an der Lohe 

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Lochhausen bereits im Jahr 950, als Bischof Lantpert von Freising seinen Besitz „Lohusa“ – die Häuser an der Lohe – gegen andere Liegenschaften tauschte. Die dörfliche Besiedlung erlebte auch kaum einen Zuwachs, als sie später an die frühmittelalterliche Salzstraße von Salzburg nach Augsburg angebunden wurde. Die Einwohner wurden abwechselnd Vasallen der Grafen von Dießen-Andechs, Lehensnehmer der Wittelsbacher. Später gingen die Höfe und Grund in das Eigentum verschiedener Klöster, wie das in Polling, Wessobrunn, Fürstenfeld oder dem Augustiner- und Angerkloster in München. Mittelpunkt des Dorfes ist die Pfarrkirche St. Michael, die wohl im 12. Jahrhundert erstmals geweiht wurde und die später durch einen spätgotischen Bau ersetzt wurde. Für die wenigen freystiftigen Bauern erwies sich die Gegend von Lochhausen aufgrund seines fruchtbaren Mergelbodens als ertragreich. 1839 wurde das Dorf eine Haltestelle der neu erbauten Bahnstrecke München-Augsburg und ab Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier aufgrund des lehmhaltigen Bodens die Ziegelindustrie mit drei Ziegeleien an.

Die Bahn trennt und verbindet

Als Lochhausen am 1. April 1942 als Gemeindeteil von Langwied (seit 1818) in München eingemeindet wurde, änderte sich wenig an dem dörflichen Charakter. Während in dem südlich gelegenen Stadtteil Aubing große Wohnblocks entstanden, ist Lochhausen bis heute von Einfamilien- und Reihenhäusern geprägt. Die Wohnbebauung wird dabei durch die Bahnlinie und die relativ stark befahrene Lochhausener Straße in einen nördlichen und einen südlichen Teil getrennt. Im nördlichen Bereich befindet sich der alte Ortskern um St. Michael und dem Pfarrhaus. Architektonisch bemerkenswert ist das 1909 nach Plänen des Bezirksamt-Ingenieurs Adolf Fraas im Heimatstil errichtete Lehrerwohnhaus in der Schussenrieder Straße 3a. Es wurde vor Kurzem aufwendig saniert und mit dem Fassadenpreis 2017 der Landeshauptstadt München ausgezeichnet.

Geplante Neubauten auf der grünen Wiese

Wird sich das dörfliche Bild ändern? Denn im 6784-Einwohner-Stadtteil sind gleich drei Siedlungen für rund 2000 Bewohner geplant: Von Westen nach Osten sind dies die Quartiere Spatzenwinkel, Henschelstraße und Osteranger.

Mit dem Quartier am Spatzenwinkel (Bild links) soll südlich der Lochhausener Straße, auf einer Wiese zwischen der Mettnauer Straße im Osten und der Pirolstraße im Westen die bestehende Wohnbebauung arrondiert werden. Insgesamt sind rund 130 Wohneinheiten für etwa 300 Menschen geplant. 40 Wohnungen sollen als geförderter Wohnungsbau errichtet werden. Zudem sollen im Westen entlang der Pirolstraße öffentliche Grünflächen entstehen. Eine Kindertageseinrichtung an der südlichen Grenze am Spatzenwinkel befindet sich bereits im Bau.

Im Henschelstraßen-Quartier wird es Einzelhandel geben

Zentraler liegt das Quartier Henschelstraße, wo 460 Wohnungen entstehen sollen. Vorgesehen ist auf dem rund sechs Hektar großen Gelände (Bild links unten) südlich des Kleiberwegs, südwestlich der Henschelstraße und nordwestlich der Federseestraße die Errichtung eines Wohnquartiers nach dem städteplanerischen Entwurf des Büros Deffner Voitländer Architekten, Dachau, mit Schegk Landschaftsarchitekten, Haimhausen.

Es sieht im Südwesten des Quartiers Freiflächen sowie zwei Kindertagesstätten vor. Außerdem wird mit dem Bebauungsplan die Grundlage für eine kleine Gastronomie, einen Nachbarschaftstreff und vor allem eine Nahversorgungseinrichtung geschaffen. Denn bislang verfügt Lochhausen über keinen einzigen Supermarkt, weshalb die Einwohner zum Einkaufen ins benachbarte Gröbenzell fahren müssen. Außer dem geplanten Vollsortimenter im Quartier Henschelstraße soll nach dem Strukturkonzept der Stadt aber noch ein weiterer Laden als Pendant auf der nördlichen Seite der Lochhausener Straße entstehen.

Wohnen am Osteranger

Im Osten am Osteranger (großes Bild oben) will die Büschl Unternehmensgruppe/Park Immobilien Projekt Lochhausen 400 Wohneinheiten errichten. Auf Grundlage des Entwurfs des ersten Preisträgers Nuyken von Oefele (NVO) Architekten, München, mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten, München wurde der Bebauungsplanentwurf erstellt. Der Plan sieht den Bau von Geschosswohnungsbauten vor, wovon rund 30 Prozent der Wohnungen als geförderter Wohnungsbau errichtet werden sollen.

Zudem sollen eine Kindertageseinrichtung sowie im Westen des Quartiers öffentliche Grünflächen entstehen. Die Stadt hat den Lochhausenern zudem eine zweite Grundschule sowie eine Mehrzweckhalle in Aussicht gestellt.

Aktuell entstehen darüber hinaus an mehreren Stellen kleinere Wohnprojekte. Lochhausen dürfte mit den Infrastrukturmaßnahmen an Attraktivität gewinnen, zumal die Gegend mit dem Langwieder See und dem Lußsee im Norden sowie dem Böhmer Weiher im Waldgebiet Aubinger Lohe direkt in Lochhausen über einen hohen Freizeitwert und über die S-Bahn eine gute Anbindung ins Stadtzentrum verfügt.

Das Viertel in Zahlen

Lochhausen ist der nordwestliche Bezirksteil des westlichen 22. Münchner Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied. Im Osten grenzt Lochhausen an Allach, eines Teils des 23. Stadtbezirks Allach-Untermenzing; und im Südosten an Obermenzing des Stadtbezirks Pasing-Obermenzing.

Südlich der Bahnlinie und der Aubinger Lohe liegt der Nachbarbezirksteil Altaubing, ebenfalls Teil des 22. Stadtbezirks. Westlich der Münchner Stadtgrenze liegen gegenüber dem Stadtteil Lochhausen die Gemeinden Gröbenzell und Olching des Landkreis Fürstenfeldbruck und im Norden gegenüber der Münchner Stadtgrenze die Gemeinden Bergkirchen sowie Karlsfeld des Landkreis Dachau.    

Einwohner: Lochhausen ist durch ein niedriges Durchschnittsalter, geringem Ausländeranteil und einem hohen Anteil mit Familien mit Kindern unter sechs Jahren gekennzeichnet. 

Infrastruktur: Lochhausen verfügt über eine eigene S-Bahn-Haltestelle (Linie S3) sowie einen Anschluss an die Bundesautobahnen A8 und A99. Es gibt allerdings nur kleinere Läden und eine Grundschule vor Ort.

Immobilien: Aktuell werden mehrere Immobilien, vorwiegend Häuser, darunter einige im Neubau, zum Kauf angeboten. Die Preise für neue Doppelhaushälften liegen etwa bei 750.000 bis 1.230.000 Euro.