Neubiberger Bauoffensive

Die Universität der Bundeswehr und der Chiphersteller Infineon ziehen in der Gemeinde südlich von München verstärkt neue Einwohner an. Nun stehen in den kommenden Jahren mehrere Bauvorhaben an – darunter auch Wohngebäude.

 

Die südlich an München anschließende 14.000-Einwohner-Gemeinde Neubiberg ist als Sitz der Universität der Bundeswehr und des Halbleiterherstellers Infineon bekannt. Zukunftstechnologien beherrschen den Standort: In der Bundeswehruniversität wird der Studiengang Cybersicherheit eingeführt, bei Infineon mit einem Börsenwert von Milliarden Euro werden Umsätze vor allem mit Hightechchips in Automobilien und energieeffizienter Stromversorgung erwirtschaftet.

Die Infineon-Zentrale Campeon und die Bundeswehr-Universität befinden sich im  Ortsteil Unterbiberg, wo die Gemeinde ihren Ursprung hat und deren Namen sie bis 1975 trug. Dort vermitteln die um die Barockkirche St. Georg gruppierten Bauerhöfe am Hachinger Bach inmitten von Feldern das Bild eines idyllischen abgelegenen Dorfes in Oberbayern.

Grund der Kelten, Römer und der Tegernseer Mönche

Der Name Biberg leitet sich von der „Villa Pipurc“, einer spätkeltischen Viereckschanze aus der Zeit 260 – 50 vor Christus,  ab. Unter dieser Bezeichnung gelangte um 1040 das Gebiet als Schenkung an das Kloster Tegernsee, das bis zur Säkularisierung 1803 Hauptgrundherr Bibergs war. An die jahrhundertelange Verbindung von Biberg zum Kloster Tegernsee erinnert die Figur des heiligen Quirin am Hochaltar der von Philip Jakob Zwerger 1725 geplanten und von Michael Pröbstl 20 Jahre später vollendeten Barockkirche St. Georg (siehe großes Bild oben). Ende des 19. Jahrhunderts errichtete der Bankier Wilhelm Finck in Unterbiberg ein landwirtschaftliches Mustergut (siehe Bild links unten).

 

Die Villenkolonie am Perlacher Forst

Einen deutlichen Bevölkerungszuwachs erlebte Biberg aber erst ab 1900, als sich Siedler von München die Kolonie Neubiberg östlich der alten Rosenheimer Landstraße, der heutigen Carl-Wery-Straße, niederließen. 1911 ließ der Bauunternehmer Matthias Grundler einen Bereich erschließen und bebauen. Der entscheidende Anstoß für eine verstärkte Besiedlung ging vom Bau der Lokalbahnlinie München-Giesing/Aying aus, die 1904 dem Verkehr übergeben wurde und die mit der von Prinzregent Luitpold genehmigten Station Neubiberg einen Haltepunkt vor Ort bekam.

1912 gründeten die Siedler unter Leitung von Paul Grapp die „Freie Interessentenvereinigung Gartenstadt Neubiberg“, die die gemeindliche Entwicklung zugunsten dem Bau eigener Versorgungseinrichtungen, Schule und der Kirche Maria Rosenkranzkönigin (1928) nach Plänen von Franz Xaver Boemmel initierten. 1925 lebten in Neubiberg bereits doppelt so viele Menschen wie in Unterbiberg.

Vom Luftwaffenstützpunkt zur Universität der Bundeswehr

Aufgrund der Aufrüstung in der NS-Zeit wurde auch die kleine Gemeinde von militärischen Bauvorhaben erfasst. Bereits 1933 wurde der Flugplatz zwischen beiden Ortsteilen errichtet, der bis 1945 von der Luftwaffe genutzt wurde. Während der Ortsteil Unterbiberg seinen dörflichen Charakter bewahrte, entwickelte sich das östlich gelegene Neubiberg durch Bevölkerungszuzug und Bautätigkeit langsam zu einer Stadtrandsiedlung, ohne dabei die gartenstädtische Prägung zu verlieren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde „Neubiberg Air Base“ ein Stützpunkt der  United States Air Force, bis die Bundeswehr 1958 den Stützpunkt für den Fliegerhorst Neubiberg übernahm und dorthin ihre Offiziersschule der Luftwaffe verlegte. 1973 wurde hier auf Veranlassung von Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) eine der zwei Bundeswehr-Hochschulen angesiedelt, für die in den Folgejahren zahlreiche Gebäude entstanden.

 

Neubausiedlungen Vivamus und Auf der Heid

In dieser Zeit konnte die Gemeinde durch einen Grundstücksankauf von 487 Hektar südlich der Kyffhäuserstraße  Realschule, Gymnasium, Kindergarten und Kinderhort, ein Haus für Weiterbildung, westlich der Carl-Wery-Straße das Sportzentrum und östlich davon den Umweltgarten realisieren.

Zu Beginn der 1990er-Jahre begann mit der Auflösung des Flugplatzes ein weiterer städteplanerischer Entwicklungsprozess: Ab 1997 entstehen in Unterbiberg die Wohnsiedlung Vivamus-Park sowie zwischen Unterbiberg und Unterhaching ab 2000 die Siedlung Auf der Heid. 2006 wird dann der Bürokomplex Campeon als Firmensitz für Infineon sowie als Standort für Intel eingeweiht. Zur Freizeitgestaltung dient der ab 2001 schrittweise nach Plänen des Ateliers Loidl errichtete Landschaftspark Hachinger Tal auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens.

Aktuelle Bauvorhaben.

Noch ist Platz für Neubauten auf dem sechs Kilometer langen und nur etwa 500 Meter breiten Gemeindegebiet. Ende 2018 hat die Baugesellschaft München-Land die Siedlung Auf der Heid mit einer Wohnanlage aus 21 Zwei-Zimmer-Wohnungen, zehn Drei-Zimmer-Wohnungen und vier Maisonette-Wohnungen mit je vier Zimmern im Ostbereich abgeschlossen. Die Wohnungen werden von der Gemeinde nach einem Punktekatalog für ihre Mitarbeiter und für die Beschäftigten sozialer Einrichtungen für knapp zehn Euro pro Quadratmeter  vermietet. Ziel ist es, mit dem begünstigten Wohnungsangebot leichter dringend benötigte Mitarbeiter zu bekommen. Dafür werden im Rahmen der Neubiberger Wohnungsbauoffensive auch für Bürger mit niedrigem Einkommen weitere Projekte realisiert.

So entsteht in der Pappelstraße eine Wohnanlage der AWOhnbau-Genossenschaft mit 22 unterschiedlich großen Wohneinheiten, die voraussichtlich im Juni 2019 bezugsfertig sein soll. Ein zweites Wohnbauprojekt der AWOhnbau Genossenschaft soll am Floriansanger entstehen und neun staatlich geförderte sowie drei nicht geförderte Wohnungen unterschiedlicher Größe umfassen.

Weitere Gemeindeprojekte betreffen mit der Sanierung und Erweiterung des 1938 von Lorenz Mesch erbaute Rathauses (Bild oben links) um ein Bürgerzentrum, mit dem Bau einer Tiefgarage für knapp 20 Millionen Euro (bis 2022), dem Bau eines Hauses für Weiterbildung (etwa 7,6 Millionen Euro bis 2022) sowie einem Seniorenzentrum (etwa 7,6 Millionen Euro bis 2022) in der Hauptstraße 12 aber nur begrenzt der Schaffung von Wohnraum.

Das größte Bauprojekt der kommenden Jahre in Neubiberg ist die Errichtung von 650 Studentenwohnungen auf dem Ostparkplatz der Bundeswehr. Die rund zwanzig Gebäude werden zwar Wohnraum schaffen, doch vollkommen von den Studenten absorbiert werden – zumal durch den neuen Studiengang Cybersicherheit mit einem Zuwachs der Studentenzahlen zu rechnen ist.

 

 

 

 

Die Gemeinde in Zahlen

Die Gemeinde Neubiberg befindet sich im Süden von München und befindet sich im Landkreis München.  Die Gemeinde grenzt an den Münchner Stadtbezirk Ramersdorf – Perlach mit den Bezirksteilen (von Osten nach Westen) Waldperlach,   Neuperlach sowie   Altperlach an. Im Nordwesten befindet sich zudem  Südgiesing, ein Bezirksteil des Münchner Stadtbezirks Obergiesing-Fasangarten.

Im Westen und Südwesten von Neubiberg liegt die Gemeinde   Unterhaching, im Süden befindet sich   Ottobrunn. An der östlichen Gemeindegrenze von Neubiberg befindet sich die Gemeinde Putzbrunn.

 

Einwohner: Die Alterstruktur von Neubiberg entspricht in etwa der von München.

Infrastruktur: Neubiberg verfügt mit der gleichnamigen Haltestelle einen Anschluss an die S-Bahn-Linie 7 sowie westlich des Campeons  mit der Haltestelle Fasanenpark an die S-Bahn-Linie 3 über eine direkte Anbindung an das Münchner ÖPNV-Netz. In der Gemeinde gibt es zwei Grundschulen, eine Realschule, ein Gymnasium und eine private Montessori-Schule. Der Umweltgarten, der Landschaftspark Hachinger Tal und das Sportzentrum bieten Freizeitmöglichkeiten.

Immobilien: In der Gemeinde gibt es kaum ein Angebot an Bestandsimmobilien zu Kaufen und nur ein geringes zum Mieten.

 

Text und Bilder: Ulrich Lohrer, Stand 12.03.2019