Rund um das Maximilianeum

In dem kulturhistorisch bedeutsamen Viertel, wo die Landtagsabgeordneten arbeiten, lässt es sich an der Isar und bei der Maximiliananlage gut wohnen. Doch nur wenige können es sich leisten.

 

Mit einer 150 Meter langen Schaufassade im Renaissancestil thront das Maximilianeum auf dem Isarhochufer und bildet den Abschluss und Blickpunkt der noblen Maximilianstraße. Seit 1949 ist das Gebäude Sitz des Bayerischen Landtags – etwas abgehoben von der Isarmetropole.

Nach dem Maximilianeum ist auch der kleine, westliche Bezirksteil des Stadtbezirks Au-Haidhausen benannt, der sich östlich der Isar vom Friedensengel bis zur Ludwigsbrücke an der Museumsinsel erstreckt. Das noble Viertel an den von Karl von Effner entworfenen Maximiliansanlagen gilt als begehrte Adresse für Privatbanken, Rechtsanwälte und Ärzte. Und knapp 1400 Menschen, die es sich leisten können, haben hier ihren Hauptwohnsitz.

Ursprünglich war Haidhausen ein eigenständiges Dorf, in dem Anfang des 19. Jahrhunderts Tagelöhner ohne Münchner Bürgerrecht in einfachen Herbergen wie an der Kreppe am heutigen Wiener Platz wohnten und sich am Gasteig die Bierkeller der Großbrauereien befanden.

Der Bau der Maximilianstraße, mit der König Max II nach der Ludwigstraße seines Vaters nicht nur eine eigene Prachtstraße sondern auch einen eigenen Baustil erschaffen wollte, stellt auch den Wandel des 1854 in München eingemeindeten Haidhausen dar.

 

Am 6. Oktober 1857 wurde der Grundstein für den großen Nationalbau als Unterrichtsstätte nach dem Vorbild des römischen Athenäums „Zur „Hebung des monarchischen nationalen Volksgeistes“ gelegt. Der Architekt Friedrich Bürklein (1813 – 1872), der mit vertikal ausgerichteten Bauten mit Terrakottaverkleidung an der Maximilianstraße bereits den neuen Stil geprägt hatte, sollte das Maximilianeum entwerfen. Aufgrund statischer Probleme durch die Lage des Baus am Isarhochufer wurde die Fassade des Maximilianeums jedoch unter dem Einfluss Gottfried Sempers mit Rundbögen, Säulen, Mosaiken und büstengefüllten Nischen im Stil der Renaissance gestaltet. Die endgültige Fertigstellung im Jahr 1874 erlebte der zehn Jahre zuvor verstorbene König nicht mehr. Untergebracht wurde jedoch nach seinem  Wünschen, die von ihm gestiftete Anstalt Maximilianeum, um „talentvolle bayerische Jünglinge jeglichen Standes die für höhere Aufgaben des Staatsdienstes notwendige wissenschaftliche Ausbildung zu erleichtern“. Zu den Stipendianten zählten unter anderem die bayerischen Ministerpräsidenten Eugen Ritter von Knilling und Franz Josef Strauß, der Physiker Werner Heisenberg und der Schriftsteller Carl Amery.

 

Heute besteht für die Stipendiaten keine Verpflichtung mehr, in den Staatsdienst einzutreten. Seit 1980 können sich auch Mädchen um das Stipendiat bewerben. Von den etwa 400 Abiturienten mit einem Notendurchschnitt von 1,0 werden jedes Jahr nur etwa sechs bis neun Kandidaten nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren aufgenommen.

Den größten Platz nimmt heute aber nicht mehr die Logis der Stipendiaten in dem unter anderem durch die Architektenbüros Volker Staab, Jürgen Pleuser und Léon-Wohlhage Wernik erweiterten Gebäudekomplex ein, sondern die Sitzungssäle, Büros und Verwaltungseinheiten des Bayerischen Landtags.

 

Viertel der Reichen und Künstler

Im Umfeld des Maximilianeums entstanden noble Häuser des gehobenen Bürgertums. So lässt sich der erfolgreiche Genremaler Eduard Grützner 1883 von dem Architekten Leonhard Romeis am Praterbergerl eine Villa (oberstes Bild links) mit Türmchen, Loggien und eigener Hauskapelle errichten, in der Prominente wie die Komponisten Franz Lehar und Johann Strauß, der Maler Carl Spitzweg und Kronprinz Rupprecht verkehrten.

 

Noch bekannter ist  der Malerfürst Franz von Stuck, der mit seiner von ihm selbst entworfenen pompösen Villa Stuck an der Prinzregentenstraße / Ecke Ismaninger Straße 1898 ein Gesamtkunstwerk schuf, das heute als Museum Besucher anzieht. Als begehrte Adresse unter Betuchten und Prominenten entwickelte sich die sich ins heutige Viertel Altbogenhausen erstreckende Maria-Theresie-Straße, wo unter anderem die Industriemagnanten Rudolf Diesel (Hausnummer: 32) und Hugo von Maffei, Künstler wie der Bildhauer Adolf von Hildebrandt (heute Literaturarchiv Monacensia) oder der Erfinder Wilhelm Conrad Röntgen (11; zweitoberstes Bild links) wohnten.

Mit dem Bau des Müllerschen Volksbads (1897 – 1901) durch Carl Hocheder entstand im Viertel ein weiteres bedeutendes Bauwerk des Jugendstils, das mit dem – ebenfalls von Hoheneder entworfenen – Turbinenwerk Maxwerk an der Muffathalle auch ein wichtiges Infrastrukturbauwerk darstellte.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden entlang der Inneren Wiener Straße, zum Teil auch an der Ismaninger Straße und vereinzelt an der Maria-Theresia-Straße mehrgeschossige Mietshäuser. Ende der 1990er-Jahre entstand entlang der Inneren Wiener Straße die Wohnanlage Max II nach Plänen von Ruf & Partner. Heute ist der Bezirksteil mit dem Hofbräukeller am Wiener Platz, diversen Cafés und Restaurants auch ein beliebtes Ausgehviertel. Der Luxusmakler Rolf Rossius zählt das Viertel in Richtung Bogenhausen laut seinem Buch „Top Wohnen in München“ weiterhin zu den besten Adressen in München. „Die Maria Theresia Straße wird auch in zehn, 20 Jahren alle andere Lagen in München überragen“ so Rossius.

Die Mietpreise liegen dort etwa zwischen 25 bis 38 Euro pro Quadratmeter.

Aktuell errichtet die HWN Group in der Maria-Theresia-Straße 4 einen Neubau (Maison No 4) nach Plänen von Landau + Kindelbacher mit sieben Wohneinheiten und Wohnflächen mit bis zu 700 Quadratmetern. Angaben zu den Preisen werden auf der Internetseite zum Projekt nicht gemacht. Aber es dürfte im Spitzensegment der Stadt liegen.

Das Viertel in Zahlen

 

Das Viertel Maximilianeum ist heute der nordwestlichste Bezirksteil des Münchner Stadtbezirks Au-Haidhausen. Es wird im Westen von der Siegessäule bis zur Ludwigsbrücke von der Isar von dem gegenüberliegenden Stadtviertel Lehel getrennt. Im Norden trennt die Prinzregentenstraße das Viertel von Altbogenhausen. Im Osten, gegenüber der Ismaninger Straße, befindet sich das Nachbarviertel Steinhausen und gegenüber der Inneren Wiener Straße Haidhausen-Nord und Haidhausen-Süd.  Im Süden liegen die Untere Au und die Museumsinsel des Deutschen Museums.

 

Einwohner: Im Viertel wohnen überdurchschnittlich viele gut verdienende Singles und relativ wenige Familien mit Kindern. 

Infrastruktur: Das Viertel ist über die Tram-Linien 19 und 21 sowie die U-Bahn-Linien U4 und U8 (Haltestelle: Max-Weber-Platz) sehr gut an den ÖPNV angebunden. Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie befinden sich vor allem zwischen Max-Weber-Platz und dem Wiener Platz. Freizeitmöglichkeiten bieten die Maximiliananlagen, das Müllersche Volksbad sowie das nahegelegene Kulturzentrum Gasteig.

Immobilien: Aufgrund des geringen Bestands gibt es im Viertel  ein nur geringes Wohnangebot. Einziger Neubau ist das Maison 4.

 

 

Bild und Text: Ulrich Lohrer, Stand: 14.01.2020