Schönfeldvorstadt: Das Mietshaus des Hauptmann von Pusch

Das vom Baumeister Rudolf Röschenauer 1844 in der Schönfeldstraße 28 errichtete Mietshaus stellt eine architektonische Perle des Klassizismus dar. Obwohl es später um ein Geschoss aufgestockt wurde, konnte seine ursprüngliche Erscheinung weitgehend gewahrt werden.

 

Auf einem zuvor unbebauten Grund errichtete Rudolf Röschenauer 1844 bis 1845 ein dreigeschossiges Mietshaus im reduzierten Stil des Klassizismus. Auftraggeber war der königliche Hauptmann von Pusch. Der Maurermeister und Bauunternehmer Röschenauer hatte im südlichen Bereich des Villenviertels Schönfeldvorstadt der heutigen Maxvorstadt bereits einige Häuser für sich und Auftraggeber errichtet. An der Stelle wo sich das Haus befindet, mündete die Gartenstraße – die heutige Kaulbachstraße – ein, weshalb Röchenauer das Gebäude mit symmetrischer Fassade als Endpunkt gestaltete. Es weist einenreichem Stuckdekor in den Bogenfeldern der Fenster auf. In jeder Etage wurden gemäß Eingabeplan zwei Wohnungen untergebracht. Weil Röschenauer auch die Schmalseiten des Gebäudes mit Fenster versah, wurden ursprünglich Dunkelseiten vermieden.

Zwischen 1891 und 1908 wurde das Haus um ein 3. Obergeschoss aufgestockt und um eine Fensterachse nach Süden verbreitert, wo ein Neubau anschloß. Im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus getroffen, wiederaufgebaut und danach mehrfach renoviert.

Das Gebäude wurde zeitweise von Hermann Schlittgen (1859 – 1930), zu seiner Zeit ein bekannter Maler und Mitbegründer der Münchner Secession. Er war mit dem Schriftsteller Stefan George befreundet und belieferte die Zeitschrift Gartenlaube mit zahlreichen Zeichnungen.

Das Gebäude vermittelt einen Eindruck über die klassizistische Bebauung in der Schönfeldvorstadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert.

Quellen: Heinrich Habel, Johann Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München, Mitte, Band 3, Seite 1016; Martin Arz, Ulrich Schall: Maxvorstadt - Unbekannte Schöne;

Fotos: Ulrich Lohrer