Oberwiesenfeld: Bayerns Beamtenviertel

Einst nutzten Bauern das Wiesenfeld für Viehwirtschaft, dann exerzierten hier die Soldaten. Am ehemaligen Kasernenstandort Oberwiesenfeld – zwischen Olympiapark und Leonrodplatz – errichtet der Freistaat Arbeitsplätze und Wohnungen für seine Beamten.

 

Als Oberwiesenfeld wird heute ein Bezirksteil des Münchner Stadtbezirks Neuhausen-Nymphenburg bezeichnet, der zu einem wichtigen Entwicklungsareal der Stadt zählt. Es befindet sich östlich der Dachauer Straße, nördlich der Schwere-Reiter-Straße, östlich des Ackermannbogens und südlich des Olympiaparks.

Der Name soll von dem erstmals 1792 erwähnten Wiesenfeld stammen, das sich über das Ödland der Münchner Schotterebene weit über das Gebiet des heutigen Bezirksteils hinaus bis zu den damaligen Gemeinden Milbertshofen, Nymphenburg, Neuhausen und Schwabing erstreckte und von Neuhausener und Feldmochinger Bauern genutzt wurde. Ab 1784 wurde das Oberwiesenfeld von kurfürstlich-bayerischen Artillerieeinheiten als Übungsplatz genutzt, zehn Jahre später offiziell zum „Artillerie-Experimentierplatz“ bestimmt und damit für die Viehwirtschaft verboten.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden am Oberwiesenfeld die Eisenbahnerkaserne (gebaut 1888/89), das Barackenkasernement Oberwiesenfeld (ab 1893), die Luftschifferkaserne (1893 – 1896) und die Prinz-Leopold-Kaserne (1902) errichtet. Damals war das Gebiet noch weitgehend unbebaut. Lediglich von Westen entstand das Stadtviertel Dom Pedro bis zur Dachauer Straße mit großen Wohnanlagen.

Imposant sind in der Erhard-Auer-Straße von Johann Mund geplanten Mietshäuser (siehe Bild links) oder die von Karl Vogl entworfenen Wohnblöcke der Militärarbeiter Baugenossenschaft l in der Dom-Pedro-Straße. Der nördlich des Kanals gelegene Bereich des Oberwiesenfelds wurde ab 1909, nachdem dort bereits Ballone und Luftschiffe gestartet und gelandet waren, als Flugplatz genutzt. 1939 wurde der Flughafen München-Oberwiesenfeld eingestellt, nachdem der Flughafen München-Riem eröffnet wurde.

Eine Kaserne wird aufgeteilt.

Von diesen Einrichtungen befand sich aber nur die seit Ende der 1950er-Jahre bis 1976 von der Bundeswehr genutzte Eisenbahnerkaserne im Bereich des heutigen Bezirksteils Oberwiesenfeld. In den 1970er-Jahren wurde ein Teil des Geländes für den Bau des nordöstlich befindlichen Olympiaparks veräußert. Bereits nach 1945 war nordöstlich der Kaserne ein aus zwei Teilen bestehender Schuttberg entstanden, der beim Bau des Olympiaparks zum Olympiaberg umgestaltet, vergrößert und auf 60 Meter erhöht wurde.

 

Die 1952 unterhalb des Schuttbergs von dem russischen Eremiten Timofei Wassiljewitsch Prochorow, genannt Väterchen Timofei, illegal errichtete Kapelle wurde nach Protesten trotz des Baus des Olympiaparks nicht abgerissen. Doe Ost-West-Friedenskirche steht noch heute in der Nähe, wo jedes Jahr im Sommer das Tollwood-Festival stattfindet. Nördlich davon befindet sich heute in dem ab 1968 errichteten Gebäude des ehemaligen Olympia-Bauzentrums die Montessori-Schule.

Einige alte Kasernengebäude mussten dem Bau des Rechenzentrums der Bundeswehr, dem Verwaltungsgebäude der Außenstelle München der Wehrbereichsverwaltung Süd sowie dem heutigen Kantinengebäude weichen. Andere der ursprünglichen Kasernengebäude nördlich der Hedwig-Dransfeld-Allee sind allerdings bis heute erhalten geblieben und gehören zu den letzten Resten von Münchner Militärbauten aus dem 19. Jahrhundert. So wurde das große Hauptgebäude 2003 vom Studentenwerk gemietet und vom Architekten Christoph Maas saniert. Das Kasernengelände zwischen der Hedwig-Dransfeld-Allee und der Schwere-Reiter-Straße  wurde Mitte der 1970er-Jahre vom Bund an die Stadt München zum Bau von Wohngebäuden verkauft. Ab 1989 entstand dort im Stil der Postmoderne die Wohnanlage am Olympiaberg mit der staatlichen Gertrud-Bäumer-Schule.

 

Der Freistaat klotzt.

Das Areal südlich davon bis zum Leonrodplatz und der Schweren-Reiter-Straße ist allerdings noch im Besitz des Landes Bayern. Während in der gegenüberliegenden ehemaligen Artillerie-Werkstätten und der Luftschifferabteilung – der späteren Luitpoldkaserne – die Stadt München seit Jahren das Kreativviertel als neues Wohnquartier plant, verwirklicht der Freistaat auf seinem Grundstück Bauten wesentlich schneller. Dort entstehen zwei Großprojekte. Entlang der Dachauer Straße bis zum Leonrodplatz wird seit 2015 an dem neuen Münchner Strafjustizzentrum, dem größten Hochbauprojekt des Freistaats, gebaut. In dem 40.000 Quadratmeter großen und mehr als 300 Millionen Euro teuren Gebäudekomplex nach Entwurf der Architekten Frick Krüger Nusser Plan2 sollen bald über 1300 Mitarbeiter für sieben Gerichtsinstitute arbeiten.

Östlich davon, entlang der Schwere-Reiter-Straße bis zum Olympiapark, errichtet nach der Bewilligung des Bebauungsplans durch den Münchner Stadtrat Ende 2019 der Freistaat für seine Beamten eine komplette Wohnsiedlung. Das von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als „Beamtencity“ bezeichnete Quartier soll über 600 Wohnungen, drei Kindertagesstätten und Gewerbeflächen umfassen. Der Freistaat investiert dafür rund 240 Millionen Euro Steuergelder. Der Entwurf stammt von den Architekten Léon Wohlhage und lehnt sich an deren Konzept für das geplante Olympische Dorf der Olympischen Winterspiele 2022 an, für das sich München zwar beworben hatte, aber nicht zum Zuge kam. Der Spatenstich der Beamtencity durch die Stadibau ist für den 1. Bauabschnitt mit 340 Wohnungen Ende 2020 geplant. Bereits Ende 2022 sollen die ersten Mieter einziehen können. Stattdurch  Soldaten lässt Bayern das Oberwiesenfeld durch Beamten in Besitz nehmen.

 

Das Viertel in Zahlen

Das Oberwiesenfeld ist der nordöstlichste Bezirksteil des 9. Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. Die Dachauer Straße bildet die westliche Grenze zum gegenüberliegenden Nachbarviertel Dom Pedro. Im Norden verläuft die Grenze zum Riesenfeld, einem Bezirksteil des Stadtbezirks Milbertshofen – Am Hart, entlang des Nymphenburg-Biedersteiner-Kanals. Im Osten liegt gegenüber der Ackermannstraße das Viertel Schwere-Reiter-Straße, einem Bezirksteil des Stadtbezirks Schwabing-West. Im Süden – gegenüber einem Teil der Schwere-Reiter-Straße und des Leonrodplatz befindet sich das Nachbarviertel Alte Kaserne.

Einwohner: Die Bevölkerungsstruktur des Oberwiesenfelds entspricht bezüglich Altersgruppenverteilung und Durchschnittsalter in etwa dem Durchschnitt der Stadt.

Infrastruktur: Entlang der Dachauer Straße und der Schwere-Reiter-Straße verlaufen die Tramlinien 20, 21 beziehungsweise 12 und 27, nordwestlich des Bezirksteils, am Westfriedhof, gibt es eine Haltestelle der U-Bahn-Linien U1 und U2. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der Dom-Pedro-Straße (VollCorner Biomarkt) und Schwere-Reiter-Straße (Rewe). Vielfältige Freizeitmöglichkeiten und Grünflächen bietet der Olympiapark.

Immobilien: Aktuell bestehen kaum Kauf- und Mietangebote.