Neufahrn: Ort der Wege und Kirchen

Neufahrn bei Freising verfügt über eine gute Anbindung nach München und zum Flughafen. Kein Wunder, dass außer Logistikunternehmen auch viele Pendler an diesem Standort ihr zuhause haben. 

 

Mit mehr als 20.000 Einwohnern zählt Neufahrn bei Freising zu den größeren Umlandgemeinden von München. Aufgrund der guten Verkehrsanbindung nach München, Freising und dem Flughafen München haben viele Berufspendler Neufahrn als Wohnort gewählt.

Bereits die Kelten hatten hier in der Heidelandschaft im Norden der Münchner Schotterebene Handelspfade angelegt, die später die Römer nutzten und ausbauten, um ihre dezentrale Garnisonen von der Provinzhauptstadt Augusta Videlcorum (Augsburg) zu versorgen. Die erste urkundliche Erwähnung von Neufahrn stammt aus dem Jahr 804 mit dem Namen „Niwiwara“, was so viel bedeutet wie „bei den sich neu ansiedelnden Familien“. Diese kamen von dem heutigen Nachbarort Eching, wo sich 773 der Pferdezüchter Eho niedergelassen hatte. Einige dessen Nachkommen sicherten sich zum nun das „Gfild“, das etwas höher gelegene Land der Schotterebene als Standort für Landwirtschaft und Ansiedlung sicherten, weil dieser Schutz vor den Überschwemmungen der Isar bot.

Neufahrn ist heute der Hauptort der Gemeindeverwaltung umliegender, zum Teil älterer Dörfer, die 1978 zur Gemeinde Neufahrn zusammengeschlossen wurden. So war der nordöstlich von Neufahrn gelegene Ortsteil Hetzenhausen bereits 450 v. Chr. von Kelten besiedelt und gilt als ein wahrscheinlicher Geburtsort des Minnesänger Neidhart von Reuental, der  im 13. Jahrhundert durch seine Winter- und Sommerlieder Berühmtheit erlangte. Das ebenfalls nördlich vom Hauptort Neufahrn gelegene Massenhausen wurde lange Zeit durch das gleichnamige Adelsgeschlecht beprägt, deren Grundherrschaft sich über über Schloss Massenhausen, Schloss Täsingen (Dasing), und über die Höfen sowie Liegenschaften in den umliegenden Ortschaften erstreckte. Der reiche Kirchenschatz der Pfarrkirche zeugt noch heute vom ehemaligen Glanz der Massenhausener Schlossherren. 

Aufstieg durch Bahnanschluss.

Neufahrn selbst war dagegen ein armes Dorf, das bis zum ausgehenden Mittelalter größtenteils zum Kloster Weihenstephan gehörte und dem die Bauern abgabepflichtig waren. 1466 schenkte der Edle Johann von Frauenberg, ein Verwandter des Massenhausener Adelsgeschlechts, dem Klerus von Neufahrn einen Teil seiner Besitzungen, dass ein Priester davon leben konnte. Im 17. Jahrhundert verbesserte sich die Sitution für die abgabepflichtigen Bewohner etwas, als das Kloster Weihenstephan den Grund an das finanziell besser gestellte Hochstift Freising abtrat. Ein im 16- Jahrhundert aufgefundenes romanisches Kreuz, das sogenannten „Wilgefortiskreuzes“, machte Neufahrn bis zur Säkularisierung zum Wallfahrtsort. Seinen ersten Aufschwung verdankt die Gemeinde allerdings ab 1858 mit der Eröffnung der Bahnlinie München-Landshut. Die Trasse führt etwa einen Kilometer vom ehemaligen Ortszentrum um St. Wilgefortis entfernt noch auf der Schotterzunge entlang am Rand des Massenhausener Mooses. Entlang der Massenhausener Straße, der heutigen Bahnhofstraße, siedelten sich einige Höfe und erste kleine Gewerbebetriebe an.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam es dann zu einem starken Bevölkerungswachstum, als ausgebombte Münchner und Flüchtlinge sich in Neufahrn eine neue Existenz aufbauten. Der Boden war noch günstig zu haben, die Verkehrsanbindung mit der Eisenbahn zu den großen Arbeitgebern in der Landeshauptstadt gut. Registirierte Neufahrn 1946 noch 1.564 Einwohner, waren es 1971 bereits 9.883. In den 1960er-Jahre ließen sich größere Unternehmen wie AVON Cosmetics, Isar Wellpappe und Hinteregger Bau-Fertigteile in Neufahrn nieder und sorgten auch für mehr Arbeitsplätze vor Ort.

Mit den höheren Gewerbesteuereinnahmen konnte auch die Infrastruktur ausgebaut werden. Kindergärten, Schulen, Sportanlagen, das erste Hallenbad entstanden und verhalfen der Gemeinde zu einer Attraktivität. Mit dem Bau eines neuen Zentrums zwischen dem Rathaus und der evangelischen Auferstehungskirche hat Neufahrn mit Hilfe privater Investoren zum Millennium dem Ort nicht ein attraktiver Marktplatz und ein neues Gesicht gegeben. Aktuell weitet sich Neufahrn mit der Wohnbebauung Richtung Süden aus. Nachdem die Neubauten zwischen Anna-Wiemschneier-Straße und Wilhelm-Busch-Straße nahezu fertiggestellt ist, steht nun weiter östlich die Bebbaung zwischen Trentiner Straße und Robert-Koch-Straße an.

Auch im nordöstlich gelegenen Ortsteil Mintrachting wird gebaut. Dort entstand ein Multiplex-Kino, auch ein größeres Wohnbaugebiet ist dort in Planung. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde in Mintraching, im Nordosten des Gemeindegebiets, ein neues Gewerbegebiet mit rund 37 Hektar ausgewiesen. Dort haben sich Logistikunternehmen wie Dachser- und Prologis angesiedelt. Überhaupt ist die Gemeinde ein wichtiges Logistikzentrum der Region. Im Dezember wurde das neue Umschlagterminal von DB Schenker eröffnet. Dies hat Tradition: Schon für die Römer war die Gegend wichtig für den Handelsverkehr.

 

Die Gemeinde in Zahlen

 

Neufahrn ist eine Gemeinde im Landkreis Freising. Im Südwesten befindet sich die Nachbargemeinde Eching, im Osten auf der anderen Uferseite der Isar Hallbergmoos. Im Norden schließt an Neufahrn Freising an. Nordwestlich befinden sich Kranzberg sowie Fahrenzhausen.

Einwohner: Neufahrn hat eine wachsende und junge Bevölkerung mit viel Familien mit Kindern.

Infrastruktur: Der Neufahrner Bahnhof liegt an der Bahnstrecke München - Regensburg und an der S-Bahnlinie der S1, die im 20-Minuten-Takt zwischen München und dem Flughafen München verkehrt und auch nach Freising fährt. Westlich von Neufahrn befindet sich das Autobahnkreuz Neufahrn, an dem sich die Bundesautobahnen 9 und 92 schneiden. Freizeitmöglichkeiten bietet das Erholungsgebiet Neufahrner Mühlseen.

Immobilien: Im vergangenen Jahrzehnt sind pro Jahr 22 bis 111 Wohneinheiten entstanden. Gebaut werden vorwiegend Einfamilienhäuser im Süden der Gemeinde.