Untergiesing: Großwohnanlage im Stil der Neuen Sachlichkeit

Wo lange Zeit Europas größte Lederfabrik stand, befinden sich heute am Auer Mühlbach große Wohnanlagen. Besonders fällt die von dem Architekten Helmuth Wolff entworfene Wohnanlage im Stil der Neuen Sachlichkeit zwischen Pilgersheimer Straße, Kleiststraße und Cannabichstraße auf.

 

Im Jahr 1808 gründete der jüdische Kaufmann und Hoffaktor des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor Ignaz Mayer aus Mannheim in Untergiesing am Auer Mühlbach eine Lederfabrik. Als er 1824 starb, übernahm sein Schwager Arnold von Eichthal die Fabrik und vergab die Leitung an Franz Kester, der sie zur größten Lederfabrik auf dem Kontinent ausbaute. 1923 verkauften die Nachkommen die Fabrik an die Berliner Lederfabrik und Oppenheimer, die sie allerdings bereits 1930 im Zuge der Weltwirtschaftskrise schließen mussten und das riesige Firmengelände an die Münchner-Siedlungs-GmbH verkaufte, die dort 1932 eine Großsiedlung erbaute.

Bereits 1927 war nördlich davon eine große Wohnanlage im Stil der Neuen Sachlichkeit nach einem Entwurf des Architekturbüros Helmuth Wolff und F. Lebrecht errichtet worden. Die Wohnanlage im Bezirksteil Untergiesing des Stadtbezirks Untergiesing-Harlaching besteht aus zwei, von der Voßstraße getrennten viergeschossigen Wohnblöcken. Der westliche gelegene Wohnblock erstreckt sich entlang der Pilgersheimer Straße 19, 21, 23 und 27, 29 mit einem langgestreckten Gebäudeflügel. Ein bestehendes Haus in der Pilgersheimer Straße 25 wurde dort in den Gebäudekomplex integriert.

An der Nordwestseite zwischen Pilgersheimer Straße und Kleiststraße ist die Anlage geöffnet. Dort befindet sich an einer Gartenmauer ein Wandbrunnen mit Relief zum Gedenken an die Erbauung der umliegenden Wohnanlage.  Entlang der Voßstraße weist der langgestreckte Gebäudeflügel eine leichte Krümmung auf, dort wo auch ein dreieckiger Erker angebracht wurde. Dieses Stilelement verwandte der Architekt Helmuth Wolff (1895 – 1940) ein Jahr später nochmals in der von ihm entworfenen Wohnanlage in der Prinzregentenstraße 75 – 89. Der südliche Abschluss des westlichen Wohnblock bildet der kurze Gebäudeflügel entlang der Cannabichstraße, von wo aus sich früher die Lederfabrik  nach Süden erstreckte. Der südöstliche Bereich an der Ecke Cannabichstraße und Voßstraße bildet durch den nach Norden eingerückten östlichen Wohnblock der Wohnanlage.  

Quellen: Giesing  _ Vom Dorf zum Stadtteil, 2004;

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Untergiesing

http://geoportal.bayern.de/bayernatlas-klassik/VeJkMvnP_6b3ARxISPa95EXrcNG-tTJ4hCQnP7LGHzMcH3hggAK3QfVKPi1_VQPrCa_ellSiTBrhJW1D0kWapL9HLp6wucookfz0nfcmiHqDEvfVEOcwUXUs36hHZZTd/VeJ1a/1_Vc7/3AR83

Bildnachweis: Ulrich Lohrer