Zorneding: Wohnen auf dem Land

Knapp 20 Kilometer östlich von München lockt das ländliche Zorneding. Obwohl hier aktuell viele neue Wohnungen entstehen, ist auch hier die Wohnungsnachfrage größer als das Angebot. 

 

Die Zeiten, in denen im Landkreis Ebersberg noch relativ günstig Immobilien angeboten wurden, sind endgültig vorbei. In Zorneding, einer im Westen des Landkreises gelegenen Gemeinde, werden laut des IVD-Instituts für freistehende Einfamilienhäuser mit gutem Wohnwert im Schnitt 1,2 Millionen Euro bezahlt.

Für viele Kauf- und Mietinteressenten ist das Münchner Umland während der Pandemie noch mehr in den Fokus gerückt. „Die Sehnsucht nach mehr Raum und Natur ist gewachsen, während eine weitere Entfernung zum regulären Arbeitsplatz, dank einer flexibleren Tagesgestaltung im Zuge von Home-Office-Regelungen, in Kauf genommen werden“, erläutert Stephan Kippes, Leiter des IVD-Instituts. Dabei erfüllt die 9300-Seelen-Gemeinde die Vorstellung des oberbayerischen Idylls. Zwischen umliegenden Rapsfeldern und südlich des Ebersberger Forsts – das mit 90 Quadratkilometer Ausdehnung das größte Waldgebiet in der Region München – gelegen, lässt sich 20 Kilometer östlich von München die Natur genießen. Von der großen Nachfrage nach Wohnraum profitiert der Schweinfurter Projektentwickler Riedelbau, der auf der bislang unbebauten Wimmerwiese südlich der Georg-Münch-Straße wenige Meter vom S-Bahnhof entfernt die Wohnanlage „Natürlich! Stadt“ 57 Eigentumswohnungen errichtet. Aktuell werden Wohnungen des zweiten Bauabschnitts angeboten. Eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 82 Quadratmeter Wohnfläche wird für 670.000 Euro offeriert – mehr als 8100 Euro pro Quadratmeter.

 

Auf der Wimmerwiese sollen aber auch noch 50 Wohnungen als Mietwohnungen entstehen. Sie sollen nach einem von der Gemeinde ausgearbeiteten Vergabekatalog an „einkommensschwächere und weniger begüterte Personen der örtlichen Bevölkerung“ kostengünstig vermietet werden. Bei der Festlegung der Grenzen hat sich Zorneding an die in Bayern geltenden Regeln für den Bezug eines Wohnungsberechtigungsscheins (WBS) gehalten. Obwohl also viele Wohnungen in Bau sind, werden Münchner, die nicht bereits dort eine neue Eigentumswohnung erworben haben, kaum mehr zum Zuge kommen.

 

Anschluss an München über den alten Postweg.

Die Gegend von Zorneding ist ein altes Siedlungsgebiet, in denen sich schon 2600 Jahre alte Hügelgräber aus der Hallstattzeit nachweisen lassen. In der Urkundensammlung der Freisinger Traditionen wurde es bereits schriftlich als „Zornekeltinga“ schriftlich erwähnt. Der Namensteil „Zorn“, zerren, im Sinne von roden, verweist auf die Rodungsinsel im Ebersberger Forst. 935 wurde eine Holzkirche als Eigenkirche des Grafen Eberhard von Ebersberg erwähnt, die dem Bistum Freising gestiftet wurde und später durch einen gotischen Steinbau ersetzt wurde. Dieser wurde 1719 bis 1721 durch den barocken Neubau St. Martin ersetzt, deren Baumeister wohl der Grafinger Maurermeister Thomas Mayr war.

Nachdem bereits die alte Post- und Salzstraße, die nach der Gründung von München 1158 an Bedeutung gewann, durch Zorneding verlief, ließ die vom Adelsgeschlecht Thurn und Taxis betriebene Kaiserliche Reichspost seit 1679 ihren sogenannten Kurs 5 durch die Ortschaft führen. 1748 wurde die kaiserliche Reichsposthalterei errichtet. In dem 1803 wiederaufgebauten Gebäude befindet sich der heutige Gasthof zur Post (Bild ganz oben links). Etwas weiter südlich verläuft von Westen die Münchner Straße, an die auf der Höhe des Ortszentrums die Wasserburger Landstraße nach Osten anschließt. Entlang dieser ehemaligen Poststraße befinden sich einige denkmalgeschützte Bauernhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert. In dem Hofanwesen Münchner Straße 11 befindet sich heute das Vier-Sterne-Hotel Glasl´s Landhotel.

Mit der neuen Bahnstrecke von München nach Rosenheim erhielt Zorneding 1871 einen eigenen Bahnhof. Die Gleisanlagen, auf denen heute im 20-Minuten-Takt die S-Bahn nach München verkehrt, verlaufen nördlich des alten Ortskerns um St. Michael und südlich von Pöring, einem Dorf am Ingelsberg, das heute ein Ortsteil von Zorneding bildet. Im 20. Jahrhundert wuchsen beide Ortsteile durch den Bau von vorwiegend Einfamilienhäusern zusammen.

 

Ebersberger Forst als Großprojekt-Standort.

Die Trotz der zunehmenden Bebauung ist der ländliche Charakter durch den Blick auf die umliegenden Felder und Wälder erhalten. Die Bayerische Staatsregierung sah in den weiten unbebauten Flächen, vor allem des Ebersberger Forstes, in der Vergangenheit einen idealen Standort für Großprojekte, die aber aufgrund der Proteste der naturliebenden Bevölkerung aufgegeben wurden. So wurde in den 1960er-Jahren die Ansiedlung des internationalen Protonen-Großbeschleunigers CERN und später dort der Bau des neuen Münchner Flughafens geplant. Gegen das jüngste Projekt, den Bau von fünf je bis zu 250 Meter hohen Windkraftanlagen im Westen der Waldfläche durch das Münchner Ökostrom-Unternehmens Green City Energy konnte sich die „Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst“ allerdings nicht durchsetzen. Im Bürgerentscheid am 16. Mai vergangenen Jahres stimmte eine knappe Mehrheit von 52,7 Prozent für die mögliche Errichtung der Windräder.

Die Sehnsucht nach unberührter Natur lässt sich daher auch in ländlichen Gegenden der Metropole nur mit Kompromissen befriedigen.

 

 

 

Die Gemeinde in Zahlen

Zorneding ist eine am westlichen Rand des Landkreis Ebersberg gelegene Gemeinde. Sie teilt sich in vier Gemeindeteile auf, dem südlich gelegenen ehemaligen Pfarrdorf Zorneding, dem nördlich angrenzendenPöring und dem weiter nördlich gelegenen Ingelsberg. Am nördlichsten befindet sich der Gemeindeteil Wolfesing. Im Uhrzeigersinn wird die Gemeinde von den ebenfalls zum Landkreis Ebersberg gehörenden Nachbargemeinden umgeben: im Norden von Vaterstetten, (im Nordosten vom Ebersberger Forst), im Osten von Kirchseeon, im Südosten vom Moosach und im Süden von Oberpframmern. Im Westen grenzt an Zorneding Grasbrunn, eine Gemeinde im Landkreis München.

Einwohner: Zorneding weist seit etwa zehn Jahren einen Bevölkerungszuwachs von durchschnittlich knapp 100 Einwohner pro Jahr auf und liegt beim Altersdurchschnitt unter dem Durchschnitt des Landkreises Ebersberg.

Infrastruktur: Am Bahnhof Zorneding verkehren Züge zwischen München und Rosenheim und es besteht Anschluss an die S-Bahn-Linie S6 (U-Bahnhöfe Westendstr., Friedenheimerstr.). Einzelhandel (Aldi, Penny, REWE) befindet sich im Nordwesten im Gewerbegebiet. Freizeitmöglichkeiten bieten die Sportanlagen im Süden und die umliegenden Wälder.

Immobilien: Seit 2015 werden im Schnitt 26 Wohnungen pro Jahr gebaut, relativ hohes Preisniveau. 

 

Weitere Informationen:

https://www.zorneding.de/ Internetauftritt der Gemeinde Zorneding