Oberhaching: Das teure Dorf am Hachinger Bach

Südlich von München zieht das oberbayerische Idyll der Gemeinde Oberhaching zahlungskräftige und preistreibende Eigenheimerwerber an. Die geschichtsträchtige und kulturelle reiche Gemeinde versucht Tradition und Zukunft zu verbinden.

 

Ende November begrüßte Oberhachings Oberbürgermeister Stefan Schelle (CSU) etwa 75 Gäste zum Neubürgerempfang im Bürgersaal Forstner. Die 13.500-Einwohner-Gemeinde südlich von München weist seit Jahren wegen eines positiven Wanderungssaldos und seit 2015 auch wegen eines Geburtenüberschusses eine steigende Bevölkerungszahl auf. „Im Schnitt benötigen wir jedes Jahr eine weitere Kindergartengruppe“, berichtete Bürgermeister  Schelle im „Münchner Merkur“.

Die Gemeinde Oberhaching setzt sich aus den zusammengewachsenen Ortsteilen und ehemaligen Dörfern Oberhaching, Deisenhofen und Furth zusammen. 1978 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Oberbiberg eingegliedert und der Weiler Laufzorn von der Gemeinde Grünwald an Oberhaching abgetreten.

Auch die südlich gelegenen Weiler Kreuzpullach, Ödenpullach, Jettenhausen und Gerblinghausen gehören zur Gemeinde. Im Gegensatz zu den Nachbargemeinden Taufkirchen und Unterhaching wurden in Oberhaching in den 1970er-Jahren keine Siedlungen mit mehrgeschossigen Wohnanlagen errichtet, auch schreibt die Baugestaltungssatzung nach oberbayerischer ländlicher Optik klare rechteckige Baukörper, und ein ruhiges, flachgeneigtes Satteldach vor.

 

Oberbayerische Kulturlandschaft.

Der alte Dorfkern von Oberhaching um die Kirche St. Stephan (siehe Bild oben) mit dem gegenüberliegenden, seit 125 Jahren genutzten alten Schulhaus, vermittelt dann auch ein solches oberbayerisches Idyll. Zwar wurde St. Stephan bereits im Jahr 750 als romanische Wehrkirche errichtet, doch romanisch erhalten ist nur die Chorturmkirche mit angefügter zweigeschossiger Sakristei aus dem 13. Jahrhundert, während das Langhaus 1725 von Georg Persch neu errichtet wurde. Obwohl Haching – wie der Hachinger Bach nach dem Bajuwarenfürst Hacho benannt – urkundlich bereits 806 erwähnt und um die Jahrtausendwende Gerichtsstand ein lokales Zentrum war, sind aus dieser Zeit keine Bauwerke mehr erhalten.

Von Bedeutung ist das im Ortsteil Laufzorn von den Wittelsbachern 1508 bis 1550 errichtete Renaissanceschloss (siehe oben links), das sich heute im Eigentum der Familie Kyrein befindet und landwirtschaftlich sowie als Gestüt genutzt wird.

Auch die 1710 von Philipp Jakob Köglsberger oder Giovanni Antonio Viscardi erbaute barocke Wallfahrtskirche Heilig Kreuz (sie Foto links) im abgelegenen Kreuzpullach wird von den Kunsthistorikern Georg Paula und Timm Weski als das „auf Kreisebene bemerkenswerteste Beispiel für anspruchsvolle Architektur aus dem frühen 18. Jahrhunderts“ angesehen.

 

Mit dem Deisenhofener Bahnhof Anschluss an München

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke München – Holzkirchen im Jahr 1856 erhielt der Ortsteil Deisenhofen direkten Anschluss an die Hauptstadt des bayerischen Königreichs. 1898 wurde zudem die Bahnstrecke von Deisenhofen entlang des Hachinger Tals über Taufkirchen zum Münchner Ostbahnhof eröffnet. Als Postverteilerzentrum erhielt Deisenhofen 1925 das von Robert Vorhoelzer und Fritz Norkauer entworfene Postamt Deisenhofen (siehe Bild links).

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Oberhaching vor allem unter dem langjährigen Oberbürgermeister Nikolaus Aidelsburger (1966 – 2002) durch die bereits erwähnte Eingemeindung umliegender Ortschaften, dem Bau des neuen Rathauses, des Gymnasiums auf dem Kyberg, der Anbindung an die S-Bahn sowie die Ausweitung des Gewerbegebiets umfassende Veränderungen. Dabei konnte er allerdings den geplanten Bau einer Satellitenstadt à la Neuperlach mit 40.000 bis 50.000 Einwohnern zugunsten der traditionell ländlichen Erscheinung von Oberhaching verhindern.

Auch wenn aus Oberhaching kein Neuperlach wurde, so wird doch auch für den stetigen Bevölkerungszuwachs Wohnraum benötigt. Im Hinblick auf eine aktive Bodenvorratspolitik gelingt es der Gemeinde 2017, Grundstücke in einer Größenordnung von 23 Hektar zu erwerben, um auch künftig eigenständig agieren und beispielsweise Einheimischenmodelle umsetzen zu können.

Baumaßnahmen können extreme Eigenheimpreise nicht verhindern

Aktuell baut die MyDomus, ein Makler und Bauträger vor Ort, in der Kybergstraße Einfamilienhäuser im Auftrag von privaten Bauherren. Gleich daneben entsteht im St.-Rita-Weg 21b ein Einfamilienhaus mit 176 Quadratmeter Wohnfläche, das vom Immobilienservice Oberhaching in den Internetportalen für 1,35 Millionen Euro zum Kauf angeboten wird (7670 Euro pro Quadratmeter).  Vom gleichen Anbieter wird ein Neubau-Einfamilienhaus  mit 170 Quadratmeter Wohnfläche nördlich des Biergarten Kugler Alm in der Linienstraße 119 für 1,47 Millionen Euro (8647 Euro pro Quadratmeter) offeriert. Ein Preisniveau, das sich an die benachbarte „Reichen-Gemeinde“ Grünwald annähert und nur für sehr wenige Familien bezahlbar ist.

Dennoch scheint es zahlungskräftige Käufer zu geben. Aktuelle Bebauungspläne von Oberhaching sehen die Errichtung weiterer Wohngebäude am Forstweg und an der Pestalozzistraße im Ortsteil Deisenhofen vor. Der Zuzug erfordert auch Investitionen für die Infrastruktur: So entsteht westlich vom Deisenhofener Bahnhof ein neuer Schulcampus (Bild links) mit Realschule und Fachoberschule sowie Mensa und Turnhalle.

 

Die Gemeinde in Zahlen

 

Die Gemeinde Oberhaching befindet sich im Landkreis München, südlich der Landeshauptstadt München. Nordöstlich von Oberhaching befinden sich die Gemeinden Unterhaching und Taufkirchen, östlich Brunnthal und südöstlich Sauerlach. Südwestlich von Oberhaching liegt Straßlach-Dingharting und im Westen – getrennt durch gemeindefreies Gebiet Baierbrunn und Grünwald.    

Einwohner: Das Durchschnittsalter der Oberhachinger liegt unter dem Durchschnittsalter der Bevölkerung des Landkreises. 

Infrastruktur: Oberhaching ist mit den Haltestellen Deisenhofen und Furth über die Linie S3 an München angebunden. Es gibt eine eigene Autobahnzufahrt an die Bundesautobahn A 995.  Die Gemeinde verfügt über ein Gymnasium, zwei Grundschulen und eine Mittel- und Wirtschaftsschule sowie über eine VHS. Freizeitoptionen bieten mehrere Sportanlagen und der Perlacher Forst. Einkaufsmöglichkeiten offerieren ein REWE und Läden der Bahnhofstraße.

Immobilien: Kaum Mietangebote, wenige Kaufangebote für Einfamilienhäuser und Bestands-Wohnungen auf hohem Preisniveau.

Weitere Informationen:

Internetseite der Gemeinde: www.oberhaching.de