Obersendling: Das Ensemble Zielstattstraße-Nelkenweg

Eine der ersten großen Wohnanlagen im damaligen Industrieviertel Obersendling war die von Theodor Fischer entworfene und in der Weimarer Republik erbaute Kleinwohnsiedlung in der Zielstattstraße-Nelkenweg. Obwohl stilistisch einfach entworfen, wirkt sie heute malerisch.

 

Mit der für den „Verein zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in München e. V.“ zwischen 1919 und 1928 erbauten Siedlung  „Alte Heide“ im nördlichen Münchner Stadtbezirk  Schwabing-Freimann zeigte der Architekt  Theodor Fischer, wie durch industriell gefertigter Zeilenbau preisgünstiger und aufgrund der gleichmäßiger Orientierung zu Luft und Sonne gesunder Wohnraum geschaffen werden kann. Führende Vertreter des Neuen Bauens und dem Bauhaus wie Otto Haesler und  Walter Gropius sowie Mart Stam übernahmen daraufhin den Zeilenbau an und lösten damit die Blockbebauung mit ihren engen Höfen und oft schlecht belüfteten Wohnungen ab.

Weniger bekannt ist die etwa zeitgleich (1918 – 1927) ebenfalls von Fischer für den „Verein zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in München“ entworfene und unter Oberleitung von Johann Mund erbaute Wohnanlage Zielstattstraße-Nelkenweg in Obersendling im südlichen 19. Münchner Stadtbezirk.

Das Wohnangebot war allerdings in der Obersendlinger Anlage vielseitiger als in der Alten Heide. Zwischen der Zielstattstraße (Hausnummer: 89, 91, 93, 95, 99) im Norden und dem Nelkenweg im Süden (2, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 22, 24) wurden fünf Zeilenbauten in Nord-Süd-Richtung angeordnet. Entlang der Aidenbachstraße im Osten (siehe Foto oben: Blick von Aidenbachstraße von Osten in die Zielstattstraße) sowie entlang der Steinmetzstraße (Foto oben links: Rückseite) im Westen sind die Wohngebäude im Gegensatz zu den Innen liegenden Gebäuden länger und schirmen damit das Quartier ab.

Die kürzeren Zeilenbauten an der Mitte der Zielstattstraße ließen nach Süden Grünanlagen frei, in dem sich heute die mittlerweile alten und hochgewachsenen Bäume befinden (siehe Bild links).

Die Wohnungen, die in der Regel aus Wohnküche, zwei Zimmern und Toilette bestehen, sind allerdings noch nicht mit (individuellen) Bädern ausgestattet.

Reihenhaussiedlung flankiert von Zeilen-Geschosswohnbauten

Parallel dem Nelkenweg wurde als einzige Bebauung in Ost-West-Richtung eine niedrige Kette von Reihenhäuser angelegt (siehe Foto links – Nordseite, Foto unten, Südseite). Diese wurden nicht von Fischer, sondern von Paul Wenz entworfen und verfügen über jeweils einen nach Süden ausgerichteten Vorgarten.

Die Anlage bezeichnet den Wechsel vom malerischen Siedlungsbau vor dem Ersten Weltkrieg – der in der Anlage noch in der Fassadengestaltung und den Holzfenstern ersichtlich ist – zum Zeilenbau der Zeit danach. Die stilistische Gesamthaltung bleibt bei aller Einfachheit konservativ.

Ursprünglich sollte die Wohnanlage größer ausfallen, doch wurde nach den Entwürfen von Theodor Fischer nur der beschriebene nördliche Bereich zwischen Zielstattstraße und Nelkenweg ausgeführt. Später – in den 1930er-Jahren erfolgte der Weiterbau zwar nach Süden zur Boschetsrieder Straße bzw. zum Ratzinger Platz, allerdings nach einem veränderten Konzept.

Quelle: Denis A Chevalley, Timm Weski: Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München Südwest, 1, Seite 26 - 27

Fotografien: Ulrich Lohrer