Taufkirchen: Ritter Hilprants Erben

Taufkirchen im Süden von München kann mit den Kelten, Römer und Ritter Hilprant eine reiche Historie vorweisen. Nach einem Baustopp vor zehn Jahren gab es aber kaum Zuzüge mehr. Nun entstehen wieder Neubauwohnungen.

 

Obwohl das südlich von München gelegene Taufkirchen zu den am frühesten besiedelten Gegenden Bayerns zählt, erfuhr das ehemalige Bauerndorf, das 1970 gerade mal 1172 Einwohner zählte, erst danach in wenigen Jahren eine Verzehnfachung seiner Einwohnerzahl.

Als Reaktion auf die große Wohnungsnot wurde bereits in den 1960er- Jahren die Errichtung einer Großsiedlung westlich der Bahnlinie erwogen. Nach einem Architekturwettbewerb wurde ein Bebauungsplan für den 100 Hektar großen neuen Ortsteil „Am Wald“ ausgearbeitet und 1968 mit dem Bau begonnen. In den Folgejahren entstanden die Ortsteile „Am Wald“ und „Heimgarten“ für 12.000 neue Bürger.

Davor war die Gegend im Hachinger Tal schon seit Urzeiten als Siedlungsstätte beliebt. Ausgrabungen südlich des heutigen Sport- und Freizeitparks fanden  bis zu 6500 Jahre alte Spuren menschlicher Besiedlung aus der Jungsteinzeit. Auch Funde aus späteren Zeiten, wie ein rund 4000 Jahre altes Gräberfeld aus der Glockenbecherkultur, eine keltische Siedlung mit zahlreichen Speicherbauten und Feuerstellen, die restauriert werden konnte, sowie die Überreste einer römischen Villa Rustica, weisen auf eine lange durchgängige Besiedlung hin.

 

Juditha, die Ahnin der Tovkircher.

Taufkirchen wird erstmals namentlich um 1150 im Zusammenhang mit dem dort ansässigen Geschlechts erwähnt, als Juditha de Tovkirchen ihre Tochter in das Kloster Tegernsee gab. Wahrscheinlich besteht auch ein Namenszusammenhang mit der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Taufkirchen, die 1315 als Filialkirche von Oberhaching genannt wurde. Dort befindet sich eine steinerne Platte mit dem Relief des Ritters Hilprant  (1310 – 1381), dem bekanntesten Vertreter der Taufkirchener. 1330 hatte er Mechtild aus dem Hochadelsgeschlecht der Weichs aus dem Dachauer Land geheiratet. Ihr erster Sohn Gebhard wurde Abt des Klosters Tegernsee. Ihr zweiter Sohn Conrad, Richter in München, ließ die aufwendige Grabplatte für seinen Vater in Ritterrüstung errichten. Die Taufkircher wohnten in einem Herrenhaus mit Schlossanger (Obstgarten) nordöstlich der Kirche, das von dem Kartograf Philipp Apian als „arx“ (Burg) bezeichnet wurde, aber nicht erhalten blieb.

Taufkirchers Karriere unter Kaiser V.

Georg Taufkircher (1509 – 1580), ein späterer Nachfahre von Hilprant, machte Karriere unter Kaiser Karl V.  Als Offizier 1528 bei der Verteidigung des von den Türken belagerten Wien und  zwei Jahre später bei dem Feldzug des Kaisers gegen Frankreich in Nizza erwähnt, wird er später zum Hofrat, zum Hofkammerrat und schließlich zum Geistlichen Rat ernannt. Als er 1544 dem bayerischen Herzog Wilhelm IV. sein Besitztum übergab und dafür das wesentlich größere Hofmark Höhenrain erhielt, endete in Taufkirchen die Herrschaft des Geschlechts der Taufkircher.

Unter Wilhelm IV. wurde Taufkirchen zur Hofmark und 1592 unter seinem Enkel Wilhelm V. dem Jesuitenkolleg München übergeben.

Starker Bevölkerungszuwachs ab 1970

Von dem Bauerndorf erhalten geblieben sind die typischen Bauernhäuser „Beim Kaindl“ oder „Beim Wolfschneider“, dem heutigen Heimatmuseum. Um 1900 entstanden einige Bürgervillen und Wohnhäuser im Heimatstil, etwa das von Joseph Berlinger entworfene Pfarrhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Taufkirchen durch Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten einen Bevölkerungszuwachs von 800 auf rund 1300 Einwohner. Den deutlich größeren Einwohnerzuwachs erlebte die Gemeinde mit dem anfangs beschriebenen Bau der neuen Ortsteile Am Wald und Heimgarten Anfang der 1970er-Jahre. Ende der 1990er-Jahre kam es dann zu einer Gegenbewegung. Die Initiative „Lebenswertes Taufkirchen“ (ILT), seit 1996 im Gemeinderat, trat mit Erfolg für einen Bürgerentscheid gegen die weitere Bebauung ein. So wurde die geplante Bebauung der Kegelfelder verhindert und 2015 die Feuchtwiesen am Hachinger Bach unter Naturschutz gestellt.

 

In den vergangenen Jahren stieg allerdings in der Gemeinde wieder die Bereitschaft, neue Bauvorhaben für  Wohnraum zuzulassen. Das größte Projekt wird an der Tegernseer Landstraße zwischen den Ortsteilen Winning und Bergham verwirklicht. Dort wurde im September 2020 an der Nordseite des Riegerwegs ein Edeka-Markt in einem soeben fertiggestellten Gebäudekomplex eröffnet. Bauherr ist der Taufkirchner Immobilienunternehmer Erich M. Obermaier. Die darüber befindlichen 70 Mietwohnungen wurden bezogen. 

Noch im Bau befinden sich die gegenüber liegenden Riegerhöfe des Bauträgers Eurytos. Die 154 Eigentumswohnungen werden von der KWAG vertrieben und zu Preisen von 349.000 Euro bis über eine Million Euro angeboten. Geworben wird dabei mit der bis Ende des Jahres geltenden dreiprozentigen Mehrwertsteuerersparnis.

Zwischen den Riegerhöfen und dem Gebäudekomplex mit dem Edeka-Supermarkt befindet sich ein weiteres Baugrundstück, das der Gemeinde gehört. Sie will dort zusammen mit Münchens städtischer Wohnungsgesellschaft GEWOFAG 44 Wohnungen bauen, die relativ günstigen an Erzieherinnen, Pflegepersonal und Rathausmitarbeiter vermietet werden sollen. Der ursprüngliche Bezugstermin im Jahr 2021 wurde verworfen, da wegen der Corona-Krise mit dem Bau noch gar nicht begonnen wurde. Nun wird die 13 Millionen Euro teure Wohnimmobilie voraussichtlich erst im Frühjahr 2023 fertiggestellt sein.

Ein größeres Projekt der kommenden Jahren ist die Um- und Neugestaltung des Quartiers am Bahnhof.

 

Die Gemeinde in Zahlen

Taufkirchen ist eine Gemeinde im Landkreis München. Im Norden befindet sich die Gemeinde Unterhaching und der Perlacher Forst, die beide an die Landeshauptstadt München angrenzen. Südwestlich von Taufkirchen liegt die Gemeinde Oberhaching und südöstlich die Gemeinde Brunnthal. Nordöstlich von Taufkirchen befinden sich Hohenbrunn und Ottobrunn.

Einwohner: Der Wanderungssaldo ist in etwa ausgeglichen, seit 2005 steigt aber das Geburtendefizit.  

Infrastruktur: Taufkirchen liegt an der Bahnstrecke München Ost-Deisenhofen, die von der S-Bahn-Linie S3 befahren wird. Zudem gibt es mehrere Buslinien zu den Nachbargemeinden und nach München. Die Bundesautobahnen 995 und 8 binden Taufkirchen an das Fernstraßennetz an. Größere Einkaufsmöglichkeiten gibt es im Ortsteil am Wald (Norma, Penny), beim Rathaus und im Edeka-Markt. Freizeitmöglichkeiten bieten der Sport-Campus und der Erlebnispark Jochen Schweizer Arena.

Immobilien: Neue Eigentumswohnungen werden in den Riegerhöfen angeboten.

 

Weiter Informationen:

Taufkirchen: Internetauftritt der Gemeinde

 

Bilder und Text: Ulrich Lohrer, Stand 14.10.2020