Prinzregentenplatz: Wo Hitler wohnte

Von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1945 hatte Adolf Hitler seine Privatwohnung in dem Münchner Eckhaus am Prinzregentenplatz. Dort fielen folgenreiche Entscheidungen. Heute befindet sich in dem Jugendstilhaus die Polizeiinspektion 22.

 

Das große Mietshaus am Prinzregentenplatz mit der Hausnummer 16 im heutigen Bezirksteil Steinhausen des Stadtbezirk Au-Haidhausen wurde um 1908 bis 1909 nach einem Entwurf des Architekten Franz Popp errichtet. Es wurde im barocken Jugendstil gestaltet und ist reich gegliedert und dekoriert. Zwischen zwei Erkern an der Höhe der Kreuzung Prinzregentenstraße und Grillparzerstraße weist es übereinander in drei Balkone in nordöstlicher Richtung auf (Bild links).

Wechsel von der Untermiete in die Neunzimmerwohnung

Bekannt wurde das Gebäude als Wohnsitz von Adolf Hitler. In der Reichstagswahl 1928 hatte seine NSDAP zwölf Sitze errungen, in Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 erfuhr seine Partei mehr Zulauf und er finanzielle Unterstützung. Im Oktober 1929 wechselte er von seiner eher bescheiden Unterkunft in der Thierschstraße 41 im Lehel, wo er seit 1920 als Untermieter gemeldet war, in die luxuriöse Neunzimmerwohnung am Prinzregentenplatz 16, 2. Stock. Der Verleger Hugo Bruckmann, hatte ihm geholfen, die Wohnung zu finanzieren und garantierte dem Vermieter eventuelle Mietrückstände zu begleichen. Vermieter war der Kohlenhändler Hugo Schühle. Die Miete betrug 4176 Mark jährlich.

Eine Wohnung nach seinem Geschmack

Den filigranen Stuck an den Decken ließ Hitler herausmeißeln. Auch die Jugendstil-Blenden an den Wänden, die mit Schnitzereien verzierten Wandspiegel ließ er entfernen.Stattdessen ließ er von seinem damaligen Lieblingsarchitekten Paul Ludwig Troost gestaltete Türklingen anbringen. Im Wohnzimmer hing das Gemälde mit Friedrich dem Großen im Wohnzimmer, Statuen von Arno Breker schmückten die Räume und in der Bibliothek befanden sich die Gesamtausgabe von Karl May. Albert Speer, der 1933 Hitler in dessen Wohnung erstmals besuchte, lästerte später, dass die die Möblierung von schlechtem Geschmack zeuge. Er beschrieb die Wohnung als Behausung eines „Privatmannes von mittlerem Einkommen, etwa eines Filialleiters einer Depositenkasse“.

Suizid in der Führer-Wohnung

Das Ehepaar Anni und Georg Winter führten Jitlers Haushalt, ihr Name war am Türschild seiner Wohnung angebracht. Die bezog auch seine 20-jährige Nichte Geli Raubal, die Tochter von Hitlers Halbschwester Angela Raubal. Geli Raubal bewohnte ein Zimmer mit Blick auf das Prinzregententheater und erhielt dort Gesangsuntericht, den Hitler finanzierte. Am 18. September 1931 – Hitler war kurz zuvor zu einer Wahlkampfveranstaltung aufgebrochen – erschoss sich Geli Raubal mit Hitlers Pistole. Die Hausangestellten sagten aus, dass es am Vormittag des 18. September einen Streit zwischen Raubal und Hitler gegeben habe. Der bayerische Justizminister Franz Gürtner unterband weitere Untersuchungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft.

Hitler gab zu Protokoll, seine Nichte habe als Sängerin auftreten wollen, aber dem Druck nicht standgehalten. Geli Raubals Zimmer musste auf Befehl Hitlers in dem Zustand bleiben, wie es im Augenblick ihres Todes war. Lediglich eine Büste von Geli Raubal ließ Hitler dort aufgestellen.

Das Zuhause des Bohemiens und Massenmörder

Auch nach Hitlers Machtergreifung und Umzug nach Berlin hielt er sich häufig in München auf, wo er sich oft in der Villa seines Fotografen Heinrich Hoffmann aufhielt, über den er auch Eva Braun kennenlernte. Hitler traf sich mit Bekannten oft in der Osteria in Schwabing und schlief in seiner Wohnung dann häufig bis Mittag. Er führte auch als Reichskanzler noch das Leben eines Bohemien.

Dies hielt ihn nicht davon ab, seine Diktatur mit brutalen Mitteln zu festigen, Oppositionelle zu beseitigen. Persönlich veranlasste er Maßnahmen, seine ehemaligen Mitkämpfer zu beseitigen. So ließ er sich am frühen Morgen des 30. Juni 1934 an den Tegernsee fahren, wo er seinen Duz-Freund, SA-Chef Röhm verhaftete, der anschließend im Gefängnis Stadelheim erschossen wurde. Wegen des angeblichen Röhm-Putsches wurden in der Nacht der langen Messer auf Hitlers Befehl 150 bis 200 Menschen, davon viele Nicht-SA-Angehörige, ermordet.

Schutz durch SS-Offiziere und Luftschutzbunker

1936 wurde mit Geldmitteln der NSDAP und den Verkaufserlösen von Hitlers Buch „Mein Kampf“ das ganze Haus Prinzregentenplatz 16 für ihn erworben. Hochrangige SS-Offiziere zogen in die Stockwerke über und unter seiner Wohnung. Oft nutzte Hitler seine Wohnung nur als Zwischenstation für seinen Aufenthalt im Berghof am Obersalzberg. Während er dort häufig seine Paladine und Vasallen empfing, wurde sein Münchner Domizil nur selten für politische Treffen genutzt. Anlässlich des Münchner Abkommen im Führerbau am Königsplatz empfing er Ende September 1938 in seiner Wohnung am Prinzregentenplatz jedoch den britischen Premierminister Neville Chamberlain und den französischen Ministerpräsident Édouard Daladier (Bild links).

Mit Beginn von Hitlers Angriffskrieg 1939 wurde für ihn im Keller ein Luftschutzbunker mit einer 4,75 Tonnen schweren Stahldecke und Eichenholz-getäfeltem Führer-Raum gebaut. Danach hielt sich Hitler aber kaum mehr in seiner Münchner Wohnung auf. Ende August 1942 wurde das Haus bei einem Fliegerangriff leicht beschädigt, aber nicht direkt getroffen.

Als Hitler sich am 30. April 1945 im Bunker der Reichskanzlei in Berlin erschoss, befanden sich in seiner Münchner Wohnung bereits amerikanische Soldaten der "Rainbow Division". Auch die Kriegsreporter Lee Miller (Bild links) und David E. Scherman hatten sich an diesem Tag Zugang in Hitlers Wohnung verschafft und in seiner Badewanne gebadet, nachdem sie im KZ Dachau ausgemergelte Lagerinsassen, die Leichen zahlreicher verhungerter Häftlinge und einige erschossene SS-Männer gesehen hatten.

Polizei statt Nazi-Treff

Hitlers privates Eigentum fiel an an den Freistaat – darunter auch das gesamte Gebäude am Prinzregentenplatz. Seit 1949 residieren hier verschiedene Polizeibehörden und verhindern, dass die Wohnung eine Wallfahrtsstätte für die Ewiggestrigen wird. Heute ist der Prinzregentenplatz 16 Sitz der Polizeiinspektion 22

Quellen: http://www.nordostkultur-muenchen.de/architektur/prinzregentenplatz_16.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Geli_Raubal

http://www.tz.de/muenchen/stadt/ehemaliger-nachbar-edgar-feuchtwanger-wohnte-hitler-muenchen-tz-2756183.html

http://www.focus.de/panorama/reportage/reportage-daheim-bei-hitler_aid_224580.html

http://www.morgenpost.de/kultur/article207222209/Lee-Miller-Die-Frau-in-Hitlers-Badewanne.html

 

Bildnachweis (von oben nach unten) Prinzregentenstraße, links Haus Prinzregentenplatz 16, Foto: Ulrich Lohrer; Prinzregentenplatz 16, Nordostseite, Foto: Rufus46; Hitler und Geli Raubal, Foto: http://whyrv.tumblr.com/post/86780487401/geli-adolf-hitler-lived-with-his-niece-geli ;Prinzregentenplatz 16, 2. Stock: Hitler grüßt von seinem Balkon: Bayerische Staatsbibliothek München; Lee Miller am 30. April 1945 in Hitlers Badewanne, Foto David Schermann © Lee Miller Archives, England 2016. All rights reserved. www.leemiller.co.uk