Markt Schwaben: Wachstumsgemeinde mit Geschichte

Der Landkreis Ebersberg weist einen hohen Zuzug auf. Beliebt ist vor allem Markt Schwaben, das mit seinem altem Ortskern und dem Schwabener Schloss Attraktionen zu bieten hat. 

 

Markt Schwaben zählt neben dem benachbarten Poing zu den Gemeinden mit dem höchsten Bevölkerungswachstum im Münchner Umland. In den vergangenen 30 Jahren wies der Markt mehr als eine Verdoppelung seiner Einwohnerzahl auf knapp 14.000 Einwohner auf.

Seit der Fertigstellung des großen Wohngebiets am Bürgerfeld nördlich des Ortszentrums hat sich der Zuwachs in den vergangenen fünf Jahren etwas abgeflacht. Die Gemeinde beschäftigt nun vor allem die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur für die neuen Bürger. Dazu zählt vor allem die Errichtung des auf 71 Millionen Euro veranschlagten Schulzentrums mit Grund- und Mittelschule nach Plänen von Puppendahlarchitektur, Offen, und Michellerundschalk, München, die das verschuldete Markt Schwaben nur Dank hoher Zuschüsse vom Freistaat und dem Landkreis Ebersberg stemmen kann.

Mit dem S-Bahn-Anschluss und einer eigenen Anbindung an die Bundesautobahn A94 München – Passau ist das rund 30 Kilometer östlich von der Landeshauptstadt gelegene Markt Schwaben verkehrsgünstig erschlossen. Auch der rund 30 Kilometer nördlich gelegene Flughafen München und das 14 Kilometer entfernte Erding sind durch die Flughafentangente Ost (FTO), einer kreuzungsfreien Staatsstraße, sehr schnell zu erreichen.

Schwabener Barock.

Obwohl Markt Schwaben mit den nördlich und nordöstlich des Bahnhofs gelegenen Mehrgeschossbauten an der Von-Kobell-Straße und am Dr.-Hartlaub-Ring auch über zwei in den 1960er-Jahren entstandenen Hochhaussiedlungen verfügt, ist der im frühen Mittelalter von Siedlern aus Schwaben gegründete Ort im Zentrum durch alte Gebäude ab der Barockzeit geprägt. Dazu gehört – als ältestes Gebäude der Gemeinde – der 1607 erbaute Gasthof Unterbräu, die 1671 bis 1681 vom Miesbacher Baumeister Jörg Zwerger errichtete Pfarrkirche St. Margaret (siehe großes Bild oben: links Unterbräu, rechts St. Margaret) sowie das rund 80 Jahre später errichtete spätbarocke Pfarrhaus (Zinngießergasse 37, Bild links).

Schwabener Schloss als Abglanz der Münchner Residenz

Bekanntestes Bauwerk ist das ab 1650 auf Geheiß von Kurfürst Maximilian begonnene und durch seine Witwe Maria Anna 1659 vollendete Schloss Schwaben (Bild oben links). Es wurde anstelle des von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerbaus als „Abglanz der Münchner Residenz“ errichtet.

 

Es diente den Wittelsbacher Kurfürsten als Ausgangspunkt für ihre Jagdausflüge im Ebersberger Forst. „Die Aufenthalte in Schwaben mit und ohne Familie und auch Gäste waren ausgefüllt mit Schwanenschießen, Fuchsjagd, Schweinshatz, Wildbretjagden und auch Fischen“, heißt es in der Ortsgeschichte. Zu den prominenten Gästen zählte auch der österreichische Kaiser Leopold I., der auf dem Weg von Wien nach München im Schwabener Schloss logierte. Das Schloss diente aber auch als Verwaltungs- und Gerichtssitz, war doch Schwaben bereits 1340 durch Herzog Rudolf das Marktrecht mit Markt- und Dorfgerichtsbarkeit verliehen worden. Dies führte zu einer ersten Blütezeit des Gewerbes wie den Weißgerbern, Schmieden und Bierbrauern und einem Wohlstand im Ort. So ließ 1721 der Bierbrauer Gerstlacher die Barockkapelle Maria-Hilf errichten, die vor Kurzem renoviert wurde. Mit der Zeit verloren die Wittelsbacher das Interesse an ihrem Jagdschloss. 1778 sandte der Pflegebeamte des Schlosses, Gabriel Widder, einen Hilfruf an den Kurfürsten, da die ehemalige schöne Vierflügelanlage verfalle und dem Einsturz preisgegeben sei. 1812 wurde das im desolaten Zustand befindliche Schloss an einen privaten Erwerber verkauft, der den Ost- und Nordflügel mitsamt St.-Magdalenen-Kapelle und Brückenhaus abbrechen ließ und die Ziegelsteine verkaufte. 1967 wurde das Schloss von der Gemeinde gekauft und auch der Westflügel abgerissen.

Dank der Initiative des Markt Schwabener Bürger Benno Staffinger wurde aber der Südflügel gerettet und dient mit einem 1969 errichteten modernen Anbau nun als Rathaus und Gemeindebücherei.

Ein großer Brand im Jahr 1749, dem 33 Häuser am Marktplatz zum Opfer fielen, sowie die Verlagerung der Gerichtsbarkeit nach Ebersberg traf Schwaben erheblich. Erst mit dem Bau der Eisenbahn München – Simbach 1871 und dem Ausbau des Gleiskörpers nach Erding 1872 sowie dem Bau des Posthaus (1895) für die umliegenden Gemeinden setzte für den Ort eine neue Aufschwungphase ein. Während um 1900 noch 1442 Einwohner zu zählen waren, sind es 1939 bereits 2598. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden schmucke Villen, wie die Schwaiger-Villa (1910, heute Heimatmuseum), die Haydn-Villa (1912, Bild links oben) sowie das Waxhaus und das Wohnhaus in der Seilergasse 2 (jeweils Anfang 20. Jahrhundert).

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten durch die Ansiedlung von Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten und nach dem Bau der S-Bahn sowie der Autobahn weitere Zuwanderungswellen ein. Mit der Erschließung des Burgerfelds im Nordwesten wurde in den 1990er-Jahren der Grundstein für einen neuen Ortsteil inklusive Erweiterung des Gewerbegebiets gelegt. Aktuell entstehen dort in der Nähe noch vereinzelt Wohngebäude in der Carl-Orff-Weg und im Nordosten der Gemeinde am Goethering.

Angeboten werden aktuell aber keine Neubauobjekte. Die Preise für Eigentumswohnungen und die Mieten von Bestandsobjekten sind nach den starken Anstiegen der vergangenen Jahre für den Landkreis Ebersberg recht hoch.

Die Gemeinde in Zahlen

Markt Schwaben liegt nördlich des Ebersberger Forstes in der Münchner Schotterebene. Seit 1922 trägt die Gemeinde Schwaben den Namen Markt im Ortsnamen und ist heute die nördlichste Gemeinde im Landkreis Ebersberg. Die Gemeinde grenzt nach Westen an Pliening, an Südwesten an Poing und im Süden an Anzing und an Forstinning – alles ebenfalls Gemeinden des Landkreis Ebersberg. Im Norden grenzt Markt Schwaben an Ottenhofen und Pastetten, beides Gemeinden des Landkreis Erding.

Einwohner: Markt Schwaben zeichnet sich durch ein niedriges Durchschnittsalter und einen hohen Anteil junger Familien aus.   

Infrastruktur: Die Gemeinde verfügt über den Bahnhof über eine gute Anbindung an S-Bahn und Regionalzüge. Zudem ist Markt Schwaben direkt an die Bundesautobahn A 94 und an die Flughafentangente angebunden. Vielfältige Einkaufsmöglichkeiten bietet der Ortskern rund um den Marktplatz. Freizeitmöglichkeiten offerieren die im Süden des Ortes gelegenen Sportanlagen beim Schwabener Kirchweiher.

Immobilien: In den vergangenen fünf Jahren sind die Immobilienpreise in Markt Schwaben stärker als in München gestiegen. 

Ulrich Lohrer, Stand 8.06.2021