OECD: Deutscher Staat belastet Bürger mit zweithöchsten Abgaben

Nur der belgische Staat zwingt seine Bürger unter den 39 Industriestaaten der OECD noch mehr Steuern und Sozialabgaben zu zahlen wie der deutsche Staat. Die von der Bundesregierung groß angekündigte Entlastung ist minimal.

 

In der Diskussion um die hohen Wohnkosten im Verhältnis zu den verfügbaren Einkommen bleibt die exorbitant hohe Abgabequote in der Bundesrepublik in der Regel völlig unerwähnt. In Deutschland sind im vergangenen Jahr die Steuern und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen im internationalen Vergleich zu 2017 nur leicht gesunken. Sie liegen aber weiter deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Dies geht aus der jüngsten Ausgabe der OECD-Studie zu den staatlichen Abgaben –  Taxing Wages – hervor, die am 11. April 2019 veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zu Deutschland besteht international der Trend, die Bürger stärker von Steuern und Sozialabgaben zu entlasten.

 

Ein alleinstehender Durchschnittverdiener arbeitet ein halbes Jahr für den deutschen Staat

In Deutschland lag 2018 der Anteil von Steuern und Sozialabgaben an den Arbeitskosten für alleinstehende Durchschnittsverdiener 2018 bei 49,5 Prozent, nach Belgien der zweithöchste Wert innerhalb der OECD. Im Durchschnitt der OECD-Länder liegt der sogenannte Steuerkeil bei 36,1 Prozent der Arbeitskosten. Die Arbeitskosten setzen sich aus Bruttolohn und den Sozialabgaben der Arbeitgeber zusammen. Bei den Sozialabgaben werden Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil berücksichtigt. 2017 lagen diese Werte im Schnitt der OECD-Länder bei 36,3 Prozent und für Deutschland bei 49,6 Prozent. 2010 lag die Abgabequote in Deutschland für den Single noch bei 49 Prozent. Im Gegensatz zu Beginn der Kanzlerschaft von Angela Merkel, 2005 lag die Abgabequote bei 52,1, sind Steuern und Sozialabgaben nicht mehr gesunken, sondern stagnieren bzw. steigen sogar noch trotz deutlichem Rückgang der Arbeitslosenquote.

Geringer fällt in Deutschland dagegen die Abgabenquote für Familien mit nur einem Erwerbstätigen aus. Hier werden, bezogen auf die Arbeitskosten, 34,4 Prozent an Steuern und Sozialabgaben (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) abgeführt. In Frankreich und Italien sind es dagegen mehr als 39 Prozent. Die geringere Belastung von Familien mit nur einem Erwerbstätigen ergibt sich durch Ehegattensplitting und beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen.

 

Die Staaten von Estland, USA, Ungarn und Belgien entlasteten 2018 ihre Bürger spürbar

Im OECD-Schnitt war der Rückgang etwas signifikanter, getragen von einer deutlich gesunkenen Abgabenquote in einigen OECD-Ländern.  Gegenüber 2017 sank die Abgabequote unter den untersuchten Industrieländer 2018 um 0,16 Prozentpunkte. – dem vierten jährlichen Rückgang in Folge. Der Rückgang in 2018 gegenüber 2017 resultierte vor allem in großen Entlastungen der Bürger in vier Ländern: Estland (- 2.54 Prozentpunkte), den Vereinigten Staaten (-2,19 Prozentpunkte), Ungarn (1.11 Prozentpunkte) and Belgien (1.09 Prozentpunkte). In Estland und den Vereinigten Staaten ging die Abgabequote auf die Steuerreform zurück, in Ungarn und Belgien war sie Folge einer Entlastung der Bürger von den Sozialbeiträgen.

 

In Chile lässt der Staat den Arbeitenden am meisten

Die Abgabequote für Singles ist Stand 2018 in Belgien (52.7%), Deutschland (49.5%), Italien (47.9%), Österreich and Frankreich (47.6%) am höchsten. Am niedrigsten ist sie  in Chile (7%), Neuseeland  (18.4%) and Mexiko (19.7%).

Quelle: OECD, (Berlin/Paris, 11.04.2019) -