Fassadenpreis 2015: Wohnhaus mit Pep im Gärtnerplatzviertel

Im November 2015 zeichnete die Landeshauptstadt München 25 private Gebäude mit dem Fassadenpreis 2015 aus und erwähnte sechs Gebäude der öffentlichen Hand lobend. Ausgezeichnet wurde auch ein Wohnhaus mit einer spannungsvollen Fassadengestaltung in der Rumfordstraße.

 

Der Amerikaner Benjamin Thompson, in München besser unter dem Namen Graf Rumford bekannt, ließ Ende des 18. Jahrhunderts Münchens Stadtbefestigung abreißen, damit die Stadt weiter wachsen konnte. Im Bereich zwischen Sendlingerplatz und Isartorplatz ließ er eine Ringchaussee anlegen, die später seinen Namen erhielt. Es siedelten sich zunächst Gewerbebetriebe, wie eine Textilfabrik, die Utzschneiderische Lederfabrik  sowie an den Bächen die Heiliggeist- und die Rufmfordmühle an. Nach der Reichsgründung wurde die Gegend nach und nach mit Mietshäuser in Blockrandbebauung bebaut. Heute gehört die Rumfordstraße zum In-Viertel um den Gärtnerplatz des zweiten Münchner Stadtbezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Das ausgezeichnete Wohnhaus befindet sich in der Rumfordstraße 11a. Es wurde 1910 errichtet und nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Zeitgeschmack entsprechend, modernisiert. Dies führte zum Verlust sämtlicher Gesimse und Fensterfaschen sowie zum Einbau ungeteilter Fenster. Das unscheinbare Äußere des Hauses ließ keinen Rückschluss mehr auf die Erbauungszeit zu, noch fiel das Gebäude besonders auf.

Vor diesem Hintergrund war es Ziel der Bauherrin, die Fassade wieder aufzuwerten, ohne dabei aber in Historismen zu verfallen. Das Erdgeschoss erhielt eine modern aufgefasste Bandrustika, die Fensteröffnungen der Obergeschosse wurden mit schlicht profilierten Faschen versehen. Pro Obergeschoss wurden jeweils vier Fenster zu französischen Fenstertüren mit Absturzsicherungen aus lasergeschnittenen Blechen umgebaut. Die gesichtslosen, alten Einscheibenfenster konnten gegen angemessene, zweiflügelige Holzisolierglasfenster ausgetauscht werden. Abschließend wurde die Fassade in einem warmen Grauton mit helleren Absetzungen und beigegrauen Fenstern neu gestrichen.

Besonders bemerkenswert ist, wie es hier ganz selbstverständlich gelang, mit einem in sich stimmigen Gliederungssystem der Fassade wieder einen spannungsvollen Ausdruck zu verleihen, ohne einstmals vorhandene Dekorelemente zu kopieren. Es ist eines von 25 Gebäuden, dass mit dem Fassadenpreis 2015 der Landeshauptstadt München ausgezeichnet wurde.

 

 

Quelle: Pressemeldung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München vom 11.11.2015

Bildnachweis: Landeshauptstadt München / Foto Maja Kaltenbach